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Mittelaltermarkt

Treiben wie vor Hunderten von Jahren

Gaukler, Feuerschlucker, Ritter, Schmiede, alte Instrumente - das und noch viel mehr erwartete Tausende Besucher am Wochenende beim Mittelalter-Treff für jedermann.
Mittelaltermarkt im Schlosspark: Tausende von Besuchern erfreuten sich an mittelalterlicher Musik (Bild oben), Burgfräulein in Original-Kostümen oder traditionellem Zubehör. Foto: Nadine Weigel

Mittelaltermarkt im Schlosspark: Tausende von Besuchern erfreuten sich an mittelalterlicher Musik (Bild oben), Burgfräulein in Original-Kostümen oder traditionellem Zubehör. Foto: Nadine Weigel

© Nadine Weigel

Marburg. Ein Schmiedegehilfe betätigt einen Blasebalg, um das Feuer anzufachen, dass das Eisen schmilzt. Der Schmied bearbeitet das noch glühende Eisen auf einem Amboss, um daraus Waffen herzustellen.

Der vierjährige Nicklas Kaczmarek aus Marburg schaut gebannt zu, während seine Großeltern, Brunhilde und Alfred, ihm erklären, was da vor sich geht. Denn dieser Anblick ist in heutigen Zeiten selten und findet im Alltag eher nicht statt. Doch beim Mittelalterlichen Markt im Park des Landgrafenschlosses gehört die Schmiede seit nunmehr acht Jahren zum festen Programm dazu.

Die Firma Mittelaltermarketing veranstaltet über ihren Verein „Kramer Zunft und Kurtzweyl“ bereits seit über 30 Jahren Touren durch ganz Deutschland, wie Marktvogt Leonhard vom Platze erklärt. „Nach Marburg kommen wir seit acht Jahren“.

Der Markt, der fast jedes Jahr Ende August an einem Wochenende (Samstag und Sonntag) stattfindet, ist einer von etwa sechs bis zehn im Jahr, erklärt Kyra Greven (24) aus Köln. Die Mitarbeiterin arbeitet seit acht Jahren als Kassiererin beim Mittelaltermarkt. „Marburg ist einer der mittelgroßen Märkte und scheint recht beliebt zu sein, denn viele Marburgerinnen und Marburger kommen jedes Jahr aufs Neue her.“

Insgesamt etwa 100 Mitarbeiter, darunter zehn von der Firma und die anderen von den Ständen, kümmern sich darum, dass alles reibungslos abläuft und schaffen ein Gefühl, das einen in die Zeit der Burgen, Ritter und Gaukler versetzt. Den ganzen Tag laufen Musiker mit altertümlichen Instrumenten wie Trommeln, Trompeten oder Dudelsäcken umher und untermalen so das mittelalterliche Flair, in das der Schlosspark getaucht ist.

Markt soll authentisch sein

Es gibt ein Kulturprogramm, für die Kinder Werkstätten, in denen sie drechseln, schmieden, filzen und Lederarbeiten kennenlernen können. Auch Bogenschießen findet sich auf dem Gelände, alte Messer und Okarinas (Kugelflöten aus Ton) oder Stockbrot zu kaufen. An einem Stand kann man der traditionellen Fleischzubereitung zuschauen. Auf einer Bühne geben Gaukler ihre Kunstwerke zum Besten. Bettler Ben bittet die Besucher um ein kleines Scherflein.

„Wir legen Wert darauf, dass unsere Märkte authentisch sind. Es gibt keinen offensichtlichen Strom, die Stände sind alle von den Ausstellern selbst gebaut“, beteuert Greven. Neben der Stammbesetzung kommen bei jedem Markt noch Leute aus der jeweiligen Region dazu.

Beim Markt in der Universitätsstadt sind das zum Beispiel Ritterlagerschafts-Vereine wie „Die Ritterschaft vom Uhlenhorst zu Betzichendorph“. Die Besucher „finden das schön, es ist gut für die Atmosphäre“, erklärt Greven. Sie erzählt, dass sie früher eigentlich keinen Bezug zum Mittelalter hatte, doch durch eine Freundin wurde die Tätigkeit beim Mittelaltermarkt für die Studentin zu einem „kreativen Nebenjob“. Die Mitarbeiter seien „wie eine kleine Familie“ für sie.

von Yannick Bakhtari

[Till Conrad]

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