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Traumblick auf Zeit im Notquartier

Studentisches Wohnen Traumblick auf Zeit im Notquartier

Nicht alle Studierenden haben schon eine Wohnung gefunden. Zum Semesterstart sind die Notquartiere des Studentenwerks schon gut belegt.

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Daniel aus Freiburg hat seinen Laptop auf einem Tisch neben seinem Bett im Notquartier des Studentenwerks im Lomonossow-Haus aufgebaut. Der Blick über die Stadt aus dem obersten Stockwerk ist imposant. 

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Das oberste Stockwerk, der sogenannte „Dachgarten“ des Lomonossow-Hauses im Studentendorf im Waldtal ist in ein Bettenlager verwandelt worden. Acht junge Männer wohnen in der dortigen Notunterkunft des Studentenwerks, die an einen Schlafsaal in der Jugendherberge erinnert, übergangsweise gemeinsam. Für die Koffer ist wenig Platz, wichtige persönliche Sachen können die Studenten in Spinden verschließen. „In den vergangenen Jahren gab es hier im Notquartier aber keine Probleme. Es ist nie etwas weggekommen“, berichtet Wirtschafterin Karin Ruppert, die im gesamten Lomonossow-Haus nach dem Rechten sieht.

Mathis, angehender Psychologie-Student aus Bielefeld, nimmt das Notwohnen gelassen. „Das ist ein richtiges Penthouse hier: Man hat einen tollen Blick über die ganze Stadt“, meint er im Gespräch mit der OP. Und da kann man ihm nur beipflichten. So spartanisch die Einrichtung der Notunterkunft auch ist und so wenig Platz es dort zum Wohnen gibt: die hohe Fensterfront des „Dachgartens“ ermöglicht einen traumhaften Panoramablick vom Südviertel bis nach Wehrda, der für Unannehmlichkeiten entschädigt.

 

Und noch etwas Positives kann er beim weiteren Nachdenken seiner aktuellen Wohnsituation abgewinnen: Im Vorgriff auf sein Studium böte sich das gemeinsame Wohnen durchaus auch für psychologische Feldstudien zur Frage an, wie gut das Zusammenleben mit fremden Personen auf engstem Raum funktioniert, meint er.

Da der Bielefelder erst vor kurzem seine Zulassung zum Psychologie-Studium bekommen hat, ist er erst seit Montag in Marburg. Die Zeit für eine erfolgreiche Wohnungssuche war für ihn also viel zu kurz. Und so kam für ihn das Angebot des Studentenwerks, übergangsweise im Notquartier unterzukommen, gerade recht. Jetzt bemüht er sich mit Hochdruck, doch noch eine Wohnung in Marburg zu finden.

Alle Wohnheimplätze sind bereits vermietet

Von seinem neuen Studienort ist er auf jeden Fall begeistert. „Hier kann man alles zu Fuß erreichen“, erzählt Mathis. Zum Beginn dieses Wintersemesters, in dem bei den Studierendenzahlen eine erneute Rekordmarke erwartet wird, ist der Wohnungsmarkt deutlich angespannt.

Die Verantwortlichen des Marburger Studentenwerks berichten davon, dass derzeit schon alle zur Verfügung stehenden 2100 Wohnheim-Plätze vermietet sind. Die Nachfrage an einem Platz in einem Wohnheim des Studentenwerks ist höher denn je. „Die Zahl der Bewerber auf unserer Warteliste ist im Vergleich zum Vorjahr um etwa 10 Prozent gestiegen“, berichtet Studentenwerks-Sprecherin Franziska Busch. Auch der Run auf die Notquartiere ist groß. Derzeit sind bereits 47 Plätze in den vom Studentenwerk im Studentendorf eingerichteten Notunterkünften belegt. Weitere 32 Plätze stehen zudem „einzugsbereit“ zur Verfügung und zwar in Räumen „Am Richtsberg 88“, sobald Feuerwehr und Bauamt grünes Licht geben. Derzeit ist aber nach Angaben von Busch noch nicht absehbar, dass sich noch sehr viel mehr Aspiranten für ein Notquartier melden werden. Höchstwahrscheinlich ist der größte Studentenansturm bereits erfolgt.

Dass die Wohnungssuche in Marburg gar nicht so einfach ist, auch wenn man etwas mehr Zeit hat, hat Daniel aus Freiburg erlebt, der Medienwissenschaften in Marburg studieren will und jetzt auch im „Dachgarten“-Notquartier untergekommen ist. Einige Male habe er bereits versucht, in Marburg eine Wohnung zu finden. Aber auch die mehrmalige Teilnahme an „WG-Castings“ sei bisher vergeblich gewesen, berichtet der Freiburger. Mit dem Wohnen in Notquartier hat er sich bisher arrangiert. „Es reicht für den Übergang“, berichtet er. Nun will er sich verstärkt um eine eigene Bude in Marburg bemühen.

von Manfred Hitzeroth

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