Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
„Traum von Europa wird zerstört“

Pro-Griechenland-Demo „Traum von Europa wird zerstört“

Rund 120 Marburger fanden sich am Mittwochabend auf dem Marktplatz zusammen, um ihre Solidarität mit Griechenland und der Regierung Tsipras auszudrücken.

Voriger Artikel
Fehlt es an Gewicht, hilft nur Schwung
Nächster Artikel
Gut Kirschen essen

Solidaritätskundgebung für Griechenland auf dem Marburger Marktplatz.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. „Marburg ist heute die Stimme der Freiheit und der Demokratie in Europa“, rief Jochen Schäfer den Demonstrationsteilnehmern gleich zu Beginn zu. Auf seinem Keyboard spielte er zwischen den Redebeiträgen Lieder, die thematisch zur Solidaritätsbekundung mit Griechenland und der Kritik an den Euro-Partnern passten. 

Pro Griechenland Demo - Marktplatz, Marburg 01.Juli 2015 : Foto / Michael Hoffsteter

Zur Bildergalerie

Worum es bei der Demonstration ging, fasste der DGB-Vorsitzende des Kreisverbandes, Pit Metz, so zusammen: „Es ist eine Kundgebung für Syriza und für ein Nein beim Referendum“.

Land nicht seinem Schicksal überlassen

Am vergangenen Wochenende hatte der griechische Premierminister Alexis Tsipras überraschend ein Referendum über die Bedingungen der Gläubiger des Landes angekündigt, um Griechenland ein weiteres milliardenschweres Hilfspaket zu gewähren. Dabei hatte zu dem Zeitpunkt noch gar keine Einigung mit den EU-Partnern bestanden. Dieser Schritt der griechischen Regierung wurde von den Geldgebern stark kritisiert, eine Einigung schien außer Reichweite zu sein. Ob Griechenland im Euro verbleibt und ein weiteres Hilfsprogramm vereinbart wird, steht aber immer noch auf der Kippe.

"Erniedrigung des griechischen Volkes" 

„Wenn Syriza scheitert und es Griechenland demnächst noch viel schlechter geht, dann werden die Menschen dort die Rechten wählen“, warnte Professor Johannes M. Becker davor, das Land seinem Schicksal zu überlassen. „Deshalb ist das Referendum auch unser Referendum“, fügte er an. Es gehe um die „Erniedrigung des griechischen Volkes“ seitens der EU, zitierte er Tsipras. Dessen Rede zur Begründung des Referendums sei ohnehin nicht ausreichend in der Öffentlichkeit wahrgenommen worden.

Auf Versprechen beharren

Tsipras habe unter anderem davon gesprochen, es gehe um das ihm vom griechischen Volk gegebene Mandat, „die Austerität zu beenden“ sowie „Wohlstand und Gerechtigkeit zurückzubringen“, so Becker. Die anderen Europäer beharrten demnach aber darauf „Versprechen umzusetzen, die die Vorgängerregierung getroffen hat“. Auch Professor Aris Christidis von der Uni Gießen kritisierte die ehemalige „Troika“ aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds scharf.

Institutionen diktieren den Kurs

„Institutionen, die sich nie demokratisch haben legitimieren lassen, diktieren in Griechenland den Kurs“, rief er den Demonstranten entgegen. Er verwies auf unterernährte Schulkinder und Tote durch Unterversorgung in Krankenhäusern. Die aktuelle Regierung sei die erste, „die sich ein kleines bisschen Demokratie nicht verbieten lässt“, so Christidis. Durch die Institutionen werde der „Traum von einem einheitlichen Europa zerstört“.
 Becker regte an, sich nach der Kundgebung mit Interessierten über die Gründung einer „Solidaritätsgruppe“ zu unterhalten. Die Koordinierung eines solchen Vereins könne er jedoch nicht übernehmen.

von Peter Gassner

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr