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Trauerrednerin mit Gespür für die Geschichte des Lebens

Beruf Trauerrednerin mit Gespür für die Geschichte des Lebens

Trauerrednerin Julia Schumacher spricht darüber, wie fremd der Tod den Menschen geworden ist.

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Julia Schumacher arbeitet als Trauerrednerin. Privatfoto

Marburg. Trauer ist der Beruf von Julia Schumacher. Jede Woche spricht die freie Theologin Worte zu Hinterbliebenen, die deren Schmerz lindern sollen. Die Pein, dass ein Verwandter, ein Freund gestorben ist. Schumacher ist Trauerrednerin. Sie tröstet - versucht, das Lächeln zurückzubringen in die Gesichter jener, die einen geliebten Mitmenschen verloren haben.

„Der Job macht mir Spaß“, sagt die 37-Jährige. Zwar werden ihre Dienste nur nach Tragödien benötigt, aber sie hat „das Gefühl, Menschen wirklich helfen zu können“. In deren bisweilen schlimmsten Lebenslagen. 2010 machte sich die gebürtige Marburgerin selbstständig. Sie versuchte in Mittelhessen Fuß zu fassen, das gelang erst nur mäßig. Der Umzug in eine südhessische Kleinstadt veränderte ihren beruflichen Horizont - zwischen Darmstadt und Kassel, Limburg und Alsfeld steht sie Leuten bei, die Persönliches loswerden wollen. Sie, die seit ihrer Kindheit gerne Geschichten schreibt, soll dann die richtigen Worte finden. Für den Charakter, für den Lebensweg eines Verstorbenen.

„Biografische Abhandlungen vermeide ich. Die Leute merken doch sofort, wie intensiv sich ein Pastor, Pfarrer oder Redner mit dem Menschen beschäftigt hat“, sagt sie. Sie konzentriert sich auf einzelne Aspekte, auf Höhepunkte - und Tiefschläge - eines Toten. „Ich versuche in Gesprächen vorher das Wesen der Person zu ergründen, sein Ich kennenzulernen“, sagt sie. Wenn sie ein Gespür für den Verstorbenen bekommen habe, gehe es nur darum „allen den Abschied leicht zu machen.“ Ein Tabu sei das Sterben nicht mehr. „Doch ist der Tod vielen fremd geworden“, sagt sie.

von Björn Wisker

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