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Trauer um getötete Studenten

Anschlag in Kenia Trauer um getötete Studenten

In der Marburger Organisation SMD herrscht Bestürzung über den Terrorangriff auf die Universität Garissa in Kenia, bei dem vor rund einer Woche 148 Menschen getötet wurden – darunter Mitglieder ihrer Partnerorganisation.

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Mit Rosen und Kerzen haben die Kenianer der 148 Toten gedacht, die bei dem Terroranschlag vor gut einer Woche ums Leben gekommen sind.  Auch Christen in Marburg trauern.

Quelle: dpa

Marburg. Als SMD-Vorsitzender Professor Paul-Gerhard Reinhard erfuhr, dass sich unter den ersten Opfern des Anschlags der somalischen Al-Shabaab-Miliz auch viele Mit­glieder der örtlichen Studentengruppe namens „Focus“ befanden, war das Ereignis plötzlich ganz nah: „Die ersten Nachrichten vom Anschlag machten uns bereits betroffen. Als wir dann aber hörten, dass es sich um eine Studentengruppe handelte, mit der wir über unseren Dachverband verbunden sind, rückte das Geschehen nochmal deutlich näher und macht sprachlos.“

Partnerorganisationen mit dem selben Auftrag

Focus Kenya ist eine Partnerorganisation der SMD, ein Netzwerk von Christen in Schule, Hochschule und Beruf, die ihren Sitz in Marburg hat. Über den weltweiten Dachverband International Fellowship of Evangelical Students (IFES), den insgesamt 160 nationale christliche Studentenbewegungen angehören, sind sie seit Jahren verbunden. „Wir haben denselben Auftrag: Wir möchten christliche Studenten dazu einladen, ihren Glauben an der Universität zu leben“, erklärt Christian Enders, Presse- und Öffentlichkeitsreferent der SMD im OP-Gespräch.

Auf den regelmäßig stattfindenden Weltkonferenzen der IFES tauschen sich die Mitarbeiter der christlichen Studentengruppen über aktuelle Herausforderungen aus. Dort erfuhr Enders auch von seinen kenianischen Kollegen, dass es für die Studenten in Garissa eine besondere Herausforderung war, ihren Glauben zu leben. „Sie lebten in dem ständigen Bewusstsein, dass es dort aufgrund der Nähe zu Somalia gefährlich für
sie war.“ (siehe Hintergrundkasten unten)

Studenten während eines Gebetstreffens getötet

Am Morgen des 2. April hatten sich gerade 29 Mitglieder von Focus Kenya zu einem Gebetstreffen versammelt, als die maskierten Terroristen das Universitätsgebäude stürmten und um sich schossen. Nur sieben der Studenten überlebten.

In der Woche nach dem Anschlag hätten viele kenianische Hochschulgruppen Gebetstreffen abgehalten. Viele Hauptamtliche von Focus seien angereist, um Seelsorge anzubieten und Beistand zu leisten, insbesondere den Hinterbliebenen, die in den letzten Tagen angereist sind, um die Ermordeten zu identifizieren und beizusetzen. Am Donnerstag veranstaltete Focus einen Gedenkgottesdienst, an dem auch Überlebende des Terroranschlags und Universitätsmitarbeiter teilnahmen.

Auch in Deutschland haben christliche Studenten mit Entsetzen und Trauer auf den Anschlag reagiert. Auf der SMD-Osterkonferenz „studikon“, die am vergangenen Wochenende in Baunatal stattfand, beteten rund 900 Teilnehmer aus ganz Deutschland für ihre Glaubensgeschwister in Kenia und für Frieden in den Konfliktregionen der Welt. „Der Terroranschlag in Kenia hat uns ganz neu bewusst gemacht, dass Christenverfolgung eine Realität ist“, sagt Enders. Christliche Studenten aus nordafrikanischen Ländern berichteten der IFES häufig über Verfolgung. In Nigeria wurde erst kürzlich ein Student auf dem Campus von Milizen der Boko Haram gejagt. In Marokko treffen sich die Studenten im Untergrund, aus Angst, für ihren Glauben bestraft zu werden.  

„Glaubensfreiheit zu haben,   ist ein großes Privileg“

„Wir haben großen Respekt den Christen in Afrika gegenüber, die trotz der Bedrohungslage ihren Glauben leben und sich nicht einschüchtern lassen“, so Enders. Der Anschlag  in Kenia „hat unser Bewusstsein dafür geschärft, dass es ein großes Privileg ist, in Deutschland Religions- und Meinungsfreiheit zu haben und dass wir unsere Arbeit als SMD so frei ausüben dürfen“.

IFES hat eine Spendenaktion gestartet. Die Gelder sollen den verletzten Studenten und den Angehörigen der Todesopfer zugute kommen und für Krankenhauskosten, Beerdigungskosten, Reisekosten und die Unterbringung der Angehörigen in Nairobi eingesetzt werden. Spenden für die betroffenen Studenten und deren Angehörigen können an die SMD gerichtet werden, die
diese direkt weiterleiten.

von Ruth Korte

Hintergrund
Garissa liegt etwa 200 Kilometer von der Grenze zu Somalia entfernt. Die islamistisch militante Bewegung der Al-Shabaab hatte in der Vergangenheit wiederholt Ziele in Kenia attackiert, um Vergeltung für den Einsatz kenianischer Soldaten in ihrem Land zu üben und Rache für die angeblich schlechte Behandlung von Muslimen in dem christlich geprägten Nachbarland zu nehmen. Bei ihrem jüngsten Anschlag in der Universität von Garissa machte die Al-Shabaab-Miliz gezielt Jagd auf Christen.
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