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Transparenz soll Vertrauen schaffen

Keine Ärzte-Tricks Transparenz soll Vertrauen schaffen

Mediziner kämpfen in Deutschland mit einem großen Vertrauensproblem. Transplantationsskandal, falsche Ärzte und eine Anschuldigung der Krankenkassen verunsichern die Patienten.

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Volle Konzentration im Operationssaal im Klinikum. Hier kommen nur die Patienten unters Messer, die es auch wirklich müssen, versichert das UKGM. Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die Krankenkassen erheben schwere Vorwürfe gegen Klinikbetreiber. Sie sagen, unnötige Operationen hätten Methode. Die Diskussion kam auf, als die Tricksereien bei der Vergabe von Spenderorganen bekannt wurden. Ärzte hatten Patienten kränker geschrieben als sie es tatsächlich waren. Dazu die aus Sicht der Krankenkassen ungewöhnlich starken Anstiege bei orthopädischen (plus 14 Prozent) sowie bei kardiologischen Behandlungen (17 Prozent) in den vergangenen vier Jahren. Der demografische Wandel erkläre da nur einen geringen Teil.

Und so stellen die Kassen die Frage: Werden Chefärzte durch Zielvereinbarungen - etwa wie viele Patienten pro Jahr operiert werden müssen - dazu angestiftet, unnötige Eingriffe zu veranlassen?

Mehr Patienten - mehr Geld

Mit einer Offenlegung solcher Boni-Verträge will die Politik dazu beitragen, Transparenz zu schaffen und das Vertrauen der Patienten in die Ärzte wieder zu stärken. Das Problem aber ist hausgemacht: Bezahlt wird nicht nach Dauer der Behandlung, sondern nach Fall. Je mehr Patienten also auf dem OP-Tisch landen, umso mehr Geld überweist die Kasse an die Ärzte. Auch der Schwierigkeitsgrad des Eingriffs ist monetär entscheidend. Wie reagiert das Uniklinikum Marburg auf diese Diskussion? Dort gebe es zwar freiwillige Zielvereinbarungen in den Arbeitsverträgen. „Die Frage, ob die Verträge mit den Chefärzten am UKGM ‚gewinnträchtige‘ Operationen einfordern oder begünstigen und konservative Behandlungsmethoden aus wirtschaftlichen Gründen eher hintanstellen, können wir mit einem klaren Nein beantworten“, sagt Kliniksprecher Frank Steibli. „Eine solche Verbindung gab und gibt es nicht.“

Es sei wie in anderen öffentlichen und privaten Kliniken üblich, auf den wirtschaftlichen Erfolg hinzuwirken. „Diese freiwilligen Zielvereinbarungen beinhalten in der Regel verschiedene Bestandteile: Leistung und Wirtschaftlichkeit, die Erreichung von Qualitätszielen, Prozess- und Ergebnisqualität und die Qualifizierung von Mitarbeitern“, erklärt Steibli.

„Die beste Versorgung steht im Mittelpunkt“

Dieses Bonus-Modell soll am Uniklinikum aber überarbeitet werden. Weg von den individuellen, hin zu gesamtklinischen Zielvereinbarungen. „Wir streben eine Umstellung der Chefarztverträge mit dem Ziel an, die Gesamtleistungsziele für eine Klinik festzulegen.“

Darüber hinaus betont der UKGM-Sprecher, die bestmögliche medizinische Versorgung stehe im Mittelpunkt des Krankenhauses. In der Regel seien mehrere Fachrichtungen an der Beratung und der Behandlung des Patienten beteiligt. Frank Steibli dazu: „Stets wird eine Zweitmeinung eingeholt, insbesondere in den Fällen, in denen zwischen Operation und konservativer Behandlung gewählt werden kann.

von Carsten Bergmann

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