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Trainer weisen den Weg

Depressions-Hilfe Trainer weisen den Weg

Hilfe bei Depressionen: In Marburg werden Genesungsbegleiter ausgebildet. Depressionserfahrene werden vom Verein Ex-In geschult, um etwa Ärzte und Firmen in Gesundheitsfragen zu unterstützen.

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Bessere Betreuung für jene, die unter Depressionen, Burnout und anderen seelischen Krankheiten leiden: Das ist das Ziel des Marburger Vereins Ex-In Hessen, der derzeit 20 sogenannte Genesungsbegleiter – ehemals psychisch Kranke – ausbildet. Die OP besuchte einen Kurs am Ortenberg.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Die Gesundheitsversorgung für Depresive soll durch die Ausbildung verbessert werden. 20 Teilnehmer, die seit Monaten am Ortenberg lernen, zählt der Kurs derzeit. Für dieses Jahr ist der Start einer neuen, einjährigen Ausbildungsperiode geplant. Das Ziel: Die Gesundheits-Expertise in Firmen einbringen, um Mitarbeiter fit zu halten oder sie bei der  Wiedereingliederung in den Job unterstützen.

„Weniger Fehltage der Mitarbeiter durch Krankheit haben sich bereits in den Unternehmen nachweisen lassen, wo Genesungsbegleiter arbeiten“, sagen Kursteilnehmer während eines Ausbildungs-Tags, den die OP begleitet hat. Diese Erkenntnis fußt wohl auf Erfahrungen, die in Nordrhein-Westfalen – wo Ex-In die Ausbildung ab 2010 startete – gesammelt worden sind.

Denkbar ist es nach Angaben von Andreas Jung, Vereinsvorstand und Koordinator von Ex-In Hessen, auch, dass die in Marburg geschulten Genesungsbegleiter Ärzte, Therapeuten und Sozialpädagogen bei der Krankheitsprävention als Hilfskräfte unterstützen. So, wie am Klinikum Bremerhaven/Reinkenheide, wo seit 2010 Ex-
Patienten seelisch Kranke begleiten.

Zwei Formen der Wissensvermittlung

„Die Ausbildung versteht sich als eine, die kein abfragbares Wissen vermittelt, sondern in der jeder Einzelne seine Erfahrungen einbringt“, sagt Bettina Jahnke, Kursleiterin. Depressionen, psychische Krankheiten im Ganzen beträfen Menschen jeden Alters, Geschlechts, jeder Gesellschaftsschicht – und wie jemand mit gesundheitlichen Problemen umgehe, dafür gebe es „kein Patentrezept“.

An diesem Punkt versucht der Verein anzusetzen, die Ausbildung speziell zur Schulung von Depressionserfahrenen erfolgt in zwei Formen der Wissensvermittlung: Ein Trainer-Tandem plus Depressionserfahrene erarbeiten in zwölf Modulen über einen einjährigen Ausbildungszeitraum Themenfelder wie Salutogenese (Gesundungsgeschichte), Recovery (es gibt eine Genesung) und Selbsterforschung (Verortung der Krankheit). „Wir wollen das System der sozialen Therapie erweitern“, sagt Jung. „Jeder hier hat Psychiatrieerfahrung, es geht um unsere persönliche Wertschätzung“, sagt er.

Trainer: Professionelle Nähe gilt es zu erzeugen

Betroffene, Trainer und Angehörige sollen gleichranging einen Mittelweg aus positiven und negativen Krankheitseindrücken ergründen, um ein ernsthaftes Genesungsbild darzustellen. Die Trainer selbst vermitteln durch persönliches Engagement ein Gefühl der Zugehörigkeit, des Verstehens, mithilfe einer speziellen Qualifizierung. Dafür nötig sei ein offener Umgang miteinander, sagt Mario Wagenbrenner, Trainer und Sozialpädagoge. „Aus professioneller Distanz wird professionelle Nähe.“

Der Teilnahme stehen aber auch bestimmte Kriterien voran: In der Lage sein, eigene Erfahrungen zu reflektieren, die Fähigkeit Erfahrungen auch teilen zu können, die Diagnose der psychiatrischen Erkrankung sowie keine akute Krankheitsphase, berechtigen zur Teilnahme. „Die Diagnose führte bei einigen Teilnehmern zum Umdenken, die persönlichen Potenziale ergänzen dazu den
Genesungsprozess“, erklärten die beiden Kursleiter Jahnke und Wagenbrenner.

von Arnd Hartmann

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