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Touristische Vermarktung im "Marburger Land"

Neues Bündnis Touristische Vermarktung im "Marburger Land"

Wie verkauft man die touristischen Angebote im Landkreis am effektivsten? Gemeinsam und aus einer Hand. Dies wollen die Tourismusfachleute der Stadt und des Altkreises Marburg nun auch tun - zum Vorteil von Stadt und Land.

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Marburg. Ab sofort kooperieren Marburg Tourismus (MTM) und die Tour GmbH des Kreises und bieten weiteren Kommunen unter der Bezeichnung Touristische Arbeitsgemeinschaft (TAG) „Marburger Land“ eine gemeinsame Vermarktungsplattform an. So geht die bisherige TAG Burgwald zum größten Teil in diesen Verbund mit ein.

Immer wieder war in den vergangenen Jahren diskutiert worden, ob es für Stadt Marburg und den Kreis wirklich jeweils unterschiedliche Tourismusförderer geben muss. In den vergangenen eineinhalb Jahren nun arbeiteten die Geschäftsführer Klaus Hövel von MTM und Hartmut Reiße (Tour GmbH) auf eine verstärkte Kooperation hin, die zum 1. Januar 2014 in eine Fusion der beiden Gesellschaften münden soll.

Starke Partner

„Auch bisher haben wir schon zusammengearbeitet“, sagt Hövel, man verstehe sich auch nicht als Konkurrenz, eher als Ergänzung. Deshalb ergebe die engere Kooperation bis hin zu einer geplanten Fusion auch Sinn. Denn: „Nur wer die personellen und finanziellen Ressourcen bündelt, wird künftig Erfolg haben“, wissen Hövel und Reiße um die Entwicklung im Tourismusmarketing, gerade angesichts zunehmend leerer kommunaler Kassen. Und Tourismusförderung ende schließlich weder an Gemeinde- noch an Kreisgrenzen.

„Ziel ist die Optimierung aller Maßnahmen im touristischen Marketing für den Bereich der Universitätsstadt Marburg und den Bereich des Marburger Landes mit der Landschaftsregion Burgwald“, ließen sich Landrat Robert Fischbach und Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel bei der Unterzeichnung des Vertrages zitieren. Eine neue Qualität der Zusammenarbeit sei es auch, weil in der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg ein weiterer starker Partner an Bord kommt.

Dass auch die Gemeinden der TAG Burgwald an einer solchen Zusammenarbeit unter einem größeren Dach interessiert waren, zeigte sich schon bei den Vorgesprächen im vergangenen Frühjahr (die OP berichtete). Die TAG Burgwald drohte damals auseinanderzubrechen, weil einige Kommunen wie Lahntal und Cölbe nicht länger bereit waren, die TAG mit mehreren tausend Euro pro Jahr zu finanzieren. Sie hatten unter anderem eine stärkere finanzielle Beteiligung von den heimischen Betrieben gefordert, die von der kommunalen Tourismusförderung in erster Linie profitieren, etwa Gaststätten und Beherbergungsbetriebe.

Der Verbund mit Tour GmbH und MTM bietet diesen Städten und Gemeinden nun auch einen deutlichen finanziellen Vorteil, weswegen die meisten auch bereits den Kooperationsvertrag unterzeichnet haben: Der Beitrag beträgt hier pro Jahr 15 Cent pro Einwohner, was im Beispiel von Lahntal und Cölbe einen zur TAG Burgwald deutlich geringeren Betrag von etwa 1000 Euro im Jahr ausmacht.

Neustadt bleibt im Rotkäppchenland organisiert

Zum jetzigen Zeitpunkt schließen sich dem neuen Modell die bisherigen „Burgwald-Kommunen“ Cölbe, Kirchhain, Rauschenberg, Münchhausen, Wetter und Wohratal aus dem Kreis Marburg-Biedenkopf an sowie die Städte Gemünden und Rosenthal aus dem Nachbarkreis Waldeck-Frankenberg. Ebenfalls dabei sind künftig Amöneburg, Stadtallendorf und Weimar. Außen vor bleibt Neustadt, das schon seit Jahren als Teil des Schwälmer Rotkäppchenlandes touristisch organisiert ist.

Interesse am „Marburger Land“ hat darüber hinaus bereits die Gemeinde Burgwald hinter der nördlichen Kreisgrenze bekundet, auch die Gemeinde Lahntal beschäftigt sich voraussichtlich in ihrer nächsten Parlamentssitzung mit dem Thema. Fronhausen und Ebsdorfergrund, die ebenso wie Marburg, Amöneburg und Weimar auch zur gleichnamigen EU-Förderregion „Marburger Land“ gehören, wollten zunächst die Entwicklung der neuen TAG abwarten, so etwa Ebsdorfergrund-Bürgermeister Andreas Schulz.

Denn der Zusammenschluss ist in dieser Form aus finanzieller Sicht zunächst nur für zwei Jahre gesichert. Neben MTM (derzeit elf Mitarbeiter) und der Tour GmbH mit sechs Beschäftigten, die auch räumlich getrennt weiterbestehen werden, wird bis Ende 2014 auch das Personal der TAG Burgwald - vor allem handelt es sich dabei um Geschäftsführer Armin Feulner - im vollen Umfang weiterbeschäftigt werden, so Reiße.

Feulner werde sich auch weiter schwerpunktmäßig um Infrastruktur und Wanderwege im Burgwald kümmern können, sein Knowhow bleibt der Region und dem Burgwald also erhalten. Er agiert dann aber nicht mehr von dem bisherigen Büro in Wetter aus, sondern von der Tour GmbH in Marburg.

Möglich macht dies das finanzielle Engagement der IHK Kassel-Marburg, zu deren Bezirk der Altkreis Marburg zählt. Für 2013 und 2014 hat die IHK jeweils 40000 Euro für die Tourismusvermarktung bereitgestellt. Grund: Die IHK engagiert sich auch in den anderen Bezirken in vergleichbarem Umfang. Ein Umstand, der den Tourismusförderern im Marburger Land nun gerade recht kommt.

Dennoch wissen Hövel wie Reiße, dass man bis 2015 einen anderen Weg zur Weiterfinanzierung finden muss. Hier setzt Reiße in seiner Funktion als Geschäftsführer des Hessischen Tourismusverbands an. Sein Ziel ist eine freiwillige oder gesetzlich geregelte Beteiligung der profitierenden Betriebe. Ausdrücklich solle das eine zweckgebundene Abgabe, keine allgemeine Steuer, sein - auf keinen Fall aber eine „Bettensteuer“, die einseitig nur Hotellerie und Gastronomie belasten würde. Neben dem Gast- und Beherbergungsgewerbe würden viele andere Betriebe ebenfalls aus dem Fremdenverkehr Vorteile ziehen - vom Einzelhandel bis zum Bus- oder Taxiunternehmen. Auch sie sollten an der Finanzierung der Tourismuswerbung beteiligt werden, so Reiße. Bis Mitte des Jahres wolle der Hessische Tourismusverband ein Konzept dafür vorlegen. Bislang sei Hessen das einzige Bundesland, indem eine solche Abgabe nicht zulässig sei, so Reiße

Bis zur Jahresmitte sollen den politischen Gremien von Stadt Marburg und dem Kreis die genauen Planungen für eine Fusion von MTM und Tour GmbH zur Entscheidung vorgelegt werden. Diese solle aber so gestaltet werden, dass sich darin auch die anderen Städte und Gemeinden wiederfinden können, sind sich Hövel und Reiße einig.

Mit der Neuorganisation schließt sich im übrigen ein Kreis. „Schon einmal, bis 1976, kurz nach der Gebietsreform, vermarkteten sich Städte und Gemeinden im Altkreis Marburg sowie Gemünden und Rosenthal gemeinsam unter der Marke „Marburger Land“, erinnert sich Reiße an die frühen Tage des Tourismusmarketings.

von Michael Agricola

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