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Tourismus ist nicht nur für Touristen da

Fremdenverkehr Tourismus ist nicht nur für Touristen da

Warum alle Menschen im Landkreis vom touristischen Angebot profitieren und welche Potenziale in einem Ausbau stecken – das hat die Gesellschaft DWIF-Consulting aus München für Marburg-Biedenkopf untersucht.

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Zwischen Schloss Marburg, dem See in Niederweimar und Wandervergnügen am Fuße der Burg Mellnau gibt es im Landkreis noch viele weitere touristische Attraktionen. Ein Potenzial, das der Landkreis und die Kommunen miteinander bestmöglich nutzen wollen.

Quelle: Archivfotos

Marburg. Die Eckdaten, die Tourismusforscher und -berater Dr. Manfred Zeiner beim Landkreis aus der neuen Tourismusstudie präsentierte, vermochten zu beeindrucken: Rund 9,81 Millionen touristische Aufenthaltstage im Landkreis (Tenzdenz seit Jahren steigend), rund 343 Millionen Euro Bruttoumsatz aus Tourismus, Einkommenseffekte von 152 Millionen Euro (2,8 Prozent vom Primäreinkommen) und ein Steueraufkommen von jährlich rund 32 Millionen Euro.

Dazu unglaubliche 6800 Beschäftigte im Tourismus. Eine Zahl, die Zeiner unter dem Stichwort „Profit für viele Unternehmen“ erklärte. In die Summe von 6800 spielten anteilig auch Beschäftigte aus anderen Branchen hinein, die indirekt vom Tourismus profitieren – wie Bäcker oder Metzger beispielsweise, die die Gastronomie beliefern, oder auch das Baugewerbe, das Fahrradwege anlegt.

Im Tourismus steckt großes Potenzial

Mit den Eckdaten erzielte Zeiner bei seinen Zuhörern, darunter heimische Bürgermeister, Vertreter des Landkreises und Touristiker, durchaus eine Wirkung. Wohl niemand hätte aus dem Bauch heraus so hoch gegriffen bei Einschätzungen zu den Einnahmen aus Tourismus oder den Übernachtungszahlen. Doch machte Zeiner schnell deutlich, dass der  Tourismus in der Region eine vergleichsweise kleine Bedeutung habe – doch stecke darin großes Potenzial. Arbeitgeber in der Region, der Handel und auch die Bürger selbst müssten erkennen, welche Rolle der Tourismus als Standortfaktor spiele: lebenswerte Region mit Angeboten für Kultur, Freizeit und Einkaufen, Einkommensquelle, Argument für Zuzug und neue Gewerbeansiedlung.

Warum der Landkreis die Studie in Auftrag gegeben hat? Um das Thema in „Euro und Cent“ greifbarer zu machen, wie Landrätin Kirsten Fründt erklärte – „untermauert mit Fakten, um festzustellen, was alles dranhängt und dahintersteckt“. Und natürlich auch, um die Potenziale auszuloten. Wer könnte noch mitwirken, wo ist Geld zu holen für den Ausbau des Tourismus, wie können die Angebote von Stadt und Land ineinandergreifen?

Die Region attraktiver gestalten

Tourismus-Berater Zeiner machte deutlich, dass es auf die Mitwirkung von Firmen und vor allem auch auf die Beteiligung des Handels ankomme. Da müssten die Touristiker von Stadt und Land ran, um Mittel einzuwerben und um den Unternehmen deutlich zu machen: Tourismus bringt neue Einnahmen – und ein gutes touristisches Angebot ist ein Pfund beim Anwerben von Fachkräften. Denn Zuzügler lassen sich nieder, wo die Region attraktiv erscheint und für die Freizeitgestaltung viel zu bieten hat.

Zeiner hob auch hervor, dass nicht Marburg als städtisches Zentrum der Region allein den Tourismus präge – die Stadt profitiere auch immer vom ländlichen Angebot. In diesem Sinne sei die Herausforderung, miteinander Angebote zu entwickeln. Radfahren und Wandern ringsum die Stadt, Feste und Veranstaltungen auf den Dörfern – Zeiner riet den Bürgermeistern, sich mit ihren Kommunen zu spezialisieren und zusammen mit den Tourismuskundigen herauszufinden, wer mit welchem Pfund wuchern könne.

Erste Ideen für die Umsetzung von Zeiners Anregungen für die Region wurden schon greifbar, als Hartmut Reiße, Geschäftsführer der Marburg Stadt und Land Tourismus GmbH, über ein Beispiel aus dem Schwarzwald berichtete: Dort übernehmen Firmen die Patenschaft für Wanderwege, bauen sie auf und pflegen sie. Eine weitere Chance, um eine konkrete Tourismusförderung zu erreichen, sei die Einführung einer Tourismusabgabe. „Städte wie Frankfurt warten nur darauf, dass diese Rechtsverordnung in Kraft tritt. Städte und Gemeinden können sie dann erheben und Einnahmen erzielen für den Ausbau des Tourismus vor Ort.“

 
 
 
Hintergrund
Die Studie wurde im März 2015 noch von der Tour GmbH beim Landkreis in Auftrag gegeben. Zusammen mit der Marburg Tourismus und Marketing GmbH ist diese inzwischen in die gemeinsame Gesellschaft Marburg Stadt und Land Tourismus GmbH (MSLT) aufgegangen. Laut Geschäftsführer Hartmut Reiße belaufen sich die Kosten für die Studie auf 3 500 Euro, bezahlt noch aus Mitteln der Tour GmbH. Jährlich stelle der Landkreis rund 450 000 Euro für Tourismus in der Region zur Verfügung, darunter etwa Geld für die Pflege von Schildern auf regionalen Routen, Mittel für touristische Arbeitsgemeinschaften und Personal.   

von Carina Becker

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