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Touchdown für die Kumpel-Tandems

Aktion "Best Buddies" Touchdown für die Kumpel-Tandems

Zehn Meter. Er hat den Ball gefangen. Neun Meter. Er dreht sich um. Acht Meter. Er rennt los. Sieben Meter, sechs, fünf, vier - 3000 Zuschauer im Stadion johlen. Die letzten Schritte, zwei Meter, einer: Touchdown!

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Chris Köller (32), Lehrer an der Richtsberg Gesamtschule, mit Cheerleadern des NFL-Teams New England Patriots.

Quelle: Bestbuddies International

Marburg. Jörg Schmidt aus Marburg hat soeben das geschafft, wovon Millionen Footballfans träumen: Er hat einen Pass von NFL-Star-Quarterback Tom Brady gefangen. Im Havard-Stadium in Boston (USA) rennt der 38-Jährige mit dem Leder-Ei vorbei an Sportstars in die Endzone des Gegners, punktet für sein Team und Brady, einer der erfolgreichsten und bestbezahltesten Sportler des Planeten, fällt Schmidt um den Hals, klatscht mit ihm ab. Zehn Yards - für den 38-jährigen Marburger ist es eine Strecke voller Bedeutung. „Das ist das Schönste, Unvergesslichste, was mir in meinem Leben je passiert ist“, sagt der Geistig-behinderte.

Als einer von 80 auserwählten Teilnehmern des internationalen, und für Deutschland von Marburg aus koordinierten Integrations-Programms „Best Buddies“ (deutsch: Beste Kumpels), spielte er mit Chris Köller (32), seinem Freund im vor rund zehn Monaten vermittelten Marburger Kumpel-Tandem, mit und gegen US-Promis wie Brady und dessen Teamkollege bei den New England Patriots, Julian Edelman. „Das Ganze ist schon surreal. Da stehst du auf dem Footballfeld und wirst mal eben von einem Star wie ihm beim Spiel Mann gegen Mann richtig abgezogen“, sagt Chris Köller. Vor allem mit dem Footballer Edelman, dessen Ahnen aus Deutschland stammen, hat sich das Marburger Kumpel-Tandem lange unterhalten. Edelmann habe viel Interesse gezeigt, vor allem wohl, weil seine Oma deutsch spricht. Kurzerhand signierte der Spitzensportler seinen Sportschuh und schenkte ihn Köller. „Die Mannschaftskollegen bei den Mercenaries haben ganz schön baff geschaut, als sie das jetzt mitbekommen haben“, sagt er.

Lebenstraum geht in Erfüllung

Wenige Stunden bevor Schmidt - schon vor der Reise in die USA Footballfan - Lebenstraum in Erfüllung ging, trainierte er noch mit den anderen Benefizspiel-Teilnehmer (darunter Wirtschaftsbosse, Politiker, Sportler, die sich für 10 000 Dollar in die Teams eingekauft hatten). Unter anderem übten die Hobbysportler, wie man nach einem Touchdown angemessen jubelt. „Als ich dann die Punkte gemacht habe, packte ich gleich den Jubeltanz aus“, sagt Schmidt.

Und als ob er nicht schon überwältigt genug gewesen wäre, wurde er unter Dutzenden zum „Besten Ballfänger“ des Spiels gewählt; die Auszeichnung überreichte sein Idol Brady. „Er ist mein absoluter Lieblingsspieler. Den holen wir an die Lahn, zu den Mercenaries, egal was es kostet“, sagt er und dreht sich zum bei den Marburger Footballern spielenden Köller. „Überleg‘ doch mal wie geil, geil, geil das wäre!“ Mit dessen Hilfe, so Schmidt schnippisch, „gewinnen die Mercenaries sicher auch noch ein Spiel in der Saison“.

Köller hat sich vor mehr als einem Dreivierteljahr auf die Teilnahme bei „Best Buddies“ in Marburg eingelassen. Seitdem geht er mit Jörg Schmidt ins Kino, sie schauen Fußball-Bundesliga, oder „wir hängen einfach rum und trinken ein Bier“, sagt er. Die von „Best Buddies“, angegliedert beim Marburger Verein Spectrum vermittelte Freundschaft zwischen Schmidt und Köller wird auch nach dem gemeinsamen Erlebnis in den USA Bestand haben.

Verein Spectrum organisiert Gruppen-Ausbau

Das Programm ist in Deutschland beim Verein Spectrum angegliedert, dieser organisiert den Ausbau der Gruppen im Land. „Besondere Erlebnisse wollen wir für die Freundschaftspaare schaffen“, sagt Tim Thielicke, Geschäftsführer. „Es geht um gelebte Inklusion, eine Begegnung auf Augenhöhe zwischen Menschen mit und ohne geistig Behinderten “, sagt er. Mit geringem Aufwand könne jeder etwas Gutes tun, das Programm sei für geistig Behinderte „ein Türöffner in die Welt der Nichtbehinderten“.

Best Buddies wurde 1989 in den USA gegründet und gibt es in 54 Ländern. Die 1500 Ortsgruppen (in der Regel zehn Kumpel-Tandems pro Ort) arbeiten selbstständig.

Thielicke begleitete Schmidt und Köller während der Wohltätigkeitsveranstaltung (fünf Millionen Dollar brachte diese ein), traf mit ihnen neben Brady und Edelman auch die aktuelle Miss USA, Spitzenkoch Guy Fieri, Komiker, die Ex-Radprofis George Hincapie und Christian Vandervelde - und beim Kennedy-Clan speisten sie als geladene Gäste mit Senatoren, Gouverneuren und Wirtschaft.

  • Die neue NFL-Saison beginnt in der Nacht vom 10. auf den 11. September mit dem Spiel New England Patriots gegen Pittsburgh Steelers. Nächstes Heimspiel der Marburg Mercenaries: 16. August gegen die Allgäu Comets (16 Uhr).
Hintergrund

Das in Marburg koordinierte Programm „Best Buddies“, in denen Freundschaften zwischen Marburgern und Behinderten vermittelt werden, dehnt sich von der Universitätsstadt auf ganz Deutschland aus (Hessen, Bayern, Niedersachsen, NRW). Der Erfolg des von „Spectrum“-Geschäftsführer Tim Thielicke betreuten Programms ist mit der Einladung von Teilnehmern durch die US-Mutterorganisation belohnt worden.

Kontakt zu Best Buddies Deutschland: Catrin Dankowski unter Telefonnummer 06421 / 16 89 258.

von Björn Wisker

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