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Tote Objekte, lebendige Geschichten

Sammelband Tote Objekte, lebendige Geschichten

Pfeilgift und Totenmasken, ein hockendes Skelett und ein Herz im Glas: ein neues Buch stellt ausgewählte Exponate aus den Sammlungen der Marburger Universität vor.

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Verleger Michael Imhof (obere Reihe, rechts) präsentierte mit einigen der Autoren den Sammelband mit dem Titel „Tote Objekte“ in dem besondere Ausstellungsstücke aus den Sammlungen der Universität vorgestellt werden. Foto: Nadja Schwarzwäller

Marburg. „Tote Objekte - lebendige Geschichten“ lautet der Titel des Buchs, in dem sieben Sammlungen der Universität einige ihrer Exponate präsentieren. Als die Anatomische Sammlung im Jahr 2012 ihr 200-jähriges Bestehen feierte, fand eine interdisziplinäre Tagung mit einer Ausstellung in Marburg statt. Die Idee, einzelne Exponate ausgehend von der Anatomie und gemeinsam mit Objekten aus anderen Sammlungen vorzustellen, ist nun auch die Grundlage des Buches. Sieben der 33 Sammlungen der Universität haben sich beteiligt und eine spannende Reise in die Geschichte der Sammlungen und die Welt der Wissenschaft vorgelegt.

Das Buch gebe einen „notwendig selektiven Einblick“ in die Zeugen und Zeugnisse gelebter Geschichte, erklärte Professorin Irmtraut Sahmland, Leiterin der Emil-von-Behring-Bibliothek bei der Präsentation des Buchs. „Mit diesem Projekt stehen wir mitten im aktuellen Diskurs über den Wert und die Wertschätzung dinglicher Überlieferungen“, so Sahmland.

Die Expertin für Medizingeschichte hat das Buch gemeinsam mit ihrer Kollegin Dr. Cornelia Grundmann herausgegeben. Elf weitere Autoren - vom studentischen Mitarbeiter bis hin zur ehemaligen Professorin - stellen die einzelnen Exponate vor.

Die Arbeit am Buch sei eine wunderbare Gelegenheit gewesen, sich wieder einmal mit den Sammlungen zu beschäftigen, sagt Dr. Dagmar Schwitzer de Palacios. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Vergleichende Kulturforschung hat sich mit Heilern und ihren Heilaltären auseinandergesetzt. Die Pharmaziehistorikerin Dr. Barbara Rumpf-Lehmann hat die Geschichte der Droge „Strophantus“ aufgearbeitet und über das Pfeilgift aus Afrika als Herzmittel geschrieben. „So konnte man sich ein Objekt heraussuchen, das man sonst vielleicht nur noch im Vorbeigehen wahrgenommen hat“, erklärt Rumpf-Lehmann.

Während zum Beispiel die Anatomische Sammlung über das „Museum Anatomicum“ in der Stadt bekannt ist, seien viele der kleineren Sammlungen nur wenig präsent im allgemeinen Bewusstsein, sagt Professor Irmtraut Sahmland.

Dies zu ändern, ist der „Arbeitskreis Universitäre Sammlungen“ bemüht. „Zum Teil haben die Sammlungen große öffentliche Schauflächen, zum Teil sind sie aber auch völlig versteckt“, erklärt Dr. Christoph Otterbeck, Leiter des Museums für Kunst und Kulturgeschichte. Es gebe verschiedene Überlegungen, ob eine zentrale Stelle zur Präsentation sinnvoll und möglich sei oder ob die Sammlungen bei den jeweiligen Fächern verbleiben sollten. In jedem Fall existiert inzwischen eine Banner-Ausstellung, wo jede Sammlung durch ein Band repräsentiert wird und die beispielsweise zur Nacht der Kunst in Marburg zu sehen war. Im Wintersemester wird sich das Studium Generale mit den Sammlungen der Universität beschäftigen. Und im Herbst soll dann ein weiteres Buch erscheinen, das die Sammlungen komplett präsentiert. „Tote Objekte - lebendige Geschichten“ ist schon jetzt im Buchhandel erhältlich.

n Das im Michael-Imhof-Verlag erschienene Buch mit dem Titel „Tote Objekte - lebendige Geschichten“ wurde mit der Unterstützung der Stadt Marburg und der Von-Behring-Röntgen-Stiftung realisiert und kostet 29 Euro.

von Nadja Schwarzwäller

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