Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Todesfahrer vom Stadtwald muss ins Gefängnis

17-Jährige stirbt Todesfahrer vom Stadtwald muss ins Gefängnis

Beifahrerin tot, bester Freund schwer verletzt: Nach einem Auto-Unfall im Stadtwald wurde ein junger Marburger zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Er fechtet das Urteil an - vergeblich.

Voriger Artikel
Studentin übersteht Sturz von der Schlossmauer
Nächster Artikel
Die alten Sorten neu entdeckt

In der Rudolf-Breitscheid-Straße krachte im November 2012 ein junger Mann, der keinen Führerschein besaß und betrunken war, mit dem Auto in das Haus. Ein Mädchen starb. 

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Mitte November 2012 raste der heute 19-Jährige im Stadtwald gegen eine Häuserwand. Tempo 90 in der 30er-Zone, betrunken, ohne Führerschein und erst kurz aus der Jugendhaft entlassen: Der Marburger ist nach Überzeugung der Justiz für den Tod einer 17-Jährigen aus Wenkbach verantwortlich. Wegen fahrlässiger Tötung wurde er bereits im Mai vom Amtsgericht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt (die OP berichtete). Dagegen legte der Serienstraftäter Berufung beim Landgericht ein - und scheiterte.

„Erschreckende Verantwortungslosigkeit und Leichtfertigkeit haben ein junges Leben gekostet“, sagte Thomas Wolf, Vorsitzender der Kammer. Zwar könne man „keine fürchterlich hohen Strafen aussprechen nur weil jemand gestorben ist“, jedoch lasse das Vorstrafenregister, die Schwere der Schuld sowie die Uneinsichtigkeit und schädliche Neigung des Angeklagten keine andere Strafe zu als die vom Amtsgericht bereits gefällte. „Und die ist ja nicht mal am oberen Ende des Strafmaßes“, sagte Wolf.

Die Eltern der beim Unfall verstorbenen Vanessa K. aus Wenkbach, die als Nebenkläger auftraten, vermissen bis heute Reue beim Schuldigen. Eine knappe, emotionslose Entschuldigung sowie die Aussage, dass er nun seinen Hauptschulabschluss nachhole und sich geändert habe, „ärgert meine Mandanten. Das alles ist Taktik weil er Pluspunkte sammeln möchte, genau weiß was die Justiz hören will“, sagte deren Anwältin.

Die Verteidigung hatte im Plädoyer eine Senkung der Haftstrafe auf ein Jahr und neun Monate zur Bewährung gefordert. „Er war ja schon zwei Mal lange im Knast, das hat überhaupt nichts geholfen“, sagte sein Rechtsanwalt.

Nach einer Partynacht raste der 19-Jährige mit seinem besten Freund (20) und einer Bekannten durch den Stadtwald. Nach Angaben von Sachverständigen fuhr er mit mindestens 80, eher 90 Stundenkilometern durch die 30er-Zone im Stadtwald. Er übersah eine Baustelle in der Rudolf-Breitscheid-Straße, touchierte den Bordstein und knallte mit dem Kleinwagen seiner Mutter in die Häuserwand eines Gebäudes. Vanessa K. starb bei dem Aufprall, der beste Freund auf dem Rücksitz erlitt schwere Verletzungen, der Verursacher brach sich zahlreiche Knochen.

Den Rettern bot sich „das pure Chaos“, sagte ein Zeuge (29) während der Amtsgerichts-Verhandlung im Mai. Bis auf einen Blechhaufen sei kaum mehr etwas von dem Ford Fiesta übriggeblieben, ergänzte ein Notarzt. Solche Schäden gebe es innerorts eigentlich nie, nur auf Landstraßen wenn jemand mit 100 Stundenkilometern verunglücke und sich fünffach überschlage, erklärte er. 40 Minuten lang versuchten die Ärzte, das Mädchen wiederzubeleben. Erfolglos. Der Schock bei den Rettern sitzt tief. „Das ist das Schlimmste und Sinn-loseste was ich in den letzten zehn Jahren gesehen habe“, sagte ein Mediziner bei der Zeugenvernehmung im Frühjahr.

Der 19-Jährige gilt als Intensivtäter. Zwei Dutzend Straftaten - darunter Raub, gefährliche Körperverletzung und Brandstiftung - beging er alleine seit seinem 14. Lebensjahr. Sämtliche pädagogischen Angebote des Jugendamts und der Bewährungshelfer verpufften. Selbst während einer mehr als zweijährigen Jugendhaftstrafe sorgte er für Ärger, nur Wochen nach den bisherigen Haftentlassungen wurde er rückfällig und verhaftet. „Die Jugendhilfe ist mit ihrem Latein bei ihm völlig am Ende“, sagte eine Mitarbeiterin der Behörde. Das bestätigte eine Kollegin im Laufe der Berufungsverhandlung: „Wir halten an unserer Überzeugung fest, dass pädagogische Maßnahmen bei ihm nichts bringen.“

von Björn Wisker

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr