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Todesfahrer muss in Jugendknast

Unfall Todesfahrer muss in Jugendknast

Zwei Jahre und sechs Monate Jugendgefängnis lautet das Urteil gegen einen heute 19-jährigen vom Tannenberg. Im November raste er im Stadtwald gegen ein Haus, eine 17-jährige starb. Ärzte: Schlimmster innerstädtische Unfall Marburgs.

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Eine 17-Jährige starb im November bei dem Autounfall in der Rudolf-Breitscheid-Straße.Archivfoto

Quelle: Archivfoto

Marburg. Tempo 90 in der 30er-Zone, betrunken, ohne Führerschein und erst wenige Wochen aus der Jugendhaft entlassen: Ein 19-jähriger Marburger soll für den Tod eines 17-jährigen Mädchens aus Wenkbach verantwortlich sein. Wegen fahrlässiger Tötung musste er sich gestern vor dem Amtsgericht verantworten. Das Urteil des Vorsitzenden Richters Cai-Uwe Boesken lag deutlich über dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die ein Jahr und neun Monate Knast forderte.

Mitte November 2012 raste der damals 18-Jährige Beschuldigte nach einer Partynacht durch den Stadtwald. Nach Angaben von Sachverständigen soll er betrunken mit etwa 90 Stundenkilometern durch die 30er-Zone gefahren sein. Er übersah eine Bau-stelle in der Rudolf-Breitscheid-Straße, touchierte den Bordstein und knallte mit dem Kleinwagen seiner Mutter in die Häuserwand eines Gebäudes in der Rudolf-Breitscheid-Strasse. Die Beifahrerin, Vanessa K. starb bei dem Aufprall, ein Freund (20) auf dem Rücksitz erlitt schwere Verletzungen

40 Minuten versuchen Ärzte das Unmögliche

Den Rettern bot sich „das pure Chaos“, sagte ein Zeuge (29). Bis auf einen Blechhaufen sei kaum mehr etwas von dem Ford Fiesta übriggeblieben, sagte ein Notarzt. Solche Schäden gebe es innerorts eigentlich nie, nur auf Landstraßen wenn jemand mit 100 Stundenkilometern verunglücke und sich fünffach überschlage, ergänzte Notarzt Clemens Kill. 40 Minuten lang versuchten die Ärzte, die Getötete aus Wenkbach wiederzubeleben. Erfolglos. Der Schock bei den Rettern sitzt tief. „Das ist das Schlimmste und Sinnloseste was ich in den letzten zehn Jahren gesehen habe“, sagte Kill.

Rätsel gibt der Unfallzeitpunkt auf. Um 4.15 Uhr entdeckte ein Anwohner das Wrack, Rettungswagen und Polizei folgten Minuten später. Doch gibt es Indizien, die darauf hindeuten, dass der schwere Unfall bereits bis zu zwei Stunden zuvor geschah. „Der Körper des Mädchens war nämlich bereits kalt, Atmung, Puls und Herzschlag gab es schon nicht mehr als wir sie aus dem Auto holten“, sagte ein Rettungsassistent vor Gericht. Die Mediziner gehen davon aus, dass sie bereits länger tot gewesen sei. Auch das abpurpte Ende von SMS-Kontakten zu Freunden ab 1.15 Uhr weist in die Richtung, dass die Tote stundenlang im Wrack lag. Der Fahrer, der Berechnungen zufolge 0,6 bis 0,8 Promille Alkohol im Blut hatte, besitzt keinen Führerschein. Er erlitt Knochenbrüche an den Beinen, lag eine Woche im Koma. Sein Freund ist bis heute traumatisiert, kann sich an nichts mehr an dem Abend erinnern. „Zwei Leben sind vernichtet. Eines vollständig, eines teilweise“, - daran ist die Gleichgültigkeit des Angeklagten schuld“, sagte Boesken in der Urteilsbegründung.

Der Beschuldigte gilt als Intensivtäter. Zwei Dutzend Straftaten - darunter Raub, gefährliche Körperverletzung und Brandstiftung - beging er alleine seit seinem 14. Lebensjahr, eine Schule besucht er seit fünf Jahren nicht mehr. Sämtliche pädagogischen Angebote des Jugendamts und der Bewährungshelfer verpufften. Selbst während einer mehr als zweijährigen Jugendhaftstrafe sorgte er für Ärger. „Die Jugendhilfe ist mit ihrem Latein bei ihm völlig am Ende“, sagte eine Mitarbeiterin der Behörde.

von Björn Wisker

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