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Tobias Meyer ist ein weiterer möglicher Kandidat

Erster Kreisbeigeordneter Tobias Meyer ist ein weiterer möglicher Kandidat

In der CDU wird man nicht müde, zu betonen, dass die Personalentscheidung zum Schluss kommt. Doch laufen in der Partei die Gespräche darüber, wer den amtierenden Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Karsten McGovern beerben könnte.

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CDU-Kreistagsabgeordneter Tobias Meyer aus Breidenbach wäre auch interessiert am Amt des Ersten Kreisbeigeordneten – doch will er sich in keine "parteiinterne Schlacht" begeben.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Marian Zachow, Pfarrer in Caldern und gescheiterter Landratskandidat der CDU, sowie Uwe Pöppler, Fachbereichsleiter Jugend und Soziales beim Landkreis - diese beiden wurden in der Kreis-Union bislang für den Posten des Ersten Kreisbeigeordneten gehandelt. Die CDU beansprucht dieses Amt für sich, seit sie keinen Landrat mehr stellt und verhandelt derzeit mit der SPD und der Landrätin Kirsten Fründt über eine große Koalition. Eine Abwahl von Dr. Karsten McGovern (Grüne), derzeitiger Erster Beigeordneter, zeichnet sich als Konsequenz ab.

In der Diskussion über einen neuen hauptamtlichen Beigeordneten kommt ein weiterer Name ins Spiel: Es ist der von Tobias Meyer, Kreistagsabgeordneter aus Breidenbach, 34 Jahre alt und Lehrer. In der Tat hätten der CDU-Kreisvorsitzende Dr. Thomas Schäfer sowie der CDU-Fraktionsvorsitzende Werner Waßmuth zu diesem Thema das Gespräch mit ihm gesucht, berichtet Meyer der OP auf Nachfrage. „Und das wäre auch eine interessante Aufgabe und eine tolle berufliche Herausforderung für mich“, sagt der Studienrat, der dem Kreisvorstand der CDU angehört und der bei der Landtagswahl im vergangenen Jahr der Ersatzkandidat für Wahlkreis-Bewerber Dr. Thomas Schäfer war.

Meyer macht aber auch deutlich: „Es gibt bereits zwei Bewerber - und ich weiß nicht, ob meine Kandidatur der Partei guttun würde. Ich werde mich jedenfalls nicht als ein dritter Bewerber in ein Rennen begeben - ich will keine parteiinterne Schlacht“, stellt der Breidenbacher klar. Abschließend entschieden habe er sich noch nicht - „Parteifreunde haben mich auch ermutigt, meinen Hut in den Ring zu werfen“, sagt er. Doch ist Meyer, der im Mai zum zweiten Mal Vater wird, davon überzeugt: „Es gibt auch wichtigere Dinge als Politik.“

Zur derzeitigen Diskussion über den Kopf des Amtsinhabers McGovern hinweg sagt Meyer. „Ich tue mich schwer mit einer vorzeitigen Abwahl.“ Er habe in der schwarz-grünen Koalition viele Jahre vertrauensvoll und gut mit Karsten McGovern zusammengearbeitet. „Die Situation jetzt finde ich von der menschlichen Seite her sehr schwer - auch vor dem Hintergrund meiner christlichen Überzeugung“, erklärt der engagierte Katholik, der McGovern jetzt ungern „den Rücken zukehren“ will, „auch, wenn Politik womöglich so ist“.

Meyer geht davon aus, dass es der CDU gelingt, in der Frage einer Kreisbeigeordneten-Abwahl „noch eine konstruktive und offene Debatte“ zu führen. „Sollte ich mich dann doch einer Abwahl anschließen, so fällt mir dies nicht leicht“, erklärt er.

Zachow und Pöppler schweigen

Marian Zachow und Uwe Pöppler wollen indes nicht reden über ihr Interesse am Amt McGoverns. Man habe Stillschweigen vereinbart in der CDU. „Und ich lege Wert darauf, mich an Absprachen zu halten“, sagt Uwe Pöppler (47).

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Werner Waßmuth erklärt gegenüber der OP: „Die Personaldebatte kommt zum Schluss, wenn mir mit den inhaltlichen Diskussionen mit der SPD durch sind in zwei Wochen.“ Was im Moment laufe, „das ist doch alles Spekulation“. Nach Informationen der OP gilt Zachow parteiintern derzeit als Favorit für den Posten eines hauptamtlichen Beigeordneten von der CDU - allein schon, weil sich der Theologe im Landrats-Wahlkampf monatelang für die Partei eingesetzt hat und dafür sozusagen belohnt werden soll. Zachow fiel im vergangenen Jahr durch einen außerordentlich engagierten Haustür-Wahlkampf auf.

Doch gibt es auch kritische Stimmen, beispielsweise aus dem CDU-Stadtverband Kirchhain. Die CDU werde sich damit schaden, wenn sie einen gescheiterten Landratskandidaten quasi durch die Hintertür ins Landratsamt hole, heißt es. Und altgediente CDU-Politiker mahnen an, man möge darauf achten, einen hauptamtlichen Kreisbeigeordneten zu wählen, der in sechs Jahren auch in der Lage sein könnte, eine Landratswahl zu gewinnen.

Bei den auf Kreisebene aller Voraussicht nach ausrangierten Grünen ist indes Verdruss angesagt. „Hauptzweck der Großen Koalition ist die vorzeitige Abwahl von Karsten McGovern und die Neuwahl eines CDU-Mannes zwei Jahre vor der Kommunalwahl“, schreibt der Kreisverband in seinem Mitteilungsblatt „Grün informiert“ und erklärt: „Wir Grüne und Karsten McGovern haben Kirsten Fründt die Zusammenarbeit angeboten. Wenn wir den Weg der Haushaltskonsolidierung gemeinsam weitergehen, steht am Ende auch die Senkung der Kreisumlage. Dagegen steht auch die Aufstockung um einen weiteren hauptamtlichen Dezernenten und die Mehrkosten einer Abberufung des bisherigen Ersten Kreisbeigeordneten.“

Die Grünen verweisen darauf, dass im Kreistag mit seinen 81 ehrenamtlichen Mitgliedern die SPD und die Grünen zusammen auf 43 Sitze kämen. Weitere Abgeordnete anderer Fraktionen hätten Rot-Grün ihre Unterstützung zugesagt. Rot-Grün habe folglich eine klare Mehrheit. Während die Grünen womöglich noch einen Funken Hoffnung haben, dass die Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und CDU scheitern und sie ihren Ersten Kreisbeigeordneten halten können, wird die Luft für McGovern an der Kreisspitze eher dünner. Mit einstimmigem Beschluss hat der FDP-Kreisverband am Mittwochabend entschieden, sich für eine Abwahl McGoverns stark zu machen.

Die FDP-Kreistagsabgeordneten Jörg Behlen und Angelika Aschenbrenner hatten bereits zuvor mitgeteilt, eine Abwahl McGoverns unterstützen zu wollen. Aus Behlens Sicht haben die Kreis-Grünen und vor allem McGovern von der SPD und Kirsten Fründt nicht mehr viel zu erwarten. „Man denke nur an Karsten McGoverns Macho-Spruch, als er bei der OP-Wahlveranstaltung nach den Fähigkeiten von Kirsten Fründt befragt wurde und antwortete, sie sei eine nette Frau.“

von Carina Becker

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Zweiter Kreisbeigeordneter
Sparen und die Kreisfinanzen im Blick behalten: Damit die Landrätin Kirsten Fründt diesem Rat der CDU auch folgen möge, überreichte ihr der Fraktionsvorsitzende Werner Waßmuth zur Amtseinführung ein Sparschwein aus Porzellan.

Kosten von rund 150000 Euro jährlich werden dem Landkreis entstehen, wenn sich die CDU mit ihrer Forderung nach einem eigenen hauptamtlichen Beigeordneten an der Kreisspitze durchsetzt.

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