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Tipp: Wartelinie als Gedächtnisstütze

Kritik an Gestaltung der Tempo-30-Zonen Tipp: Wartelinie als Gedächtnisstütze

In den als letzte zu Tempo-30-Zonen erklärten Gebieten wird vom Rechts-vor-links-Gebot 
abgewichen. Das führt 
zu Problemen. Die OP 
bat den Experten Klaus Schnitzky, diese bei einer Testfahrt zu bewerten.

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Autos auf der Leopold-Lucas-Straße haben Vorfahrt vor den von rechts kommenden Fahrzeugen aus dem Zwetschenweg, müssen aber sofort danach Verkehrsteilnehmern, die aus dem Wiesenweg kommen, Vorfahrt gewähren.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die flächendeckende Einführung von Tempo-30-Zonen war eines der großen Anliegen von Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD). Kurz vor Ende seiner Amtszeit wurden im Herbst 2015 die letzten Lücken geschlossen.

Neben der Ausweisung des Wehrdaer Wegs und der Wehrdaer Straße als Tempo-30-­Strecken wurden Leopold-Lucas-Straße, Zwetschenweg, Ockershäuser Allee und Ockershäuser Straße, Herrmannstraße sowie Rotenberg zu Tempo-30-
Zonen erklärt.

Sonderegelungen sind möglich

Doch gerade in diesem Gebiet gibt es Probleme mit der Beachtung, unter anderem weil dort mehrfach von der grundsätzlich in Tempo-30-Zonen geltenden Regelung rechts vor links abgewichen wird. Das ist nach der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung möglich, wenn „die Verkehrssicherheit es wegen der Gestaltung der Kreuzung oder Einmündung oder die Belange des Buslinienverkehrs es erfordern“.

Klaus Schnitzky (Foto: Michael Arndt), Fahrlehrer und Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Marburg-Biedenkopf, kann diese Vorgehensweise nur an zwei Stellen nachvollziehen: an der Einmündung des Rotenbergs ins Barfüßertor, wo der stadtauswärts und bergauf fahrende Verkehr gegenüber der von rechts kommenden Sybelstraße Vorfahrt hat sowie an der Einmündung der Hohen Leuchte in die 
Ockershäuser Straße, wo die Richtung Herrmannstraße fahrenden Verkehrsteilnehmer Vorfahrt haben.

In allen anderen Fällen sei diese Ausnahme von der Rechts-vor-links-Regelung nicht notwendig, erläutert Schnitzky, der kreisweit auch an Verkehrsschauen teilnimmt, während er seinen Fahrschulwagen durch die noch relativ neuen Tempo-30-Zonen lenkt.

Ihm liegt daran, dass Tempo-30-Zonen möglichst einheitlich gestaltet werden sollten – auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Denn gerade ältere Autofahrer kommen seiner Erfahrung nach mit zu viel Wechsel bei der Beschilderung nicht so gut zurecht.

Schnitzky rät zu Verkehrsspiegeln

Der 66-Jährige hält es nicht „für glücklich gelöst“, dass am Rotenberg stadteinwärts rechts vor links gilt (Einmündung Franz-Leonhard-Weg hinter der Engstelle) und der Bergauf-Verkehr Vorfahrt gegenüber der Calvinstraße und dem Sandweg erhält.

Ebenso wenig erschließt sich ihm diese Vorgehensweise an der Einmündung der Straße „Am Krappen“ sowie des Gladenbacher Wegs in die Herrmannstraße. Um diese zugegebenermaßen schwer einsehbaren Einmündungen für Autofahrer übersichtlicher zu gestalten, empfiehlt Schnitzky zum Beispiel den Einsatz von Verkehrsspiegeln. „Ich verstehe auch nicht, warum nicht wie in anderen Städten weiße Wartelinien auf die Straße aufgebracht werden, die signalisieren: Achtung, es könnte jemand von rechts kommen, der Vorfahrt hat“, sagt Klaus Schnitzky.

Und hat noch eine weitere Empfehlung parat: Öfter mal das Gefahrenzeichen „Kreuzung oder Einmündung mit Vorfahrt von rechts“ einsetzen (ein Andreaskreuz in einem rechtwinkligen rot umrandeten Dreieck). Für dringend geboten hält er dies an der Zufahrt zur Waldorfschule. „Nach meiner Beobachtung rauscht dort jeder durch, der auf der Ockershäuser Allee stadteinwärts fährt, ohne zu beachten, dass auch dort rechts vor links gilt“, berichtet der Experte. Ähnliche Erfahrungen machen Verkehrsteilnehmer, die aus dem Wiesenweg in den Zwetschenweg einbiegen wollen, weil sie dort Vorfahrt haben.

Forderung: rechts vor links in Leopold-Lucas-Straße

Schnitzky wundert dies nicht, denn zuvor haben ja Autofahrer, die aus Richtung Schwanallee über die Leopold-Lucas-Straße fahren, Vorfahrt – in der Linkskurve auch gegenüber den Autos, die aus dem Zwetschenweg kommen. „Und unmittelbar danach beginnt mit der Einmündung des Wiesenwegs wieder rechts vor links, das überfordert manche Fahrer“, sagt der Experte.

Ohnehin ist es ihm ein Rätsel, warum die Stadt in einer Straße, an der sich so viele Schulen befinden, die in Tempo-30-Zonen generell übliche Rechts-vor-links-Regelung aufgehoben hat. Sie sollte seiner Ansicht nach auch in der Leopold-Lucas-Straße gelten und sogar an der Einmündung Zwetschenweg. Das hätte noch den Vorteil, dass sich dort nachmittags im Berufsverkehr kein Stau zurück zur 
Ockershäuser Straße bildet, erläutert Schnitzky.

Nachdem dann im Zwetschenweg wieder viermal rechts vor links gegolten hat, erhalten Autofahrer bei der Weiterfahrt in die Willy-Mock-Straße wieder Vorfahrt gegenüber der von rechts kommenden Stephan-Niderehe-Straße. Das könnte suggerieren, die Tempo-30-­Zone sei nun zu Ende – und dies unmittelbar vor der Sophie-von-Brabant-Schule.

Der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht empfiehlt deshalb, die Tempo-30-Zone­ vor dieser Kreuzung enden­ zu lassen und direkt danach mithilfe eines Tempo-30-­Schildes eine Tempo-30-Strecke anzuordnen, die dann bis zur Gisselberger Straße gilt.

Was die Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit in Tempo-30-Zonen angeht, hat der erfahrene Verkehrsexperte noch einen weiteren Vorschlag: mehr „ruhenden Verkehr“, also parkende Autos, als „Bremsklötze“ auf die Straße zu bringen, wie dies vorbildlich in der Ortsdurchfahrt von Cölbe verwirklich worden sei.

von Michael Arndt

 
Tempo-30-Zone

Tempo-30-Zonen gelten so lange, bis sie durch ein Schild aufgehoben werden, also auch nach dem Abbiegen in eine andere Straße. Grundsätzlich gilt in Tempo-30-Zonen die Regelung rechts vor links, sie kann unter bestimmten Voraussetzungen aufgehoben werden.

Eine Tempo-30-Strecke gilt nur auf der durchgehenden Strecke (Beispiel: Wehrdaer Weg und Wehrdaer Straße), also nicht mehr nach dem Abbiegen.

 
 
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