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Tierheim stoppt die Vermittlung

Tierschutz Tierheim stoppt die Vermittlung

Für die Weihnachtszeit hat das Tierheim in Cappel die Vergabe von Hunden, Katzen und Kleintieren an neue Halter eingestellt. Das soll dem Schutz der Tiere dienen.

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Tierschützer kritisieren den Kauf von Tieren, die als Weihnachtsgeschenke dienen sollen. Den Vierbeinern drohe im Laufe der Zeit
eine Vernachlässigung, zudem würden viele Halter die Folgekosten unterschätzen.

Quelle: Archiv

Marburg. „Unter dem Christbaum sollen keine Vierbeiner liegen. Deshalb vermitteln wir über die Festtage nicht“, sagt Tierheim-Geschäftsführer Robert Neureuther auf OP-Anfrage. „Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke, sondern eine verantwortungsvolle Aufgabe“, ergänzt Silke Lenz, Sprecherin der Firma „Fressnapf“ in Wehrda. Der Kauf von Hund, Katze und Co. sei eine ganz besonders wichtige und langfristige Entscheidung. „Tiere sollten grundsätzlich nur an diejenigen Personen abgegeben werden, die sie später betreuen und die Verantwortung tragen.“ Und das sind in diesem Fall eben nicht die Beschenkten.

Elmar Altwasser, Vorstandsmitglied im Tierschutzverein Marburg und Umgebung, sagt: „Weihnachten ist der denkbar ungünstigste Zeitpunkt für ein neues Tier.“ Und zwar auch deswegen, weil die Vermittlung in ein neues Zuhause für das Tier an sich schon erheblichen Stress bedeute. „Wenn dann auch noch weihnachtliche Hektik und Action herrscht, ist das eine sehr ungeeignete Atmosphäre, um ein Tier in einen Haushalt einzuführen.“

„Es macht keinen Sinn, wenn in Weihnachtsstimmung ein Tier gekauft wird, ohne darüber nachzudenken, was für Verpflichtungen und Kosten es mit sich bringt“, warnt Neureuther. Immerhin sei ein Haustier ein Familienmitglied - und das über einen langen Zeitraum. „Ein Hund kann, je nach Rasse, 16, 17 Jahre alt werden, eine Katze sogar über 20 Jahre.“

Das sei eine lange Zeit, die unter Umständen viele Kosten mit sich bringen könne. Nicht nur Leine, Futter und Spielzeug müssen bezahlt werden, auch Rechnungen von Tierärzten könnten hoch ausfallen. Neureuther hat selbst Hunde und weiß daher, dass jährliche Arztrechnungen „locker mal die 1000-Euro-Marke überschreiten“ können.

Aber auch ohne Krankheit oder Verletzung liegen die Kosten im Jahr bei rund 700 Euro - und die müssen erst einmal verdient sein.

Anfragen in Marburg steigen seit Monatsmitte

„Wir empfehlen immer 100 bis 150 Euro pro Monat für das Haustier auf ein Sparbuch zu legen“, sagt Neureuther. Eine unüberlegte Entscheidung mache deswegen keinen Sinn: „Der Entschluss, ein Tier anzuschaffen, muss mit der ganzen Familie gefällt werden.“ Im Idealfall kämen die Interessierten vorher ein paar Mal im Tierheim vorbei, würden mit dem Hund Gassi gehen oder mit der Katze schmusen.

„Man muss ja erst einmal testen, ob man mit dem Tier überhaupt klarkommt.“

45 Katzen leben derzeit im Cappeler Tierheim. Dazu kommen 19 Kleintiere, acht davon in der Adoptionsstube, und sechs Hunde. Das sei besonders wenig, zu anderen Zeiten seien es im Durchschnitt 15 bis 20, aber die Vermittlungen im November liefen laut Neureuther überdurchschnittlich gut.

Wie viele Anfragen es in der Vorweihnachtszeit konkret für diese Tiere gibt, hat Neureuther noch nie dokumentiert, trotzdem stellt er fest: „Ab der zweiten Dezemberwoche steigen die Anfragen an.“ Doch sei der Trend leicht rückläufig: Vor fünf, sechs Jahren, so sagt der Geschäftsführer, war die Zahl noch größer als heute. „Wahrscheinlich haben die Leute inzwischen Einsehen, und der Gedanke an Tierschutz ist heute ein ganz anderer.“

von Suria Reicheund Björn Wisker

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