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„Therapien an Patienten anpassen“

Neuer Neurologie-Chefarzt „Therapien an Patienten anpassen“

Professor Lars Timmermann (43) leitet seit ­Anfang September die Neurologische Klinik am Uni-Klinikum.

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Professor Harald Renz (links, Ärztlicher Geschäftsführer) und Dr. Gunther K. Weiß (rechts, Kaufmännischer Geschäftsführer) freuen sich über den „Neuzugang“ am Uni-Klinikum: Professor Lars Timmermann ist der neue Leiter der Neurologischen Klinik.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der gebürtige Hamburger Lars Timmermann ist mit 1,96 Metern Körpergröße eine imposante Figur. Seit dem 1.September am Uni-Klinikum Chefarzt der Neurologischen Klinik und Professor für Neurologie. Der Experte für neurologische Bewegungsstörungen wie die Parkinson-Krankheit hat sich schnell in Marburg eingelebt. „Wenn ich jetzt morgens bei der Arbeit im Klinikum ankomme, kommt es mir vor, als wenn ich schon viel länger dort arbeiten würde“, erzählt Timmermann bei einem Pressegespräch im Konferenzzimmer der Geschäftsführung des Klinikums.

Sein Faible für den Mannschaftssport Feldhockey könnte dazu führen, dass er sich noch schneller in Marburg heimisch fühlen könnte. Denn der 43-jährige Mediziner hat jetzt bereits zweimal bei der Herrenmannschaft des Hockeyteams des VfL Marburg mittrainiert und hätte auch Lust, dort mitzuspielen.

Als große Verstärkung wird Timmermann übrigens auch im „Team“ des Uni-Klinikums in Marburg angesehen. „Wir sind froh, dass eine so wichtige Professur mit einem so herausragenden Mediziner besetzt werden konnte“, sagte Dr. Gunther Weiß, Kaufmännischer Geschäftsführer des Uni-Klinikums Marburg. Besonders hob Weiß hervor, dass Timmermann mit seiner positiven Energie den Ehrgeiz habe, neue Impulse in der Klinik sowie in der Forschung und Lehre zu setzen.

Weiß betonte aber, dass die eigentliche Entscheidung, Timmermann nach Marburg zu holen, vom Fachbereich Medizin und der Universität getroffen worden sei. Eine entscheidende Hilfe habe es aber durch die Investitionszusagen der Verantwortlichen des Klinikums gegeben, fügte Professor Harald Renz, Ärztlicher Geschäftsführer des Klinikums an. Dies betreffe beispielsweise eine Berufungszusage und die Anschaffung eines 3-Tesla-MRT-Gerätes, mit dessen Hilfe die neuen Möglichkeiten der modernen Bildgebungstechniken verstärkt auch in der Neurologie Einzug halten sollen. Timmermann sei ein Protagonist der modernen Neurologie, der an die vergangenen erfolgreichen Jahrzehnte in Marburg anknüpfen soll.

In Marburg nimmt Timmermann die seit einigen Jahren vakante Stelle des langjährigen Klinikchefs der Neurologie von Professor Wolfgang Hermann Oertel ein, der noch als Seniorprofessor in Marburg forscht.

Oertels Posten war zwischenzeitlich kommissarisch von Professor Richard Dodel bekleidet worden, der aber trotz einer Platzierung auf Nummer eins der Berufungsliste den Marburger Chefposten zugunsten eines Rufes auf eine Professur in Essen ausgeschlagen hatte.

Experte für Tiefenhirn­stimulation

Nach dem Abitur in Essen 1992 studierte Timmermann bis 1999 Medizin an der Uni Kiel, wobei er Studienaufenthalte in den USA einschob. Von 1999 bis 2006 war er Assistenzarzt an der Neurologischen Uni-Klinik in Düsseldorf. Seit 2007 war Timmermann Oberarzt in der Neurologischen Klinik der Uni-Klinik in Köln, wo er auch seit 2008 die Professur für Neurologische Bewegungsstörungen innehatte.

Der Experte für Tiefenhirn­stimulation bezeichnet sich selber einerseits als „Arzt aus Leidenschaft“ und andererseits als klinischen Neurologen. Er hat große Pläne für die Umgestaltung der Uni-Neurologie in Marburg, die er in Richtung einer „personalisierten Neurologie“ hin modernisieren möchte. „Wir müssen die Therapien an die Patienten anpassen“, sagte Timmermann.

So setzt der Neurologe bei der Behandlung von Parkinson-Patienten in Kooperation mit Neurochirurgen verstärkt auf den frühzeitigen Einsatz von verbesserten Hirnschrittmachern, um den Gesundheitszustand deutlich zu verbessern und Sprünge in der Lebensqualität zu erreichen. Aber auch den Ausbau der Schlaganfall-Behandlung hat sich der Neurologe vorgenommen. So sollen in der überregionalen „Stroke Unit“ (Schlaganfall-Einheit) künftig 14 Behandlungsplätze zur Verfügung stehen und auf der parallelen Station der Intensiv­medizin acht statt vorher sechs Behandlungsplätze. Timmermann bewarb sich nicht nur wegen der „charmanten Region“ um den Posten als Klinikchef, sondern auch wegen des ausgezeichneten Rufs der Marburger Neurologie.

 „Das Uni-Klinikum war schon immer ein Leuchtturm bei den Bewegungsstörungen“, meint Timmermann. Als besonders gut bezeichnet er auch die enge Kooperation am Fachbereich Medizin sowie die kurzen Wege. Die Ausstattung der Neurologischen Klinik sei exzellent. „Wir können hier gute Entwicklungen zeitnah umsetzen“, sagt der Neurologe.

Für seine Aufgabe, eine Modernisierung der Neurologischen Klinik, hat sich Timmermann übrigens Verstärkung aus Köln mitgebracht: neun Mitarbeiter von seiner alten Arbeitsstelle sind mit ihrem Chef mitgekommen, darunter auch der leitende Oberarzt Dr. Carsten Eggers. Seinen Führungsstil als Klinikchef bezeichnet Timmermann als „modern-moderiert“. Das beinhalte sowohl die Wertschätzung für die Leistung der Mitarbeiter als auch die Delegation von Verantwortung für die einzelnen Bereiche.

von Manfred Hitzeroth

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