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Teures Spielzeug für die Stadtplaner

3D-Modell von Marburg Teures Spielzeug für die Stadtplaner

Ein dreidimensionales Modell der Stadt Marburg könnte vor allem bei künftigen Bauvorhaben Größendimensionen besser verdeutlichen. Über die Anschaffung eines solchen Modells wurde im Bauausschuss diskutiert.

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Nicht in 3-D, aber trotzdem anschaulich: Dieses Luftbild zeigt einen Blick auf die Skyline der Stadt mit dem Schloss, der Lutherischen Pfarrkirche und der Elisabethkirche.

Quelle: Stefan Weisbrod

Marburg. Ein Antrag der „Bürger für Marburg“ brachte die Debatte im Bauauschuss des Stadtparlaments am Donnerstag ins Rollen. Andrea Suntheim-Pichler (BfM) forderte, dass der Magistrat entweder im Rathaus oder im Bauamt ein 3-D-Modell der Stadt Marburg aufstellen solle. Bauherren sollten dann verpflichtet werden, in dieses Stadtmodell die Modelle ihrer Bauprojekte maßstabsgetreu einzupassen. Auf diese Weise könne man besser die räumlichen Ausmaße eines Bauvorhabens darstellen und erfassen. So könne man beispielsweise schneller und einfacher erkennen, wo sich ein Neubau problemlos in die Umgebung einfügen werde und wo Probleme auftreten würden, sagte Suntheim-Pichler. Beispielsweise könne man auf diese Weise die Dimensionen von Windrädern im gesamten Stadtumfeld besser erkennen.

Auch Dr. Michael Weber (Piratenpartei) war von der Bedeutung eines solchen 3-D-Stadtmodells für die Marburger Stadtplanung überzeugt. „Bei jedem Bauprojekt tauchen doch immer wieder dieselben Fragen auf“, meint Weber. So hätte man beispielsweise im Fall des Sprachatlas-Gebäudes auf dem Brauereigelände bei der Einarbeitung in ein dreidimensionales Stadtmodell gleich gesehen, ob es im Zusammenhang mit dem gegenüberliegenden Parkhaus zu einer Schluchtenbildung komme.

„So ein 3-D-Modell der Stadt Marburg wäre wunderschön, und es könnte ein Beitrag dazu sein, über Bauprojekte besser zu diskutieren“, freute sich Bauamtsleiter Jürgen Rausch über den Vorstoß. Allerdings gab er zu bedenken, dass es zur Verwirklichung eines 3-D-Modells in einer sinnvollen Größe zu erheblichen Kosten komme.

Voraussetzung für die Anfertigung eines dreidimensionalen Stadtmodells aus Holz oder Acryl müsse zunächst einmal als Vorarbeit ein virtuelles 3-D-Modell der Stadt am Bildschirm erstellt werden. Einen Grundstock an Daten aus Gebäudekatastern und Luftaufnahmen hat die Stadtverwaltung an sich schon zur Verfügung, doch die Spezial-Software und das dazugehörige Know-how sind nicht ganz billig.

Je kleiner die Modell-Stadt ist, desto günstiger

Wenn man die Kernstadt inklusive der Lahnberge und der Marbach darin abbilden würde, würde das für das virtuelle Modell nach ersten Informationen von Rausch rund 100000 Euro kosten. Bei der hinzukommenden Ausfertigung in Holz oder Acryl müsste die Stadt insgesamt rund 400000 Euro bezahlen. Dann würde im Maßstab 1: 1500 ein Modell von drei mal vier Metern entstehen. Zum Vergleich: Bei Architekturwettbewerben ist es üblich, Modelle von Baukörpern in dem Maßstab 1: 500 anzufertigen.

Billiger wäre es laut Rausch, würde man das Stadtgebiet mehr oder weniger auf die Kernstadt-Gebiete reduzieren: Dann müsste die Stadt für das Stadtmodell rund 200000 Euro zahlen. Aus Kostengründen könne sich die Stadt Marburg die Erstellung des angeregten 3-D-Modells wohl derzeit nicht leisten, meinte Baudezernent Dr. Franz Kahle. Dieser Argumentationsweise schlossen sich die Vertreter der rot-grünen Koalition an.

Als „teures Spielzeug“ bezeichnete Sonja Sell (SPD) den Vorschlag, und aus Sicht von Rainer Flohrschütz (Grüne) sei das Stadtmodell so etwas wie ein Porsche. Prinzipiell sahen jedoch auch die Ausschussmitglieder von SPD und Grünen ein 3-D-Modell als wünschenswert an. Deshalb schlossen sie sich dem zum Prüfantrag formulierten Antrag an. Einstimmig erbittet der Ausschuss nun also vom Magistrat, ein Konzept vorzulegen, wie die Anschaffung eines 3-D-Modells zeitnah möglich sein kann und wie teuer das werden kann.

von Manfred Hitzeroth

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