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Temposünder fährt selbst zum Gericht

Trotz Fahrverbot Temposünder fährt selbst zum Gericht

Ein 25-Jähriger aus Stuttgart sollte sich vor dem Marburger Amtsgericht wegen einer Tempoüberschreitung verantworten. So weit, so unspektakulär - doch das Drumherum hatte es in sich.

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Quelle: Archivbild

Marburg. Pünktlichkeit ist eine Tugend - und wer zu spät kommt, der sollte wenigstens eine vernünftige Ausrede parat haben. Ein 25 Jahre alter Mann versuchte sich zwar in einer Ausrede, hatte aber nicht mit Oberamtsanwalt Reinhard Hormel gerechnet, der in der Verhandlung gegen den Stuttgarter die Anklage vertrat.

Das Navi verriet ihn

Der Angeklagte sollte sich wegen zu schnellen Fahrens verantworten. Noch während er unter Bewährung wegen zweimaligen Fahrens ohne Fahrerlaubnis war, hatte er das Tempolimit überschritten und war in Marburg geblitzt worden. Kurz vor der daraus resultierenden Verhandlung rief er im Amtsgericht an und ließ mitteilen, dass er sich verspäten werde. „Mein Solarplexus sagte mir, dass da etwas nicht stimmt“, berichtet Hormel. Eine Formulierung habe ihn stutzig gemacht:Der Angeklagte hatte in dem Telefonat angegeben, dass „sein Navi“ eine Ankunftszeit von 12.30 Uhr voraussagte - was beim Oberamtsanwalt die Alarmglocken schrillen ließ. Er habe nicht etwa vom „Navi im Auto“ oder ähnlichem geredet, sondern die Formulierung „sein Navi“ gewählt: Dabei hätte er, da er seit 2011 nicht im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis ist, auf keinen Fall hinterm Steuer sitzen dürfen.

Entsprechend aktivierte Hormel die Polizei, als der Angeklagte am Gericht eintraf. Die Beamten machten sich auf den Weg, suchten das Fahrzeug des Stuttgarters und fanden es in einer Seitenstraße dann auch. Als der Oberamtsanwalt sich bei dem Stuttgarter erkundigte, wie er überhaupt nach Marburg gekommen sei, verwies dieser ihn auf einen Freund, der ihn gefahren habe - der aber dann telefonisch nicht zu erreichen war.

Hormel fragte also noch einmal nach, bekam keine befriedigende Antwort und stellte den Antrag auf eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung: „Er bat mich um ein Gespräch und gab dann auch zu, selbst nach Marburg gefahrenzu zu sein.“ Sechs Monate erntete der Stuttgarter letztendlich für seine Geschwindigkeitsübertretung. Außerdem ist er in den nächsten 18 Monaten gesperrt und hat keine Chance, seine Fahrerlaubnis wiederzuerlangen. Noch dazu wurde sein Fahrzeug beschlagnahmt, und es wird ein neues Verfahren wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis eingeleitet, das dann wohl in Stuttgart zur Verhandlung kommt.

von Florian Lerchbacher

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