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Tempo-Kontrollen zum Schulanfang

Erstklässler Tempo-Kontrollen zum Schulanfang

Am Dienstagvormittag beginnt im Landkreis der Schulalltag für die Erstklässler. Die Polizei nutzt die Einschulung für wichtige Schulweg-Tipps - und für Schwerpunktkontrollen.

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Sichere Schulwege im Landkreis: Polizei und Ordnungsämter verstärken ihre Tempo-Kontrollen auf den Straßen. Foto: Tobias Hirsch

Marburg. Im Landkreis werden am Dienstag 1991 Erstklässler eingeschult (400 davon in Marburg). Und viele werden durch den Schulweg erstmals zu aktiven Verkehrsteilnehmern. Aus diesem Grund gibt Lothar Wähler, Hauptkommissar beim Regionalen Verkehrsdienst Marburg-Biedenkopf, Tipps, wie dieser Schulweg möglichst sicher für die Verkehrsanfänger wird. Denn Kinder, so Experten, seien im Straßenverkehr besonders gefährdet. So nehmen die Jungen und Mädchen den Verkehr anders wahr als Erwachsene und unterschätzen etwa die Geschwindigkeit und Entfernung herannahender Fahrzeuge. Zum anderen können sie die Gefahr und Komplexität vieler Verkehrssituationen, vor allem an Kreuzungen, nicht richtig einschätzen. Gleichzeitig ist ihre Reaktionszeit wesentlich länger als die von Erwachsenen.

Bei Erstklässlern kommen auch die körperlichen Voraussetzungen erschwerend hinzu: Durch ihre geringe Körpergröße sind sie für Autofahrer schlechter zu sehen und benötigen mehr Zeit für das Überqueren einer Straße. Kinder sind zudem schnell abgelenkt und gedanklich mit anderen Dingen beschäftigt.

Daher gilt der erste Rat des Verkehrsspezialisten: „Eltern sollten den Schulweg gemeinsam mit ihren Kindern ablaufen.“ Das werde zwar eigentlich schon im Kindergarten durch die Verkehrserziehung praktiziert. „Dann bekommen die Kinder sogar einen Fußgängerführerschein“, so Wähler. Dennoch sollten die Eltern diesen Weg mit den Kindern noch einmal wiederholen. Wichtig sei dabei vor allem das Hinweisen auf Gefahrenquellen. „Und auch die gefahrlosen Wege zum Überqueren der Straße sollten aufgezeigt werden“, sagt Wähler. Also gilt: Das Verhalten an Ampeln und Zebrastreifen üben.

Schulanfänger sind Verkehrsanfänger

Auch, wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, gelten wichtige Regeln. Kindersitz oder Sitzerhöhung mit Anschnallen sind Pflicht - und zwar aus gutem Grund. Lothar Wähler verdeutlicht: „Wenn ein Kind nicht hoch genug sitzt und es zum Unfall kommt, rutscht es einfach unter dem Gurt durch.“ Was zu fatalen Verletzungen führen kann. Auch, wenn es nur wenige hundert Meter bis zur Schule seien: Die Sicherheit gehe vor.

Beim Aussteigen - nicht nur an der Schule - gilt: Nur auf der Beifahrerseite aus dem Auto steigen. „Und auch dann muss auf den nachfolgenden Verkehr geachtet werden“, sagt der Hauptkommissar. Und auch die Autofahrer können dazu beitragen, dass der Schulweg für Kinder sicherer wird. Nicht umsonst weisen an den Straßen seit einiger Zeit Hunderte Schilder darauf hin, dass „Schulanfänger Verkehrsanfänger“ sind. So sollten Autofahrer vor allem in Schulgebieten die Geschwindigkeit drosseln und immer bremsbereit und aufmerksam sein. Auch an Baustellen, die den Gehweg verengen, und hinter parkenden Autos gilt eine erhöhte Vorsicht.

Da Kinder häufig unvorhersehbar handeln, sollte ihnen vor allem am Zebrastreifen und auch auf Gehwegen ein besonderes Augenmerk gelten. Um die Verkehrsteilnehmer für die Gefahren insbesondere für Schulanfänger zu sensibilisieren, wird der Verkehrsdienst in den kommenden Wochen rund um Schulen im Landkreis mit Schwerpunkt-Aktionen Akzente setzen. Dabei stehen Verkehrskontrollen im Mittelpunkt - hauptsächlich morgens, wenn die Kinder zur Schule gebracht werden.

Heute starten verstärkte Tempo-Kontrollen

„Wir werden an den Schulen sporadisch präsent sein“, sagt Wähler. Geschwindigkeitsmessungen würden ebenso vorgenommen, wie Anschnallkontrollen - außerdem achtet die Polizei auf das Benutzen von Kindersitzen und Sitzerhöhungen.

Die Strafen sind übrigens empfindlich: Zahlen Erwachsene 30 Euro, wenn sie nicht angeschnallt sind, werden für ein Kind, das nicht ordnungsgemäß mitfährt, bereits 40 Euro und ein Punkt in der Verkehrssünderdatei in Flensburg fällig. Bei mehreren Kindern steigt die Strafe bereits auf 50 Euro und einen Punkt.

Doch Wähler weiß aus Erfahrung, dass erwischte Eltern meist einsichtig reagieren. „Sie reagieren meist sehr positiv auf die Aktionen“, sagt er. Als Ausrede komme häufig, dass man abgelenkt gewesen sei und daher nicht auf den Tacho geachtet habe.

Und manchmal sind die Kinder sensibler als die Eltern: So habe ein Kind bei einer Strafe wegen eines vergessenen Kindersitzes schon einmal gesagt: „Papa, ich hab’s doch gesagt.“

von Andreas Schmidt

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