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Tempo 30 auf dem Wehrdaer Weg

Verkehrspolitik Tempo 30 auf dem Wehrdaer Weg

Nächster Schritt der Verkehrsreform in der Nordstadt: Wehrdaer Straße und Wehrdaer Weg – die den Stadtteil mit der Elisabethstraße verbinden – werden jeweils zu einer Tempo-30-Zone. Anwohner sind erleichtert.

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Nach 31 Jahren Kampf hat eine Bürgerinitiative ihr Ziel erreicht: Ab Dezember wird auf dem Wehrdaer Weg und der Wehrdaer Straße Tempo 30 gelten. „Wahnsinn, ich weiß vor Freude kaum, was ich sagen soll“, sagt Anwohnerin Christiane Dörbecker.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Ab Dezember soll die neue Geschwindigkeitsregelung gelten. Das hat der Magistrat mitgeteilt. Landesverkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) hat demnach das Ansinnen genehmigt, die Verlangsamung über die bisherige Teilstrecke hinaus gelten zu lassen.

„Diese Maßnahme trägt dazu bei, durch eine Verringerung des Geschwindigkeitsniveaus die Verkehrssicherheit vor allem für die schwächeren Verkehrsteilnehmenden zu erhöhen und die Wohnqualität in den Wohnstraßen zu verbessern“, sagt Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD).

Anwohner sind erleichtert über die Entscheidung der Stadtspitze: „Das ist toll, ich freue mich sehr“, sagt Monika Frisch, die im Sommer 2014 einen Anwohnerprotest organisierte. „Es geht nicht um ein Wohlfühl-Wohnproblem, um Ruhe vor der eigenen Haustüre, sondern um Sicherheit, um Gefahren“, sagt sie.

Raser-Quote auf dieser Strecke überdurchschnittlich hoch

Das sieht Christiane Dörbecker, die seit 31 Jahren für das nun erreichte Ziel kämpft, ähnlich: „Es ist ein Riesengewinn für rund 1000 Anwohner.“ Lärm und Erschütterungen, die die Häuser demolieren, seien Probleme.

Aber die nun eintretende Gefahrenmilderung sei viel entscheidender. „Hier fährt so viel durch, auch überörtlicher Verkehr, dass wir die Hauptlast in Marburg tragen und ständig – als Fußgänger und Radfahrer – großen Risiken ausgesetzt sind.“

„Tempo 30 soll ja auch eine verkehrslenkende Funktion haben, mit dem Ziel, weniger Verkehr in Nord- und Innenstadt zu haben, stattdessen die Leute mehr auf die Stadtautobahn zu lotsen“, ergänzt Frisch.

Blitzerkontrollen haben nach OP-Informationen ergeben, dass auf der Trasse überdurchschnittlich viele Autofahrer zu schnell unterwegs sind. Etwa 13 Prozent aller Fahrzeuge wurden geblitzt, normal ist nach Angaben der Straßenverkehrs
behörde eine Raser-Quote von fünf bis sechs Prozent. Ebenfalls zu Tempo-30-Zonen umgewandelt werden:

* Rotenberg
*  Ockershäuser Allee
*  Leopold-Lucas-Straße
*  Zwetschenweg
*  Hermannstraße
*  Sommerbadstraße

„Dann sind mit Ausnahme der klassifizierten Landes- und Kreisstraßen alle innerörtlichen Wohnstraßen als Tempo-30-Zonen beschildert“, heißt es von der Stadtverwaltung.

Hintergrund: Nach einer Tempo-30-Einführung auf der Wehrdaer Innenstadt-Verbindung sowie dem Abschluss mehrerer Großbaustellen, plant der Magistrat die Anweisung von Schritttempo auf der Elisabethstraße (die OP berichtete).

Nordstadt-Änderungen
 sind „für Rad-Netz nötig“

Behördenvertreter betonen indes Verbesserungen im Zuge der Nordviertel-Verkehrsreform rund um die Bahnhofstraße. Da im Zuge des Campus Firmanei Fahrräder künftig einen höheren Stellenwert bekommen werden, sei die bald geltende Regelung im Wehrdaer Weg als Zubringer zur Elisabethstraße „sehr gut für den bald stark ansteigenden Radverkehr“, sagte Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) bei der Zwischenbilanz-Vorstellung des Verkehrsversuchs.

Die Aufhebung der Einbahnstraßen-Führung in der Robert-Koch-Straße ist nach Ansicht von Katharina Grieb, Radverkehrs-Beauftragte der Stadt, ein „wichtiger Baustein, um das dringend nötige durchgängige Rad-Netz zu schaffen“. Die Nordviertelstraßen „bilden nun einen Verbund mit der zentralen Biegen- und Uferstraße“.

Für die Erfolgs- oder Misserfolgs-Bewertung des Verkehrsversuchs im Herbst 2016 sind Baudirektor Jürgen Rausch zufolge „nicht nur die Auswirkungen auf die Autozahl in der Elisabethstraße wichtig“, sondern auch die generelle Zufriedenheit anderer Verkehrsteilnehmer. „Der Verkehrsfluss besteht ja auch nicht nur aus dem Transportmittel Auto. In der Nordstadt haben schon jetzt Radfahrer und Fußgänger an Sicherheit gewonnen“, ergänzt Uwe Volz (Grüne).

Baudirektor Rausch sieht einen Vorteil in den gebauten Querungshilfen etwa auf der Bahnhofstraße. „Kurze, direkte Wege zu Geschäften sind gegeben.“

von Björn Wisker

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