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Teil von Elisabeth-Dichtung entdeckt

Fund in Bibliothek Teil von Elisabeth-Dichtung entdeckt

Der Fund einer Elisabeth-Handschrift in Mainz wurde von Marburger Wissenschaftlern analysiert.

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Dr. Helmut Hinkel (links), Direktor der Mainzer Martinus-Bibliothek, präsentiert das in der Bibliothek entdeckte Elisabeth-Fragment neben einer Elisabeth-Figur aus dem Dom- und Diözesanmuseum. Der Marburger Philologe Daniel Könitz zeigt die lateinische Vergil-Ausgabe, in der das Pergament zur Verstärkung des Buchrückens verwendet worden war.

Quelle: Bistum Mainz/Blum

Marburg. Als eine Art „blinder Passagier“ reisten die schriftlichen Überreste einer Elisabeth-Dichtung wohl mehr als 500 Jahre in einem anderen Buch mit, wo sie als Verstärkung des Buchrückens dienten, erläutert der Marburger Philologe Daniel Könitz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Deutsche Philologie des Mittelalters der Universität Marburg. Gefunden wurde das Fragment jetzt in einer lateinischen Vergil-Ausgabe aus dem Jahr 1517. Die zwei mittelalterlichen Pergamentstücke im Postkarten-Format hatte der Mainzer Buchwissenschaftler Dr. Franz Stephan Pelgen im Rahmen eines Forschungsprojektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über die Korrespondenzen des Wormser Weihbischofs Stephan Alexander Würdtwein entdeckt. Während seiner Forschungsarbeiten hatte Pelgen vor einigen Monaten auch noch zahlreiche ähnliche Handschriften-Fragmente entdeckt.

Auf dem vollständig und zweiseitig beschriebenen Doppelblatt sind insgesamt 63 Textzeilen aus der deutschsprachigen Erzählung über das Leben der heiligen Elisabeth (1207 bis 1231) enthalten. In dem auf Mittelhochdeutsch verfassten Text, für den es noch keine Übersetzung gibt, geht es um Elisabeths Zeit in Marburg, wo sie die letzten drei Jahre ihres Lebens verbracht hat.

So wird beschrieben, wie die thüringische Landgräfin sich nach ihrer Ankunft in Marburg mit der Bitte um Kraft an Gott wendet, um sich von ihrem weltlichen Besitz lossagen zu können. Anschließend wird in dem Text geschildert, wie Elisabeths Beichtvater Konrad von Marburg das Gefolge der Landgräfin fortschickt.

In der Mainzer Martinus-Bibliothek war der bedeutende Handschriftenfund des bislang unbekannten, gereimten Textes über die heilige Elisabeth von Thüringen gemacht worden. Marburger Wissenschaftlern haben die Bedeutung des Fundes analysiert und zeitlich eingeordnet: Der Marburger Philologe Daniel Könitz präsentierte zusammen mit dem Direktor der Martinus-Bibliothek, Dr. Helmut Hinkel, die Forschungsergebnisse rund um den Fund am Montag bei einer Pressekonferenz in der Martinus-Bibliothek in Mainz der Öffentlichkeit.

Das Fragment habe „einen großen Wert für die Literaturgeschichte“, sagte Könitz - auch wenn bislang nur ein Blatt des Textes bekannt sei. Es sei ein Beleg für die vermutlich zweitälteste Elisabeth-Dichtung in deutscher Sprache, erläuterte Könitz im Gespräch mit der OP. Bislang seien unter allen bekannten deutschen Elisabeth-Texten überhaupt nur vier gereimte Erzählungen bekannt, sagt Könitz. Daneben gebe es noch rund zehn weitere mittelalterliche Texte in Prosa über die heilige Elisabeth. Bislang gilt das um 1300 entstandene „Leben der heiligen Elisabeth“ als älteste Elisabeth-Dichtung.

Man könne nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob das jetzt entdeckte Fragment vielleicht sogar noch älter sei, sagte Könitz. Der Text sei wohl zu Beginn des 14. Jahrhunderts im hessisch-thüringischen Raum entstanden, der von Mainz im Westen bis nach Erfurt im Osten reichte.

Eines stehe aber nach dem Vergleich mit den bisher bekannten mittelalterlichen Elisabeth-Dichtungen zweifelsfrei fest: Das Werk sei mit keinem der bisher bekannten vier Texte identisch. Das gehe unter anderem aus dem speziellen Schreibstil hervor, sagte Könitz.

Könitz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Deutsche Philologie des Mittelalters und hat sich zusammen mit Dr. Klaus Klein um die Analyse der Handschrift gekümmert. Zu der Expertise kam es, weil die Handschriften-Forscher des Instituts schon seit Längerem mit der Martinus-Bibliothek kooperiert haben.

Die jetzt in der Martinus-Bibliothek entdeckten Bruchstücke seien der einzige Beweis für die Existenz dieser sehr frühen Elisabeth-Dichtung in deutscher Sprache, berichtet Könitz. Das handliche und kompakte Format lasse darauf schließen, dass die Handschrift als private Lektüre angefertigt worden sei, vielleicht als Privatexemplar eines Adligen, sagte Könitz.

Ursprünglich müsse es eine komplette Lebensbeschreibung der Elisabeth gegeben haben, die wohl mehrere 1000 Verse umfasst habe.

von Manfred Hitzeroth

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