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Taxifahrer greift Fahrgast an

Aus dem Gericht Taxifahrer greift Fahrgast an

Weil sie sich uneinig über Fahrpreis und Ziel waren, griff ein Taxifahrer einen seiner Fahrgäste an. Das Verfahren wurde gegen Geldauflage vorläufig eingestellt.

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Quelle: Felix Hörhager

Marburg. Eine Attacke gegen einen seiner Fahrgäste mit einem harten Plastiksitz brachte einen Taxifahrer wegen Körperverletzung vor das Amtsgericht.

Im August 2013 transportierte der Kirchhainer in der Nacht drei Männer durch die Marburger Innenstadt. Ein Missverständnis über das Ziel und eine Preiserhöhung führte zu einem ersten Streit zwischen Fahrer und Kunden. Nachdem die drei Fahrgäste in der Marbach erbost den Wagen verlassen hatten, stieg auch der Fahrer aus. Es kam zu einem erneuten, lautstarken Streit.

Dabei holte der 44-jährige Angeklagte aus dem Kofferraum einen Kindersitz mit Hartschale hervor. Damit schlug er laut Anklage einem der Männer mehrmals gegen den Kopf. Ein zufällig vorbeikommender Kollege des Taxifahrers trennte die Männer. Der Geschädigte erlitt eine stark blutende Platzwunde, musste im Krankenhaus behandelt werden.

Der Angeklagte stellte die Umstände anders dar. Er habe sich gegen die aggressiven Fahrgäste nur verteidigt und nicht gezielt zugeschlagen. Er habe die alkoholisierte Gruppe in der Nacht zu ihrem Ziel befördert. Da die Männer jedoch kurzerhand den gewünschten Ort wechselten, erhöhte er den vereinbarten Preis von sieben auf zehn Euro. Die Fahrgäste hätten sich beschwert und ihn mehrfach mit Worten wie „Hurensohn“ beleidigt und bespuckt. „Das war schon heftig“, erklärte er.

"Nur verteidigt"

Nachdem das Trio das Taxi verlassen hatte, warf einer der Männer die Beifahrertür angeblich so heftig zu, dass die Türdichtung beschädigt wurde. Um den Fahrgast „zur Rede zu stellen“, stieg der Angeklagte aus. Der Geschädigte sei sofort auf ihn losgegangen, habe ihn mehrfach geschlagen. Als dessen Freunde eingriffen, habe er Angst bekommen und den Kindersitz aus dem Kofferraum genommen. „Ich wollte mich nur verteidigen“, betonte der Fahrer. Gezielt zugeschlagen habe er mit dem Plastiksitz nicht, die Verletzung des Zeugen erklärte er mit einem Sturz des Angetrunkenen.

Das wies der Geschädigte entschieden zurück. Der Fahrer habe ihn und seine Freunde seinerseits beschimpft und sich aggressiv verhalten. Der Streit habe „sich hochgeschaukelt, es kam zu Schubsereien“. Er sei wütend gewesen, direkt angegriffen hätte er jedoch nicht. Plötzlich spürte er zwei heftige Schläge gegen den Hinterkopf, so der Geschädigte. Erst nachdem der Angreifer wegfuhr, bemerkte er die blutende Wunde.

Im Nachhinein bot der Fahrer dem Mann 250 Euro an, um einem Prozess aus dem Weg zu gehen. Staatsanwalt Dr. Kurt Sippel fragte nach: „Das Opfer zahlt also an den Täter? Das ist unglaubwürdig.“

„Es war heftig, aber nicht ganz so heftig“, so Sippel. Richter Dirk-Uwe Schauß stimmte dem Antrag beider Seiten zu und stellte das Verfahren gegen eine Schmerzensgeldzahlung von 1000 Euro vorläufig ein.

von Ina Tannert

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