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Tauziehen um Partikeltherapie in Marburg

Interview Tauziehen um Partikeltherapie in Marburg

Die Partikeltherapie in Marburg kann in den klinischen Betrieb gehn, sagt die Leiterin der Strahlentherapie in Marburg, Professorin Dr. Rita Engenhart-Cabillic. Sie stellte sich den Fragen in einem Kurzinterview.

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Quelle: Thorsten Richter

Marburg . Erstmals hat sich eine wichtige Vertreterin des UKGM konkret zur Zukunft des Partikeltherapiezentrums geäußert: Im Gespräch mit der OP sagte Professor Engenhart-Cabillic, die Anlage könne nach einer Vorbereitungszeit von gut einem Jahr in Betrieb gehen. Zuvor seien weitere Tests nötig, um die Qualitätssicherung aller Abläufe zu prüfen.
Nach dem Weggang des Strahlenbiologen Professor Jochen Dahm-Daphi hatte es Befürchtungen gegeben, die Personalie sei gleichbedeutend mit dem endgültigen „Aus“ für die Strahlentherapie.
Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) besteht unterdessen darauf, dass die Anlage wie vertraglich vereinbart am 31. Dezember in den klinischen Betrieb geht. Wie schon im OP-Interview von gestern sagte sie am Nachmittag im Wissenschaftsausschuss des Hessischen Landtags, ansonsten werde das Land klagen. Die Grünen-Abgeordnete Angela Dorn fürchtet, dass dies das Ende der Verhandlungen um die Inbetriebnahme der Anlage bedeuten könne. SPD-Mann Dr. Thomas Spies dagegen sagte, die Klageerhebung könne ein weiteres Schritt in Richtung Verhandlungen sein.
Forschungsmittel des Landes seien nicht vorgesehen, um die Inbetriebnahme zu unterstützen, sagte Kühne-Hörmann gestern im Ausschuss.

OP: Wie ist der technische und wissenschaftliche Stand: Kann die Anlage kostendeckend arbeiten?
Professor Rita Engenhart-Cabillic : Der technische und wissenschaftliche Stand in Marburg ist sehr erfreulich. Insgesamt ist der technische Aufwand jedoch gewaltig, weshalb die Technologie bisher nur an wenigen Standorten weltweit zur Verfügung steht. Am Universitätsklinikum in Heidelberg werden seit 3 Jahren Patienten mit der Partikeltherapie erfolgreich behandelt. Die Marburger Anlage ist eine ebenso hochentwickelte Anlage wie die in Heidelberg. Wissenschaftlich wird die Partikeltherapie aufgrund besonderer Eigenschaften als Hoffnungsträger in der Tumortherapie gesehen. Seit fünf Jahren baue ich in Marburg ein Team aus Medizinern, Physikern, Technikern, Biologen und MTA auf.

OP: Wie viele Patienten müssten behandelt werden, damit die Anlage wirtschaftlich arbeitet oder gar Gewinn abwirft?
Engenhart-Cabillic: Wenn man wie ich als Ärztin Krebspatienten behandelt und als Wissenschaftlerin über neue Behandlungsmethoden forscht, ist meine erste Frage naturgemäß nicht die Rentabilität, sondern der Nutzen für den einzelnen Patienten. Aber tatsächlich wird sich auch eine wirkungsvolle Therapie nur durchsetzen, wenn sie kostendeckend erstattet wird. Bedenken Sie: Ein neues Medikament zu entwickeln kann bis zu mehreren 100 Millionen Euro kosten. Die Kosten für eine medikamentöse onkologische Behandlung für bestimmte Patienten belaufen sich auf mehrere 10 000 bis 100 000 Euro. Für die Kostenerstattung der Partikeltherapie werden ganz konkret mit den Kostenträgern neue Wege beschritten. Verhandlungen darüber sind im Gange.

OP : Welchen Stellenwert hat die Anlage für die Stärkung der Onkologie in Marburg und damit des Standorts Marburg?
Engenhart-Cabillic : Wir haben in Marburg bereits hervorragende Ärzte und Wissenschaftler auf dem Gebiet der Onkologie, d.h. der Wissenschaft, die sich mit Krebs befasst. Das ist besonders für unsere Patienten in der Region wichtig. Durch das Partikeltherapiezentrum wird Marburg als wissenschaftlicher Standort noch deutlich attraktiver. Aber auch überregional und weltweit würde der Standort Marburg durch diese neue Behandlungsmethode an Bedeutung gewinnen. Schon jetzt arbeitet in Marburg ein interdisziplinäres Team aus Medizinern, Physikern und Biologen mit hoher wissenschaftlicher Expertise an diesem Thema. Bei der Patientenbehandlung werden alle onkologisch Tätigen (Kliniker und Wissenschaftler) im Rahmen des Comprehensive Cancer Center tätig werden.

OP: Rechnen Sie noch damit, dass die Anlage wie ursprünglich geplant tatsächlich in den Patientenbetrieb geht?
Engenhart-Cabillic: Ja, sicherlich! Mein Team und ich sind sehr optimistisch, dass die Anlage in Marburg in den klinischen Betrieb geht. Wir wissen, dass wir ein großartiges Instrument in die Hand bekommen im Kampf gegen den Krebs. Es wird jedoch auch bei einer positiven Entscheidung gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan eine Verzögerung geben. Die Anlage in Marburg ist technologisch sehr weit fortgeschritten. Die Partikeltherapie ist jedoch ein hoch komplexes Verfahren. Bei der Anwendung am Patienten muss daher die Sicherheit der Technik an oberster Stelle stehen. Vor dem Patientenbetrieb sind daher weitere Tests nötig, die vor allem die Qualitätssicherung aller Abläufe prüfen.Wir rechnen mit einer Vorbereitungszeit von ungefähr  einem Jahr.

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