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Tausend Eichen und Buchen fürs Klima

Pflanzaktion Tausend Eichen und Buchen fürs Klima

Gar nicht so leicht, einen Baum zu pflanzen. Aber mit Anleitung und nach ein paar Versuchen wirkt Finanzminister Dr. Thomas Schäfer bei einer Aktion in Wolferode schon fast selbst wie ein Forstwirt.

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Aus den kleinen Pflänzchen sollen einmal mächtige Eichen und Buchen werden. Bei einer Klimaschutz-Aktion in Wolferode pflanzte Finanzminister Dr. Thomas Schäfer mit Hilfe von Kirchhains Forstamtsleiter Lutz Hofheinz junge Bäume.

Quelle: Nadine Weigel

Wolferode. Der Minister war am Dienstagnachmittag für eine Aktion auf einem mehr als zwei Hektar großen Staatsgrundstück im Forstamtsbezirk Kirchhain angereist, um zu demonstrieren, was die Landesverwaltung tut, um ihre Klimabilanz zu verbessern. Neben der energetischen Sanierung von Regierungsgebäuden funktioniert dies, ganz praktisch, durch das Pflanzen von Bäumen.

1000 junge Eichen und Hainbuchen werden Forstwirte aus der Revierförsterei Wolferode in den kommenden Tagen und Weitere dann noch im Herbst dieses Jahres in die Erde bringen. Vorbereitungen für eine Holzernte, die erst in 100 bis 200 Jahren stattfinden wird, für das Klima aber ab sofort von Nutzen ist.

Forstwirt schafft bis zu 38 Bäumchen pro Stunde

Zum Auftakt greift Dr. Thomas Schäfer selbst zum Hohlspaten. Zwei tiefe Stiche in den Erdboden, dann das kegelförmige Stück aus Gras und Erde entnehmen, die 20 bis 30 Zentimeter lange Pfahlwurzel des jungen Bäumchens in das Erdloch stecken und den Erdkegel wieder einsetzen. Gründlich festtreten und fertig. Klingt einfach. Ist es auch, wenn man so viel Übung hat wie der Forstwirt Uwe Schmeck. Er schafft bis zu 38 Bäumchen pro Stunde.

Ganz so flott geht es freilich noch nicht, wenn Minister Schäfer am Spaten steht, aber nachdem er einige der Pflanzen in die Erde gebracht hat, geht ihm die Arbeit zusehends leichter von der Hand. Und dann hat er es auch schon geschafft. Den großen Rest übernehmen die Fachleute. Und so kommt Schäfer zu dem Ergebnis: „Das war ganz erträglich.“

Die Landesregierung setzt ihre Klimaschutzziele um – Hessens Wald hilft dabei. „Mit dem Projekt der CO2-neutralen Landesverwaltung wollen wir es schaffen, bis zum Jahr 2030 klimaneutral zu arbeiten“, führt Schäfer aus.
Dieses Ziel will das Land durch die Minimierung von klimaschädlichen Emissionen, dem Austausch fossiler Energieträger durch erneuerbare Energie­quellen und dem Ausgleich unvermeidbarer Emissionen durch Klimaschutzprojekte wie Aufforstung erreichen.

CO2-Fußabdruck des Landes schrumpft um die Hälfte

Das Projekt der CO2-neutralen Verwaltung ist federführend beim Finanzministerium angesiedelt. Schäfer macht deutlich, dass das Land durch regionale Projekte wie in Wolferode das Thema Klimaschutz für die Bürger greifbar machen wolle. „Wir möchten ein Bewusstsein dafür schaffen, dass unsere natürlichen Ressourcen begrenzt und wertvoll sind. Auch im Interesse kommender Generationen sollten wir sparsam damit umgehen.“

Auf die klimaneutral wirtschaftende Verwaltung arbeitet das Land seit 2008 hin. Den CO2-Ausstoß reduzieren – dies gelingt vornehmlich durch neue Fahrzeuge und energetisch sanierte Gebäude. „Wir haben die Emissionen der Landesverwaltung seither bereits um etwa die  Hälfte gesenkt“, bilanziert Schäfer und berichtet von anfänglich fast 500.000 Tonnen jährlich. Der CO2-Fußabdruck der Landesverwaltung 2014: noch 242.225 Tonnen. „Das spornt uns an“, sagt der Minister, der heute gemeinsam mit Umweltministerin Priska Hinz die CO2-Bilanz des Landes vorstellen wird.

Der größte Anteil der Emissionen – rund 60 Prozent – geht dabei auf die Wärmeversorgung der rund 2000 Landesliegenschaften zurück. „Dabei haben wir 2014 im Vergleich zu 2013 eine deutliche Reduktion des CO2-Ausstoßes von rund 14 Prozent erzielt – von 162.000 Tonnen CO2 auf rund 138.000 Tonnen“, freut sich Schäfer.  Dazu beigetragen habe – neben der milden Witterung – das 2012 gestartete CO2-Minderungs- und Effizienzprogramm der Landesregierung, kurz COME genannt. Es ist mit 160 Millionen Euro ausgestattet und läuft bis zum Jahr 2017.

 
Hintergrund

Für den Klimaschutz spielt der Wald eine entscheidende Rolle. Denn ohne menschliches Zutun – allein durch Photosynthese – entziehen Wälder der Atmosphäre CO2. Beim Wachsen binden sie im Holz den Kohlenstoff (C) und setzen Sauerstoff (O2) wieder frei.

Die Speicherung verlängert sich sogar über das Lebensalter des Baumes hinaus, wenn das Holz zum Beispiel beim Bauen oder für Möbel verwendet wird. Durch die nachhaltige Nutzung von Holz kann zudem auf andere, klimaschädliche Rohstoffe, wie etwa Plastik oder Aluminium verzichtet werden. Vor allem bei der Wärmegewinnung wird deutlich: Brennholz setzt CO2 frei, das vor einigen Jahrzehnten im Baum gebunden wurde. Heizöl hingegen setzt CO2 frei, das vor Jahrmillionen gespeichert wurde. Der Rohstoff wird im Gegensatz zu Holz verbraucht, ohne nachzuwachsen. Es findet zudem keine Speicherung des bei der Verbrennung freigesetzten Kohlendioxids statt.

Doch nicht nur in Hinblick auf den Ausgleich von CO2-Emissionen und Ressourcen­verbrauch, sondern auch durch weitere Effekte wirken sich Bäume positiv auf die Umwelt aus. Sie säubern als natürlicher Filter die Luft, und größere Waldflächen halten wie eine Schallschutzwand den Lärm von Siedlungen ab.

von Carina Becker

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