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Tatgeschehen bleibt im Unklaren

Prozess wegen Messerstecherei Tatgeschehen bleibt im Unklaren

Die Aussagen von mehreren Augenzeugen und Beteiligten der Schlägerei, die im Oktober 2014 am Schuhmarkt zum Tod eines Studenten führte, wurden gestern vor dem Landgericht gehört.

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Der Angeklagte (Zweiter von rechts) mit seinen Verteidigern Sascha Marks (von rechts), Axel Wöller und Wolfgang Burghardt.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Im Mittelpunkt des zweiten Prozesstages standen die Aussagen von zwei Freunden des 27-jährigen Angeklagten.

Beide hatten sich am Morgen des 12. Oktober 2014 im Anschluss an separate Feiern mit ihm in einem Nachtclub in der Marburger Oberstadt getroffen. Nach der Schließung dieses Lokals gegen 5.40 Uhr kam es direkt vor dem Gebäude zu dem folgenschweren Aufeinandertreffen dieses Trios mit einer Gruppe von acht jungen Männern, die zuvor auch in dem Lokal Geburtstag gefeiert hatten. „Am Ausgang kam diese Gruppe auf uns zu“, sagte der 23-jährige Student als Zeuge aus. Ebenso wie der mit ihm befreundete Angeklagte gehörte er zu einer Studentenverbindung und trug einen Anzug. Ein Mitglied der anderen Gruppe habe dem Angeklagten das Einstecktuch aus der Sakko-Tasche gezogen, und damit habe ein Handgemenge begonnen, sagte der Zeuge. Auch der Dritte aus dem Trio sei dann in die Schlägerei verwickelt worden, so dass er ihm habe zu Hilfe kommen wollen. Schließlich sei dieser aber von den deutlich in der Überzahl befindlichen Gegner bewusstlos geschlagen worden, und er habe sich um ihn gekümmert.

In diesem Moment habe er nicht genau beobachten können, wie sich die rund zehn Meter davon entfernte Auseinandersetzung zwischen dem Angeklagten und dem späteren Opfer abgespielt habe.

So habe er nicht genau gesehen, welche Rolle ein an einer Stange befestigtes mobiles Verkehrsschild spielte, mit dem der Angeklagte seiner Aussage zufolge zunächst von dem Opfer attackiert worden sein soll. Auch die Tatwaffe - ein Messer, mit dem ein zum Tod führender Stich ins Herz eines 20-jährigen Studenten ausgeführt wurde, habe er zu keinem Zeitpunkt gesehen.

Mit zu dem ungenauen Erinnerungsvermögen führte wohl auch, dass alle Beteiligten des Streits am frühen Morgen des 12. Oktober 2014 stark alkoholisiert waren. So gab der zweite Bekannte des Angeklagten - ein 23-jähriger Student - an, er habe sich in dieser Nacht mindestens zweimal übergeben müssen. Mindestens 15 bis 20 Bier (zu je mindestens 0,33 Liter) sowie wahrscheinlich jeweils fünf Gin Tonic und fünf Wodka/Energy-Drinks habe er zum Zeitpunkt der Auseinandersetzung bereits intus gehabt, sagte dieser Zeuge.

Situation insgesamt als bedrohlich empfunden

In Erinnerung sei ihm aber noch, dass der Angeklagte ihm noch in dem Lokal aus Versehen sein Messer gezeigt habe, als er eigentlich nach einem Feuerzeug gefragt habe.

Zudem berichtete er vor dem Gericht, dass er die Situation insgesamt als bedrohlich empfunden habe. Bei der Schlägerei mit der anderen Gruppe habe er durch Schläge und Tritte Verletzungen davongetragen.

Wenig Licht in das Geschehen brachten die Aussagen von zwei nicht an dem Streit beteiligten jungen Männern, die auch gerade das Lokal verlassen hatten. Im Gegensatz zu diesen nach eigenen Angaben zum Tatzeitpunkt ebenfalls sehr betrunkenen Augenzeugen erinnerte sich eine Bekannte des Duos an mehr Einzelheiten. Die 24-jährige Studentin sagte, dass die beiden Männer im Anzug von denen aus der anderen Gruppe angepöbelt worden seien und dass der Streit von der Lautstärke und dem Tonfall her bedrohlich gewirkt habe. Aus sicherer Entfernung von rund 30 Metern sah sie dann, wie der Streit schnell eskalierte.

Die entscheidende Szene, die dann zum Tod eines 20-jährigen Studenten führte, beschrieb sie so: „Ich glaube, dass sie sich geschubst haben“. Dann hat sich jemand an dem mobilen Verkehrsschild festgehalten und es sei umgefallen. Jedoch habe sie weder ein Messer gesehen, noch eine Bewegung wie einen Messerstich gesehen. Hauptsächlich habe sie „dunkle Gestalten“ gesehen.

Die Verhandlung wird am Montag, 12. Oktober, im Saal 101 des Marburger Landgerichts um 9 Uhr fortgesetzt.

von Manfred Hitzeroth

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