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Tat-Motiv: „Er hat mich blöd angeguckt“

Urteil: Bewährung Tat-Motiv: „Er hat mich blöd angeguckt“

Weil er ohne ersichtlichen Grund einen Mitarbeiter der Müllabfuhr angegriffen und einen schweren Stein nach ihm geworfen hatte, stand ein junger Marburger wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht.

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Ein einschlägig vorbestrafter 22-jähriger Gewalttäter hat noch einmal Bewährung erhalten.

Quelle: Archiv

Marburg. Im Dezember vergangenen Jahres traf der 22-jährige Mann vor seinem Wohnhaus in Marburg auf zwei Mitarbeiter der städtischen Müllabfuhr.

Nachdem ihn einer der beiden seiner Meinung nach „provozierend anschaute“, sprach er den Mann an, es kam zum Streit. Aggressiv begann der Jüngere sein Gegenüber zu beleidigen, stieß ihm mehrmals gegen die Brust. Der Angesprochene schubste zurück, es entwickelte sich eine anhaltende Rangelei. Nach einigem Hin und Her ergriff der aufgebrachte Angeklagte einen schweren Pflasterstein von einem nahen Geröllhaufen. Mit einiger Kraft warf er das Geschoss nach dem wenige Meter entfernt stehenden Mann, traf ihn mit voller Wucht in den Rücken. Nachdem der Getroffene angekündigt hatte, die Polizei zu rufen, suchte der Angeklagte das Weite, nicht ohne den anderen noch einmal anzuspucken.

Angeklagter will in Notwehr gehandelt haben

Letzteres wie auch den Angriff mit dem Stein gab der 22-Jährige während der Verhandlung zu. „Er hat mich blöd angeguckt“, versuchte der Mann seinen Ausraster zu erklären. Als Grund für sein Handeln nannte er jedoch Notwehr.

Die Auseinandersetzung ausgelöst habe letztendlich der Geschädigte, „Er hat mich getreten und geschlagen“, betonte der Beschuldigte. Nachdem er versucht hatte, aus der angespannten Situation zu entkommen, lief ihm der andere Mann provozierend hinterher, bis er sich bedroht fühlte und den Stein warf.

Den Verlauf der Auseinandersetzung stellte der Geschädigte ganz anders dar. Der aggressive jüngere Mann sei „vollkommen ausgeflippt“, ging grundlos auf ihn los, gab der Zeuge an. Seine Angriffe wehrte er ab, schlug angeblich nicht zurück. Lediglich durch eine schnelle Drehung habe er den schweren Stein „nur“ gegen den Rücken bekommen und schlimmere Verletzungen verhindert, betonte der Geschädigte.

Der Angeklagte fühlte sich hingegen von dem älteren Mann auf bedrohliche Weise verfolgt, wollte ihn mit dem Steinwurf vertreiben. „Ich hatte Angst und wusste nicht weiter“, betonte der Beschuldigte. Dies nahm ihm Staatsanwalt Jürgen Noll nicht ab: „Sie haben doch angefangen und sind hier nicht der arme Geknechtete“, warf der Anklagevertreter dem Mann vor. Die Zweifel an dessen Aussage wurden von dem Vorstrafenregister des jungen Mannes noch vertieft.

Zum Tatzeitpunkt stand der 22-Jährige unter laufender Bewährung, wurde in der Vergangenheit wegen einschlägiger Taten, unter anderem wegen Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung, verurteilt und saß bereits mehrere Jugendarreste und Haftstrafen ab.

Staatsanwalt: Steinwurf in keiner Weise gerechtfertigt

Ende 2012 wurde er zuletzt entlassen, verbüßte den Rest der Strafe als Bewährung.

Welcher der beiden Männer den jüngsten Streit provoziert hatte, konnte nicht eindeutig vor Gericht geklärt werden, verschiedene Zeugen benannten den ein oder anderen Mann als Aggressor des Ganzen, „beide wirkten aggressiv“. Der Angriff mit dem schweren Stein als Hauptvorwurf sowie die „Spuckattacke“ bestätigte sich hingegen.

Die grundlose Eskalation wäre leicht zu verhindern gewesen, „man hätte einfach aneinander vorbeigehen können“, betonte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Eine Notwehrsituation habe nicht vorgelegen, „für diesen Steinwurf gab es keine Rechtfertigung“, betonte Noll und sprach sich für eine Haftstrafe ohne weitere Bewährung aus.

Der aufbrausende Angeklagte war an diesem Tag sicherlich „auf Krawall gebürstet“, die bedrohliche Situation habe der Geschädigte jedoch durch die Verfolgung ebenfalls mitverantwortet, gab Verteidiger Thomas Strecker zu bedenken. Zudem habe sich sein Mandant in den vorangegangenen zwei Jahren nichts zuschulden kommen lassen und befände sich auf einem guten Weg.

Dies sah Richterin Dr. Antonia Alles ähnlich und gestand dem Angeklagten eine weitere Bewährungsstrafe zu. Eine Notwehrlage schloss die Richterin aus, der Geschädigte habe sich lediglich verteidigt, trage jedoch gleichfalls eine Mitschuld an der aufgeheizten Situation. „Sie tragen eine hohe kriminelle Energie in sich“, warnte sie den Angeklagten eindringlich, seine Wut „in den Griff“ zu bekommen und sagte: „Das soll die allerletzte Warnung sein.“

von Ina Tannert

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