Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Tanz-Demo gegen Gewalt an Frauen

One Billion Rising Tanz-Demo gegen Gewalt an Frauen

Tanzen, lachen, klatschen: Der Protest gegen Gewalt an Frauen ist bunt, friedlich, laut. Und vor allem weltweit: In Marburg nahmen gestern Nachmittag mehr als 150 Menschen an einer Tanz-Demo teil.

Voriger Artikel
Der Bürgermeister fährt Mercedes
Nächster Artikel
„Bei gutem Willen ist viel möglich“

Evelyn Mahla tanzte vor, und viele Marburgerinnen taten es ihr nach. Zur internationalen Tanz-Demo gegen Gewalt an Frauen waren Frauen und Kinder, aber auch einige Männer aus ganz unterschiedlichen Kulturen und Religionen zum Elisabeth-Blochmann-Platz gekommen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Es hätten etwas mehr Teilnehmer sein dürfen, sagt Christa Winter, Leiterin des Gleichberechtigungsreferats der Stadt Marburg. Dass die Tanz-Demo nicht auf dem Marktplatz, sondern diesmal auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz stattfand, hatte praktische Gründe. „Wir wollten einen barrierefreien Ort haben, damit auch Rollstuhlfahrer teilnehmen können.“

Insgesamt versammelten sich gestern Nachmittag mehr als 150 Menschen, darunter nur wenige Männer, um ein Zeichen zu setzen. Gründe für die Aktion gibt es viele, genau genommen Statistiken, wie die Veranstalter in Marburg und andernorts erklärten.

Hunderte Marburger tanzten am Sonntag gegen Gewalt gegen Frauen. Foto: Nadine Weigel

Zur Bildergalerie

Studien ergaben zum Beispiel, dass jede dritte Frau seit ihrem 15. Lebensjahr sexuelle und/oder körperliche Gewalt erfahren hat. Das sind weltweit insgesamt mehr als eine Milliarde (englisch: Billion) Frauen.

Um auf diese Daten aufmerksam zu machen, wurde in den USA von der Feministin und Schriftstellerin Eve Ensler die Kampagne „One Billion Rising“ ins Leben gerufen. Die Stadt Marburg beteiligt sich an der Kampagne – bereits zum vierten Mal. Zur internationalen Kampagnen-Hymne „Spreng die Ketten“ gibt es eine eigene Choreografie, die die Marburger Fitnesstrainerin Evelyn Mahla den Teilnehmern in vereinfachter Form gestern beibrachte.

Tanztherapeutin Astrid Kolter zeigte mit einer Gruppe die Choreografie für Fortgeschrittene. Und am Ende bewegten sich alle zusammen – zur flotten Musik. Es ging nicht um den richtigen Rhythmus, die perfekte Show, sondern um das Motto: „Streikt - Tanzt - Erhebt euch!“

Kahle: Rechtspopulisten nutzen das Thema aus

Ingrid Lee von der Menschenrechtsgruppe „Terre des Femmes“, Ortsgruppe Marburg, fordert auch Zeichen von der Politik, um Frauen besser vor Gewalt zu schützen. Um Mädchen vor Zwangsverheiratung zu schützen, sollte es für die Ehe ein Mindestalter von 18 Jahren geben. Das Problem sei die Dunkelziffer, auch in Deutschland gebe es religiöse Ehen, bei denen Mädchen zwangsverheiratet werden, sagte sie. Katharina Nickel vom Frauennotruf
betonte, dass Täter in den meisten Fällen Lebenspartner oder männliche Familienmitglieder seien.

„Gewalt gegen Frauen findet am häufigsten in den eigenen vier Wänden statt“, sagte sie. Nach den Angriffen auf Frauen in Köln in der Silvesternacht blicke die Öffentlichkeit mehr auf das Thema Gewalt auf der Straße, sagte Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach. Doch auch sie betonte, dass die häusliche Gewalt nach wie vor am häufigsten vorkomme. Bürgermeister Dr. Franz Kahle kritisierte, dass rechtspopulistische Gruppen das Thema aufgriffen, um fremdenfeindliche Stimmungen in die Gesellschaft zu bringen.

Die Tanz-Demo sollte auch die Botschaft vermitteln, dass Frauenrechte in jeder Kultur gelten sollen. So verlasen mehrere Frauen den Satz „Wir wollen ein gewaltfreies Leben für alle: immer und überall“ in verschiedenen Sprachen. Fatma Baysal, Mitglied eines türkischen Frauenvereins und gläubige Muslima, betonte im OP-Gespräch, dass keine Religion Gewalt akzeptiere.

von Anna  Ntemiris

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr