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Tandem-Rundfahrt zum Auftakt

Louis-Braille-Festival Tandem-Rundfahrt zum Auftakt

Eine lange Schlange bildet sich am Freitagmittag vor dem Festivalbüro, wo die Gäste des Louis-Braille-Festivals sich ihre Teilnahmepässe abholen. Im Stadion verkürzt Musik das Warten auf den Beginn.

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Die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung Verena Bentele und Bürgermeister Dr. Franz Kahle bildeten ein Tandem bei der Sternfahrt zum Auftakt des Louis-Braille-Festes.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Getreu dem Veranstaltungsmotto „In Bewegung“ fordert Moderator André Tolzmann die Besucher auf: „Bewegt Euch, tanzt mit.“ Doch seinem Wunsch folgt kaum jemand, allerdings brandet immer wieder Applaus auf für das Musikerduo „Harry Collin & Petti West“, die „Musik für die Seele“ bieten.

Einige Festgäste nutzen hingegen bereits das breitgefächerte Angebot des „Markts der Möglichkeiten“, wie die stark sehbehinderte Isabella Strobel aus Herbolzheim an der Jagst, die bei Stephanie Syre-Merkel beginnt, ein Bild zu malen. Die Leiterin des Kunstateliers an der Blindenstudienanstalt (Blista) will den Festteilnehmern die Möglichkeit bieten, ertastbare Bilder mit Materialien aus der Natur zu gestalten. „Durch Fühlen, Riechen und Tasten sollen blinde Menschen Farben erklärt bekommen“, sagt die Kursleiterin.

Das größtes europäisches Festival für blinde und sehbehinderte Menschen wurde am Freitag im Gaßmann-Stadion in Marburg eröffnet

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Um Punkt 14.30 Uhr ist es so weit: Ein Tross von mehr als 50 Tandems, besetzt jeweils mit 
einem sehbehinderten und 
einem nicht sehbehinderten Piloten, hat vor den Toren des Georg-Gaßmann-Stadions Aufstellung genommen – die Teilnehmer der Sternfahrt kommen aus ganz Deutschland sowie aus Ländern wie Estland, Luxemburg und Russland. Ihre Ehrenrunde rund um das Stadion läutet das dreitägige Louis-Braille-Festival ein, das alle vier Jahre stattfindet und als das größte europäische Festival für blinde und sehbehinderte Menschen, ihre Familien, Freunde und 
Bekannten gilt.

Bürgermeister Kahle überzeugt als Co-Pilot

Prominenteste Tandem-Pilotin ist Verena Bentele, Behindertenbeauftragte der Bundesregierung und Rekord-Paralympics-Gewinnerin. Sie freut sich, „mal wieder durch Straßen zu fahren, die ich Jahrzehnte nicht besucht habe“. Die 34-Jährige gebürtige Lindauerin hat vor 15 Jahren an der Carl-Strehl-Schule ihre Abiturprüfung abgelegt.

Und Bentele lobt auch ihren Co-Piloten, Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne). Tandem-Fahren könne dieser wunderbar – obwohl dies für den bekennenden Radfahrer eine Premiere war, wie er zugibt. Gleichzeitig attestiert er Bentele, dass sie „an Motorkraft“ nichts vermissen ließe – anspielend auf die Tatsache, dass die Sportlerin per Fahrrad die 540 Kilometer zwischen Oslo und Trondheim nonstop in 23 Stunden gemeistert hat. Und es gebe in Marburg keinen besseren Anlass, für einen Stau zu sorgen, als mit dieser Tandem-Rundfahrt, fügt Kahle noch hinzu.

Tandem-Piloten zeigten: „Gemeinsam geht alles“, sagt Dr. Thomas Nicolai vom Verein Tandem-Hilfen, der die Sternfahrt ausgerichtet hat. Tandem-Piloten seien die besten Botschafter für Inklusion. Eine von ihnen ist die Russin Natalia Pisarenko, die einen bewegenden Appell an die Festteilnehmer richtet: „Ich wünsche mir, dass zwischen unseren Ländern wieder Freundschaft entsteht.“

DBSV-Vizepräsident: „Marburg soll erbeben“

Den offiziellen Startschuss gibt Hans-Werner Lange, Vizepräsident des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV), der gemeinsam mit der Blista das Festival ausrichtet. Und die Blista, die vor 100 Jahren gegründet wurde, sei auch der Grund, das Louis-Braille-Festival diesmal in Marburg stattfinden zu lassen. Drei Jahre intensivster Arbeit seien vorausgegangen.

„Wie ich gehört habe, soll kurz vorher der letzte Hammer gefallen sein“, berichtet Lange und ruft den Festgästen zu: „Marburg soll erbeben“. Für dieses Beben kündigt er rund 3000 Teilnehmer an. Einer von ihnen ist Tom Erdel 
aus Luxemburg. Er leitet das Medienzentrum im dortigen Blindenzentrum, das eng mit der Blista kooperiert. Erdel besucht erstmals ein Louis-Braille-Festival. Ihn reizt die große 
Vielfalt des Angebots. „Davon will ich so viel aufnehmen, wie geht“, sagt er. Und ihn reizt 
Marburg, „denn hier ist ja alles barrierefrei zu erreichen“.

von Michael Arndt

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