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Tagung behandelt Psychiatrie im Wandel

Psychiatrietage Tagung behandelt Psychiatrie im Wandel

Drei Veranstaltungsorte - drei Themenschwerpunkte: Unter dem Titel „Psychiatrie im Wandel“ finden vom 10. bis 12. Mai die Psychiatrietage in Marburg, Stadtallendorf und Biedenkopf statt.

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Die Organisatoren Ortwin Schäfer (von links, Justine Schindler, Christof Happel, Anette Schuchhardt, Thomas Dimroth, Ulrich Schu und Dr. Siegfried Scharmann stellten das Programm der zehnten Psychiatrietage vor. Foto: Ina Tannert

Marburg. In verschiedenen Vorträgen und Workshops werden an drei Tagen gut ein Dutzend Referenten den aktuellen Forschungsstand beleuchten sowie Rück- und Ausblicke über die Entwicklung der Psychotherapie geben.

Als einen prominenten Redner konnten die Organisatoren beispielsweise Dr. Thomas Bock, den Leiter der Ambulanz für Psychosen und bipolare Störungen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, gewinnen. Er wird über anthropologische Aspekte, therapeutische Konsequenzen und einen besonderen Zugang zur Krankheit sprechen.

Der Referent richtet den Blick auf den Sinn der Erkrankung, sieht in Psychosen ein menschliches Phänomen und spricht sich dafür aus, diese im Einzelnen und Besonderen zu verstehen - und dabei Gesundes im Kranken zu entdecken.

Den Auftakt der mittlerweile zehnten Psychiatrietage bildet am Dienstag, 10. Mai, in der Stadtallendorfer Stadthalle, das Thema „Interkulturelle Vielfalt in der Sozialpsychiatrie“.

Vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise widmen sich die Referenten ebenfalls der Frage nach neuen Herausforderungen und dem Umgang mit Menschen, die vielleicht aus einer Kultur stammen, die psychische Erkrankungen stigmatisiert, unterdrückt und die Schuld bei den Erkrankten sucht.

Nicht zuletzt wollen die Veranstalter auch mit verbreiteten Klischees von Therapieeinrichtungen aufräumen: Etwa, dass auffällige Kranke in die nötige Behandlung gezwungen, medikamentös ruhiggestellt „und allesamt in Handschellen abgeführt und weggesperrt werden“, beschreibt Oberarzt Dr. Siegfried Scharmann von der Vitos Klinik. Dabei setzten Kliniken heute nicht mehr nur auf Medikamente, sondern richten den Fokus vermehrt auf die Möglichkeiten der Psychotherapie sowie eine therapeutisch sinnvolle Unterbringung innerhalb der Gesellschaft, erläutert der Psychiater.

Umgang mit psychisch Kranken auf Augenhöhe

Am Mittwoch, 11. Mai, geht es im Tagungszentrum des Landkreises in Marburg weiter. Dort lautet das Thema ab 9.30 Uhr „Psychiatrie im Wandel“ und die Auseinandersetzung mit Kernthemen der psychiatrischen Behandlung. Darunter fallen etwa die Umsetzung neuer Therapieformen, akute und chronische Erkrankungen, die Reform der Verhaltenstherapie, der Umgang mit psychisch Kranken auf Augenhöhe oder Unterstützungsmöglichkeiten für Angehörige.

Während der Tagung berichten Experten über unterschiedliche stationäre und ambulante Therapieformen, soziale oder biologische Ursachen psychischer Erkrankungen. Ebenso werden Krankheitsmodelle oder die Entwicklung der Verhaltenstherapie, die verstärkt den Blick auf Gedanken und Gefühle Erkrankter richtet, thematisiert, erklärt Mit-Organisator Thomas Dimroth von der Bürgerinitiative Sozialpsychiatrie.

In Biedenkopf geht es am Donnerstag, 12. Mai, im Bürgerhaus ab 18 Uhr unter dem Thema „Und wer hört mich an?“ um die Unterstützungsmöglichkeiten für Angehörige psychisch kranker Menschen.

Denn sie haben einerseits ­eine wichtige therapeutische Mit­wirkung und Unterstützung. Andererseits sind sie auch Belastungen und Problemen im Umgang mit psychisch kranken Familienmitgliedern ausgesetzt.

Thema soll in Öffentlichkeit verankert werden

Auch geht es während der Psychiatrietage um die nötige Unterstützung seitens der behandelnden Einrichtungen. Für einen gegenseitigen Austausch soll während der Tagung eine „Angehörigengruppe Hinterland“ gegründet werden.

Die Psychiatrietage richten sich an interessierte Bürger, Betroffene, Angehörige und Fachleute. „Wir wollen das Thema psychische Erkrankungen stärker in die Öffentlichkeit bringen, informieren und aufklären“, sagt Mit-Organisator Ortwin Schäfer von der Bürgerinitiative Sozialpsychiatrie.

Alle zwei Jahre wird die Tagung von Trägern der regionalen psychiatrischen und sozial-psychiatrischen Versorgung gemeinsam organisiert.

Veranstalter sind die Marburger Vitos Klinik, die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des UKGM, das Gesundheitsamt des Landkreises, die Bürgerinitiative Sozialpsychiatrie, das Psychosoziale Zentrum LOK Stadtallendorf, die Vereine Soziale Hilfe Marburg, Ex-In Hessen, die BZ Therapie-, Wohn- und Pflegegruppen GmbH Steffenberg, das Wohn- und Pflegeheim Sonnenpark Gladenbach und das Hofgut für psychisch kranke Erwachsene „Merjehop“.

Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist kostenpflichtig. Weitere Informationen ­unter www.psychiatrietage-marburg-biedenkopf.de

von Ina Tannert

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