Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Tafel ächzt unter Mini-Einnahmen

Soziales Tafel ächzt unter Mini-Einnahmen

Die Marburger Tafel beschließt auf der Jahreshauptversammlung Preiserhöhungen, berät über weitere mögliche Kostensenkungen und Strategien für die Zukunft.

Voriger Artikel
Mediziner entlarven neue Allergien
Nächster Artikel
Von der Lochkarte bis zur Netz-Serviceeinheit

Der neu gewählte Vorstand der Tafel: Waltraud Andres (v. l.), Renate Bölts-Dettmann, Waltraud Dorn, Rita Vaupel, Hartmut Honus, Klaus Schellenberg, Katharina Hertlein, Anneliese Knierim und Florian Berlinger. Foto: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Knapp dreieinhalb Stunden dauerte die Jahreshauptversammlung der Marburger Tafel, an der 62 Leute im Afföllergemeindehaus teilnahmen. Am Ende war, trotz einiger Diskussionen, die Erhöhung des Verwaltungskostenbeitrags, den die Kunden für ihr Essenskörbchen zahlen müssen, mit 41 Ja- und 15 Nein-Stimmen angenommen.

Ab 1. Juni hat jeder Erwachsene zwei statt bisher einen Euro zu zahlen. Am umstrittensten war, dass künftig, mit Ausnahme der reinen Kindertafel in Stadtallendorf, auch für die Kinder ein Beitrag erhoben wird. Allerdings bleibt dieser sehr moderat: ein Euro unabhängig von der Kinderzahl. Ob zu einer Familie ein oder elf Kinder gehören und entsprechend viele Körbchen mitgenommen werden, kostet dies maximal fünf Euro.

Der Vorstand, erklärte die Vorsitzende Rita Vaupel, hatte nach Gesprächen mit anderen Tafeln und Vergleichen der Zahlen tags zuvor außerordentlich getagt und den Erhöhungsantrag nochmals abgeändert. „Wir schreiben Verluste, können uns nicht mehr so auf Sponsoren stützen und brauchen solide Einnahmen. Durch die Vergrößerung der Tafel ist der Kostenaufwand gestiegen, derzeit besonders für Autoreparaturen. Ausgabestellen möchte ich keine schließen, sonst müssten die Kunden wie früher wieder nach Marburg kommen und hätten Fahrtkosten zu tragen“, begründete Vaupel den Antrag.

Wie aus dem Bericht von Schatzmeisterin Anneliese Knierim hervorging, belaufen sich die jährlichen Fehleinnahmen auf etwa 33000 Euro. Die beschlossene Erhöhung soll voraussichtlich 40000 Euro einbringen. Erich Lindner, Ländervertreter der hessischen Tafeln, sagte, dass lediglich noch bei drei Tafeln in Hessen nur ein Euro genommen werde. Dass künftig die Kinder an fast allen Ausgabestellen auch zahlen müssen, fand er aber „nicht schön“.

Die Vorstandsmitglieder wiesen darauf hin, dass die Kinder in Stadtallendorf weiter nichts zahlen müssen. Das liege auch an der besonderen Entwicklung dort, der kommunalen Unterstützung und besonders großen Spendenbereitschaft vor Ort für die Kindertafel.

Diese werde aber wegfallen, falls die Kinder etwas zahlen müssten. Allerdings enthielten diese speziellen Kinderkörbchen auch weniger, während die Kinder an den anderen Ausgabestellen normale Erwachsenenkörbchen bekommen.

Fragen nach Möglichkeiten zur Kostensenkung waren zuvor auch gestellt worden, insbesondere die etwa 50000 Euro Personalkosten waren Gegenstand der Kritik. Früher war auch die Büroarbeit ehrenamtlich erledigt worden, aber auch da, als deren Umfang noch geringer war, seien immer wieder Fehler vorgekommen, die sie habe ausbügeln müssen, erklärte Vaupel. „Das kann und will ich nicht mehr, davon mache ich auch meine Kandidatur abhängig. Und die Menschen, die bei uns Arbeit gefunden haben, die möchte ich nicht auf die Straße setzen, denn Aufgabe der Tafel ist es, Menschen zu integrieren“, stellte sie klar. Außerdem gebe es Kunden, die „uns vereinnahmen oder hintergehen wollen. Damit müssen sich die hauptamtlichen Mitarbeiter auch befassen. Ich möchte auf die Bürokräfte nicht verzichten“, schloss sie.

In ihrem Bericht hatte die Vorsitzende die aktuellen Zahlen genannt. Zurzeit werden 1410 bedürftige Personen in Marburg, Kirchhain, Gladenbach und Wetter sowie Stadtallendorf versorgt. Davon sind 510 Kinder inklusive der 105 in Stadtallendorf. Die tägliche Arbeit verrichten die 213 ehrenamtlichen Mitarbeiter unter den 328 Mitgliedern sowie die zwei hauptamtlichen und zwei sogenannte Bürgerarbeiter.

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr