Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Szenen wie aus einem Katastrophenfilm

Landkreis probt Viren-Ernstfall Szenen wie aus einem Katastrophenfilm

Großeinsatz bei Mölln: Mehrere Stunden dauerte am Samstag die Notfallübung des Gesundheitsamtes mit Szenen, die man aus Katastrophenfilmen kennt. Das Fazit der Verantwortlichen fiel positiv aus.

Voriger Artikel
Zuhören kann Erste Hilfe sein
Nächster Artikel
Auch Eisenacher feiern die Vielfalt

Die Feuerwehren waren schnell vor Ort. Als feststeht, dass ein Mensch an Ebola erkrankt sein könnte, übernehmen Experten des Gesundheitsamtes in Seuchenschutzanzügen die Regie.
 Fotos: Michael Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Heskem. Es ist neun Uhr am Samstagmorgen, ein trüber, grauer Tag, es regnet. Dann plötzlich ein Notruf: Ein Spaziergänger ist zusammengebrochen, schwach, fiebrig, kaum noch ansprechbar. Ein Gerücht macht die Runde - es gab einen Unfall in einem Biolabor. Ein Großeinsatz von Feuerwehr und Rettungsdienst wird eingeleitet. Der Krisenstab tritt auf den Plan, stellt fest, es ist Ebola. Patient Null ist hochansteckend, das Virus droht sich in der Bevölkerung auszubreiten...

Was wie ein Schreckensszenario aus einem Katastrophenfilm klingt, passiert am Samstag als fiktive Seuchenschutzübung. Über Stunden hinweg sind Feuerwehr, Rettungsdienste, Kreisverwaltung und Ärzte im Einsatz, um eine mögliche Epidemie zu verhindern.

Ziel der Übung war, die Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsamt, Feuerwehr und Rettungsdiensten zu testen. Für einen solchen Fall gibt es den sogenannten Gentechnik-Notfallplan. Um den tatsächlichen Ablauf zu prüfen, spielte der Landkreis den Ernstfall nach. „Der Notfallplan ist erst einmal nur Theorie - wir wollten die mögliche Praxis testen“, erklärte Kreisbrandinspektor Lars Schäfer.

Katastrophenschutzübung Ebsdorfergrund-Heskem, UKGM - 01.Oktober 2016 : Foto / Michael Hoffsteter

Zur Bildergalerie

Die filmreife Szenerie an diesem Tag: Nach dem Kontakt mit einem genveränderten Virus zeigt ein Labormitarbeiter typische Krankheitssymptome. Er hielt sich zudem vor Kurzem in Westafrika auf, in einer Region, in der die Ebola-Seuche wütete. Passanten finden den fast bewusstlosen Patienten in der Nähe der Rettungswache bei Heskem. Der dort stationierte Einsatzwagen ist zu diesem Zeitpunkt nicht vor Ort, die Ersthelfer verständigen die 112. Notärzte überprüfen die Symptome, potentielle Infektionen und Vorgeschichte von Patient Null. Der leitende Notarzt Dr. Martin Sassen stellt Anzeichen für ein hämorrhagisches Fieber fest.

Kurz vor zehn Uhr ist die Landstraße gesperrt, mittlerweile sind über 20 Einsatzwagen, Dutzende Kräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten aus Marburg, Ebsdorfergrund und Gießen im Einsatz. Mitarbeiter des Gesundheitsamtes treffen ein, übernehmen die Regie, ein Krisenstab koordiniert die Alarmkette, Landrätin Kirsten Fründt ist als zuständige Gesamtverantwortliche vor Ort.

In der Regel würde ein stabilisierter Patient in diesem Szenario in das Kompetenzzentrum des Frankfurter Uniklinikums transportiert. In diesem Fall ist dafür keine Zeit. Die Ärzte bringen ihn im Rettungswagen in das UKGM auf die Lahnberge.

"Patient" darf Krankenbett nach mehreren Stunden verlassen

Den Transporter dürfen der Patient sowie die Mediziner im Inneren über Stunden hinweg nicht verlassen, um eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern. „Der Patient wird dort stabilisiert, der Rettungswagen ist wie eine kleine Intensivstation mit Highend-Medizin“, erklärt Sassen. Zusätzlich tragen die Retter spezielle Schutzausrüstungen, sowohl in Heskem wie am Marburger Uniklinikum werden Dekontaminierungs-Stationen eingerichtet.

Kurz nach elf Uhr trifft der Patient am Uniklinikum ein. Das Gelände wird abgeriegelt. Es dauert einige Zeit, bis der Rettungswagen in die Tiefgarage der Klinik einfahren kann. Erst dort dürfen die Insassen den Wagen verlassen, der Patient wird unter größten Sicherheitsbedingungen über die Quarantäne-Schleuse in einen Behandlungsraum gebracht.

Gegen zwei Uhr endet das Schauspiel eines Notfalls, der alles andere als alltäglich ist. Die Übung wurde vom Landkreis Marburg-Biedenkopf in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Gießen durchgeführt. „Es war die erste Übung in diesem Umfang. Wir können nur feststellen, ob Sand im Getriebe ist, wenn wir den Plan auch anwenden“, erklärt Kreis-Pressesprecher Stephan Schienbein. Am Ende fiel das Fazit der Koordinatoren positiv aus, besondere Schwachstellen im Gentechnik-Notfallplan wurden nicht aufgedeckt, lediglich die Abläufe während der Übergabe an der Klinik werden wohl noch einmal überprüft. „Ich bin sehr zufrieden, die Schnittstellen haben gut funktioniert“, fasste Landrätin Fründt zusammen.

Und der „Patient“? Sebastian Bleser vom Krisenstab ist froh, dass er nach mehreren Stunden das Krankenbett wieder verlassen kann: „Es war äußerst belastend. Das lange Wochenende haben wir uns alle verdient.“

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Helfer proben Ernstfall
Zahlreiche Rettungskräfte waren gestern während einer Großübung bei Heskem im Einsatz. Archivfoto

Am Samstagvormittag fuhren viele Einsatz- und Rettungsfahrzeuge mit Blaulicht in Richtung Ebsdorfergrund-Heskem.

mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr