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Süchtiger Dieb muss in den geschlossenen Entzug

Schöffengericht verurteilt 42-Jährigen Süchtiger Dieb muss in den geschlossenen Entzug

Uhren, Navis, Geldbörsen, Gummibärchen – so ziemlich alles was nicht niet- und nagelfest war, klaute ein bereits vorbestrafter Dieb, um sich seine Drogensucht zu finanzieren. Jetzt landete er dafür vor Gericht.

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Auf Diebestour durch Marburg klaute der Angeklagte so ziemlich alles, was sich ihm bot, um sich Drogen kaufen zu können.

Quelle: Andrea Warnecke

Marburg. Das Schöffengericht verurteilte den Marburger wegen mehrerer Fälle von Diebstahl, Nötigung und räuberischem Diebstahl zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe samt Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Über ganze neun Anklagen gegen den 42-Jährigen galt es am vergangenen Dienstag zu verhandeln.

Im Verlauf des Jahres 2014 stahl der Beschuldigte in diversen Marburger Geschäften, Kaufhäusern, Tankstellen, Juwelierläden und Ämtern verschiedene Waren oder die Brieftaschen von Kunden. Im Februar 
klaute er unter anderem in 
einem Bahnabteil die Geldbörse eines Mitfahrers, im August bestellte er sich ein Taxi von Kassel nach Marburg, prellte den Fahrer dabei um über 150 Euro.

Langes Vorstrafenregister

Wenige Tage später stahl er ein Navigationsgerät aus einem Auto, in einer Drogerie weitere Geldbörsen sowie diverse Kosmetika in einer Marburger Apotheke. In einem Kaufhaus nahm er mehrere Uhren an sich, versteckte das Diebesgut unter seiner Jacke. Nachdem die Verkäuferin ihm auf die Schliche kam, rannte er davon, stieß die Frau auf der Flucht heftig zur Seite. An einer Bushaltestelle soll er zudem einen Passanten grundlos verprügelt haben, dieser Vorwurf konnte ihm nicht nachgewiesen werden.

Es waren bei Weitem nicht die einzigen Straftaten, sein Zentralregister umfasst rund 20 Vorstrafen, hauptsächlich Diebstahl. Wegen weiterer Vergehen sitzt der Mann bereits seit März vergangenen Jahres eine Haftstrafe ab, ebenfalls nicht die erste in seinem Leben.

Vor dem Schöffengericht gab der Angeklagte den Großteil der aktuellen Vorwürfe zu, machte 
selber keine weiteren Angaben zur Sache, seine Erinnerung an den Tatzeitraum ist im Nebel der Drogensucht teilweise untergegangen. Verteidiger Peter Thiel verwies auf eine „furchtbar desolate Situation“, in der sich sein Mandant zum Zeitpunkt der Diebestour befunden habe.

Der schwer drogensüchtige Mann rutschte zum wiederholten Male in das Milieu ab, ausschweifende Drogenexzesse waren die Folge, „fast bis zum Tod“. Er befand sich in einem benebelten Dauerrausch, konnte „wenig um die nächste Ecke denken, es war eine sehr harte 
Zeit“, erklärte der Verteidiger.

„Beschaffungskriminalität im großen Stil“

Bereits seit seiner Jugendzeit konsumiert der 42-Jährige die verschiedensten Betäubungsmittel, darunter Heroin, Kokain oder Amphetamine. 
Mehrere Suchttherapien und Psychiatrieaufenthalte zeigten keine langfristige Wirkung. Bei dem Süchtigen wurde bereits eine deutliche Mehrfachabhängigkeit von verschiedenen Substanzen diagnostiziert, berichtete eine psychiatrische Sachverständige, die den Prozess begleitete.

Daneben bestehe eine dissoziale Persönlichkeitsstörung in Kombination mit ADHS. Zum Tatzeitpunkt war seine Steuerungsfähigkeit „erheblich vermindert“, er gilt daher als vermindert schuldfähig. Sämtliche 
Diebstähle, bis auf geklaute, 
geringwertige Lebensmittel wie Süßigkeiten, dienten einzig dazu, seine Sucht zu finanzieren, „eine klassische Beschaffungskriminalität im großen Stil“.

Dass der Mann nicht ganz bei Sinnen war, erkläre sein Verhalten auf seiner Diebestour, etwa der Diebstahl einer schwer zu versteckenden Melone, ergänzte Thiel. Generell fiel er bei einigen Taten durch unruhiges hin und her Laufen auf, wirkte „fahrig und nicht so ganz da“, bestätigten mehrere bestohlene Zeugen.

„Ich wollte niemanden verängstigen“

Bei denen entschuldigte sich der Angeklagte: „Ich wollte niemanden verängstigen, vor allem nicht verletzen“. Heute bereue er seine Taten, habe sich fest vorgenommen, sich dieses Mal zu bessern und für seine beiden Kinder da zu sein: „Ich habe mich das erste Mal in meinem Leben gestellt, so will ich nicht mehr weitermachen“.

Dass er dieses während der Haft ohne ausgiebige Suchttherapie nicht schaffen wird, darüber waren sich alle Prozessbeteiligten einig. Sollte er in Freiheit bleiben „ist damit zu rechnen, dass er weitere Eigentumsdelikte verschiedener Art begehen wird“, prognostizierte die Gutachterin, die sich für eine gerichtlich angeordnete Unterbringung in eine Entziehungsanstalt für mindestens zwei Jahre aussprach.

„Es ist klar, was mit ihm los ist“, befand auch Staatsanwältin Annemarie Petri, die eine schnelle Einweisung befürwortete. Dies sah das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Thomas Rohner ebenso, das eine sofortige Unterbringung des Süchtigen auf den Weg brachte, ohne vorherigen Haftaufenthalt in einer normalen Vollzugsanstalt.

von Ina Tannert

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