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Suchthilfe hat viele Gesichter

Suchthilfetage Suchthilfe hat viele Gesichter

Bei den neunten Suchthilfetagen liegt in diesem Jahr der Schwerpunkt auf dem Thema Alkohol und der Entwicklung der Hilfsangebote in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten.

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Dr. Ulrich Schu (von links), geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psycho­therapie am UKGM in Marburg, Marcus Heil als Vertreter der Fleckenbühler, Sabine Balser, Leiterin des Betreuten Wohnens Teichwiese in Marburg, und Gisela Gerken, Leiterin der Koordinierungs­stelle Sucht des Gesundheitsamtes auf Hof Fleckenbühl, stellen gemeinsam das Programm der Suchthilfetage vor.

Quelle: Manfred Schubert

Schönstadt. „In den vergangenen Jahren haben wir sehr viele Fortschritte gemacht. 40 Prozent der Alkoholkranken können nach einer Therapie als geheilt gelten. Das bedeutet, dass deren Lebenserwartung der normalen Erwartung entspricht. Vor 30 bis 40 Jahren wurden nur zehn Prozent gesund. Eigentlich ist es jetzt noch trauriger als früher, dass weiterhin nur zehn Prozent derjenigen, die eine Behandlung bräuchten, diese auch aufnehmen“, sagte Dr. Ulrich Schu, geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum in Marburg. Dort nehme man etwa 80 neue Patienten pro Jahr auf.

Alkohol kostet die Menschen Lebenszeit

Alkohol, nach Nikotin die Nummer zwei unter den bei uns meistgebrauchten Drogen, koste die Menschen sehr viel Lebenszeit und -jahre. In unserer Gesellschaft sei es sehr schwierig, den richtigen Abstand zu dieser seit über 2000 Jahren genutzten Kulturdroge zu finden, die vielen Menschen den Tod bringe. In unserem Landkreis, schätzte Dr. Schu, gebe es 5000 bis 10000 Alkoholabhängige.

Die Therapie laufe in vier Phasen ab. In der ersten Phase müsse man die Motivation finden, in der zweiten folge die Entgiftung, dann die Entwöhnung und schließlich das lebenslange Trockenbleiben.

In den vergangenen Jahren habe man die Phasen miteinander vernetzt. „Heute verlangen wir zum Beispiel in der Klinik nicht mehr, dass die Menschen 150-prozentig motiviert sind. Auch mit einem Prozent können sie kommen, unsere Aufgabe ist nicht nur die Entgiftung, sondern auch, die Motivation zu finden und aufzubauen“, erklärte der Arzt. Die Klinik sehe sich als Schnittstelle. „Wir versuchen, die verschiedenen Anbieter während der Entgiftungsphase in die Klinik zu holen, um Hemmschwellen abzubauen, sich vorzustellen und den Übergang in die nächste Phase vorzube­reiten“, sagte er.

„Vor Jahren gab es nur die Trinkerheilanstalten, heute ist das Angebot sehr vielschichtig. Der Alkoholiker entscheidet am besten selbst, was für eine Form der Behandlung er braucht. Ich halte eine Kombination aus Selbsthilfe und Therapie für angemessen“, ergänzte Marcus Heil, bei der Selbsthilfegruppe „Die Fleckenbühler“ für Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Einrichtungen öffnen ihre Türen und informieren

1999 hat das Netzwerk Suchthilfe die ersten Suchthilfe­tage unter dem Titel „Sucht hat viele Gesichter“ veranstaltet. Mittlerweile finden sie alle zwei Jahre, im Wechsel mit den Psychiatrietagen, statt - beim neunten Mal unter dem Titel „Suchthilfe hat viele Gesichter“. Neben dem Schwerpunktthema Alko­hol soll die Entwicklung der Suchthilfe in den vergangenen 16 Jahren dargestellt werden, aber auch um neue Medien sowie Spielsucht geht es.

„In der Suchthilfe hat sich einiges geändert. Wir wollen verschiedene Angebote vorstellen, daher gibt es diesmal dezentrale Veranstaltungen“, erklärte Gisela Gerken, Leiterin der Ko­ordinierungsstelle Sucht des Gesundheitsamtes. Viele Einrichtungen öffnen ihre Türen und laden ein zu Vorträgen, Diskussionen, Besichtigungen, Essen und Trinken.

Die Teilnahme an den Suchthilfetagen ist kostenlos. Das Faltblatt mit dem kompletten Programm gibt es im Internet unter www.marburg-biedenkopf.de zum Herunterladen.

Ansprechpartnerin zu den Suchthilfetagen: Gisela Gerken, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Fachdienst Beratung und Prävention im Fachbereich Gesundheitsamt, Telefon: 06421 405-4141, E-Mail: GerkenG@marburg-biedenkopf.de, Schwanallee 23, 35037 Marburg

Freitag, 9. Oktober

14.30 Uhr: Filmvorführung „Zoey“; 16 Uhr: Abhängig vom Abhängigen? Vortrag mit Jürgen Naundorff, Suchtberatungsstelle Blaues Kreuz, Wilhelmstraße 8a, Marburg

PROGRAMM:

Montag, 12. Oktober

11 Uhr: Tag der offenen Tür, „Darstellung von Behandlungsstationen Suchtkranker“, Ullmannshof, Talstraße 8, Amönau

Dienstag, 13. Oktober

13.45 Uhr: Begrüßung und Kurzvorstellung der Klinik; 14 Uhr: Kognitive Korrelate der Verhaltenskontrolle bei Alkoholabhängigkeit; 15.15 Uhr: Was hält den Alkoholiker bei der Stange?; 16 bis 17 Uhr: Abstinent leben oder weniger trinken? Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Rudolf-Bultmann-Straße 8, Marburg

19 bis 21 Uhr: Vorträge zu den Themen Spielsucht und neue Medien, Haus des Gastes, Karl-Waldschmidt-Straße 5, Gladenbach

Mittwoch, 14. Oktober

12 bis 17Uhr: Symposium – Standards und Individualisierung in der Suchtbehandlung, Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Cappeler Straße 98, Marburg

Donnerstag, 15. Oktober

11 Uhr: Tag der offenen Tür im Betreuten Wohnen Teichwiese, Teichwiesenweg 9, Marburg

15 bis 18 Uhr: 20 Jahre Fachstelle für Suchtprävention, Jugendzentrum, Röntgenweg 1, 35260 Stadtallendorf

von Manfred Schubert

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