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Suchtberater helfen, den Ausschalter zu finden

Smartphone-Sucht Suchtberater helfen, den Ausschalter zu finden

Es bimmelt. Immer wieder. Eigentlich den ganzen Tag und auch noch nachts. Die Rede ist vom Smartphone. Wo es seinen Ausschalter hat, wissen Studien zufolge zwei Drittel der Nutzer gar nicht mehr.

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Sebastian Reinhard im blauen und Jana Becker im grünen Kapuzenpulli stellen Facebook und Whatsapp da – „durchgeknallte Logarithmen“, die Passanten belästigen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Sie greifen an. Sozialpädagoge Sebastian Reinhard und Sozialarbeiterin Jana Becker in blauem und grünen Kapuzenpulli verkörpern am Dienstagnachmittag in der Marburger Oberstadt das soziale Netzwerk Facebook und den Nachrichtendienst Whats­app - und sie gehen den Passanten so richtig auf den Geist. Penetrant sind sie. Wie „durchgeknallte Logarithmen“. Sie laufen den Leuten hinterher. Zeigen Fotos von fremden Menschen und formulieren Freundschaftsanfragen. Fordern hartnäckig dazu auf, doch jetzt mal aufs Handy zu schauen. Und die Menschen, die da eigentlich nur ihres Weges gehen wollen, werden mitunter sichtlich nervös.

Einer muss gleich sein Smartphone zücken, ob er vielleicht tatsächlich gerade eine Nachricht bekommen hat. „Die meisten finden ja selbst, dass die ständigen Nachrichten nerven, dass ständige Aufs-Handy-Schauen. Viele wollen das auch gar nicht, können es aber nicht lassen“, erklärt Jana Becker von der Sucht- und Drogenberatung beim Diakonischen Werk Hessen; und ihr Kollegen Sebastian Reinhard verweist darauf, dass man den Menschen zugleich sofort anmerke, welch große Faszination vom Smartphone und der Nutzung der Netzwerke ausgehe.

Genau darum geht es bei der Straßenaktion in der Oberstadt, die ein Beitrag zu der Kampagne „Der Ausschalter“ ist. Es geht um den inneren Zwang, immer erreichbar zu sein. Um Jugendliche, die heutzutage durchschnittlich 300 Whatsapp-Nachrichten pro Tag bekommen. Um das Gefühl, sich gar nicht mehr auf das Leben konzentrieren zu können, das gerade stattfindet, gar nicht mehr dem Gegenüber zuhören zu können, weil das Smartphone zugleich bimmelt und eine neue Nachricht ankündigt, die sofort abgerufen werden will.

"Auf das echte Leben hören"

„Irgendwann kann man sich gar nicht mehr einlassen auf die Freunde und die Familie - dann ist es Zeit, einmal den Ausschalter zu betätigen und auf das echte Leben zu hören, bevor Beziehungen darunter leiden“, erklärt Medienpädagoge Thomas Graf, der sich für die Sucht- und Drogenberatung mit kritischem Nutzerverhalten bei Smartphone & Co. beschäftigt. Aus Studien weißt der Fachmann, dass zwei Drittel der Nutzer ihr Smartphone niemals ausschalten - „sie wissen nicht einmal, wo der Ausschalter sich befindet, sie sind immer auf Empfang“.

Irgendwann haben die Passanten in der Oberstadt genug von Whatsapp und Facebook alias Jana Becker und Sebastian Reinhard. Sie ziehen genervt weiter - und mancher kann es sich nicht verkneifen, an der nächsten Straßenecke aufs eigene Smartphone zu schauen. Oder auf den kleinen blauen Zettel mit der Internet-Adresse, den Becker und Reinhard jedem überreichen. Auf der Homepage der-ausschalter.de gibt es Hilfe bei problematischem Medienkonsum und Tipps dafür, wie das Abschalten gelingt - der Angst, etwas ganz Wichtiges zu verpassen, zum Trotz.

von Carina Becker

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