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Suche nach Mittel gegen Killer-Viren

Wissenschaft Suche nach Mittel gegen Killer-Viren

Ebola-Forscher aus der ganzen Welt tauschen sich derzeit auf einem Kongress in Marburg aus. Im Zentrum steht der Austausch über Impfstoffe gegen sogenannte Filoviren.

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Während des Filoriven-Symposiums geht es um alle Aspekte der fadenförmigen Krankheitserreger, die aus einer Erbgutkette samt Hülle bestehen (Filum bedeutet Faden). Archivfoto

Quelle: Handout

Marburg. Auch 50 Jahre nach dem Ausbruch des „Marburg-Virus“, das zur Familie der Filoviren gehört, ist es Forschung und Pharmawirtschaft nicht gelungen, eine Impfung oder ein Medikament dagegen zu entwickeln. Die rund 250 Forscher diskutieren während des 9. Internationalen Filovirus-Symposiums die molekulare Struktur der Viren und Angriffswege für Medikamente. Übertragungswege werden nachge­zeichnet wie auch die ­Prozesse im menschlichen Körper bei der Infektion, die durch ein ­sogenanntes hämorrhagisches Fieber häufig zum Tod führt.

In Auftaktvorträgen berichteten Mediziner und Forscher von vergangenen Ausbrüchen von Ebola in Westafrika oder Kongo. Mehr als 11000 Menschen starben beim Ausbruch 2014, den die Weltgesundheitsorganisation erst 2016 für beendet erklärte. Ist Afrika nun besser dran? „Trotz der Erfahrungen sind wir immer noch nicht gut vorbe­reitet“, sagt Danny Asogun, nigerianischer Mediziner. Ebola lauere immer noch. Inzwischen haben die Gesundheitsexperten allerdings in Programmen herausgearbeitet, was sich verbessern müsste. Von der Technik und Diagnostik bis hin zu weichen, sozialen Fragen. Letztendlich waren es solche soziale Aspekte - nicht die wissenschaftlichen -, die den Ausbruch beendeten: Die Menschen änderten durch Wissen und Training ihr Verhalten und berührten bei Beerdigungen ihre Verstorbenen beispielsweise nicht mehr. Trotzdem meint Asogun, dass bei zukünftigen Ausbrüchen Gegenmaßnahmen schneller und besser erfolgen müssten.

Auch die deutschen Gesundheitsbehörden reagierten. Bis 2014 wähnte sich Deutschland gut gegen Epidemien vorbereitet, berichtete Iris Hunger vom Robert-Koch-Institut in Berlin. Dann kam Ebola. Und die Fragen. Wie wahrscheinlich ist, dass Ebola nach Deutschland eingeschleppt wird? Hunger: sehr gering. Wie identifizieren Mediziner Ebola-Fälle und wie hoch ist das Risiko, sich da anzustecken? Ende 2014 gab das RKI das „Rahmenkonzept Ebolafieber“ heraus. Ebolafälle traten in Deutschland bislang nicht auf. Die medizinischen Quarantäne- und Intensiveinrichtungen versorgten allerdings in Hamburg, Frankfurt und Leipzig jeweils einen rückgeführten Nothelfer, der sich infiziert hatte. Konzepte zur Quarantäne und Isolation etwa zuhause stehen, doch ob sie im Ernstfall wirken? „Wir haben auch keine Ahnung, wie man kontaminierte Wohnungen reinigt“, sagt Hunger.

Der US-Forscher Gary Kobinger berichtete von einem Ebola-Ausbruch in Nord-Kongo. Acht Infizierte, einige starben. Dass der Ausbruch begrenzt werden konnte, sieht Kobinger als Fortschritt in den organisatorischen und medizinischen Notfallabläufen. Allerdings ­könnte auch eine Rolle spielen, dass der betroffene Ort extrem abgelegen und nur nach drei, vier Tagen Reisezeit erreichbar war. Kobinger meint dort auch ­eine neue Variante des Virus entdeckt zu haben. Sein Fazit zum Ausbruch war jedenfalls: „Wir schaffen das, mit Überwachung und schneller Diagnostik.“

Carolyn Clark stellte die Initiative Cepi vor: Eine von Regierungen, der Wirtschaft und privaten Spendern getragene ­Organisation, um die Entwicklung von Impfstoffen zu forcieren. Derzeit stehen die Krankheiten MERS, Lassa und ­Nipah im Fokus. Doch ab nächstem Jahr können sich auch Forschergruppen für Impfstoffe gegen Ebola- und Marburg-Virus um Gelder bewerben. Der Marburger Professor Stephan Becker ist dann dabei. Er will eine sogenannte Impfstoff-Plattform entwickeln, mit der man relativ schnell für neu auftretende Virus-Varianten einen Impfstoff her- und bereitstellen kann.

Hitziges Thema auf der Tagung wird auch die Zulassung von Impfstoffen werden. Es gibt zwar I­mpfstoffkandidaten - einer wird ab 2018 auch in Deutschland produziert -, den für eine Zulassung nötigen Nachweis einer Wirksamkeit haben sie jedoch nicht: Es gibt keine Patienten, an denen getestet werden kann.

von Martin Schäfer

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