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Sturzopfer benötigen schnelle Hilfe

Kongress Sturzopfer benötigen schnelle Hilfe

Ein Kongress zum Thema Alterstraumatologie findet Ende dieser Woche in Marburg statt. Ausgerichtet wird die Tagung von Professor Steffen Ruchholtz, dem Leiter der Unfallchirurgie am Uni-Klinikum in Marburg.

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Professor Steffen Ruchholtz (links) und Dr. Benjamin Bücking zeigen an einem Skelett die Beckenregion, wo bei älteren Sturz-Patienten häufig Brüche operiert werden müssen.

Quelle: Manfred Hitzeroth

Marburg. Aufgrund der guten medizinischen Versorgung gibt es in den Krankenhäusern immer mehr ältere Patienten.

Diese Menschen sind immer länger mobil, selbstständig und aktiv. Die Kehrseite der Medaille: Es kommt bei der höheren Zahl von mobilen Alten auch zu einer deutlich höheren Zahl von Unfällen als früher.

Weil aber die Knochen der alten Menschen häufig durch Osteoporose an Dichte und Festigkeit verloren haben, sind Brüche nach Stürzen oder anderen Unfällen oft sehr komplex und bedürfen einer altersangepassten Behandlung, erläutert Professor Steffen Ruchholtz, Organisator der Fachtagung in Marburg.

Zudem hätten viele Patienten altersbedingte Vorerkrankungen, die bei der Behandlung berücksichtigt werden müssten. Benötigt werde also für eine optimale Behandlung eine strukturierte interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Experten, die das Zusammenspiel von bereits vorhandenen Vorerkrankungen und akuten Behandlungen berücksichtigt.

Zudem müsse ein individueller Behandlungsplan für die Patienten erstellt werden, von der Therapie bis hin zu Reha-Maßnahmen.

Unter anderem wurden auch am Marburger Uni-Klinikum minimalinvasive Operationstechniken und schonende Anästhesieverfahren entwickelt, die eine zügige Erholung und frühestmögliche Mobilität der Patienten gewährleisten sollen. „Diese schonenden Operationsverfahren sorgen aufgrund der kleinen Schnitte für weniger Blutverlust, und die Wunden heilen besser“, erklärt Professor Ruchholtz die Vorteile.

Patienten erhalten spezielle Prothesen

Häufig werden den Patienten dann spezielle Prothesen eingesetzt. Mit dem gesamten Themenbereich und den damit verbundenen besonderen Herausforderungen beschäftigt sich der diesjährige bundesweite Kongress für Alterstraumatologie, der am Donnerstag, 10. März, und Freitag, 11. März, in Marburg stattfindet und von Marburger Medizinern organisiert wird. Es ist der dritte Kongress dieser Art, und die Teilnehmerzahl ist stetig im Wachsen begriffen. In Marburg werden bis zu 500 Teilnehmer erwartet, darunter vor allem Mediziner aus der Unfallchirurgie und der Geriatrie (Altersmedizin).

Bei der Alterstraumatologie gehe es um die Behandlung von Verletzungen, die sich Patienten im hohen Alter zuziehen, erläutert Professor Ruchholtz. Im Fokus stünden dabei Patienten ab einem Alter von 70 Jahren. Besonders häufig sind bei diesen alten Menschen die oben bereits angesprochenen Brüche des Schenkelhalsknochens nach Stürzen.

„Es sind diese typischen Brüche, wenn die alten Menschen gestürzt sind und noch vergeblich versucht haben, sich abzustützen“, erklärt Ruchholtz.

Bei der Operation im Krankenhaus ist Schnelligkeit angesagt. Sie sollte bis spätestens 48 Stunden nach dem Hinfallen erfolgt sein. Trotz aller Fortschritte bei den Operationstechniken gilt bisher folgende Statistik: Von allen Patienten stirbt ein Drittel innerhalb eines Jahres nach dem Sturz. Der Grund dafür liege auch in einer speziellen Spirale, erklärt Dr. Benjamin Bücking, Oberarzt aus der Unfallchirurgie in Marburg und Mitorganisator der Tagung. Viele Patienten seien nach einem ersten Sturz und darauffolgendem Bruch viel weniger mobil und verlören ihre Energie.

Rund 200 ältere Patienten über 70 Jahren mit Schenkelhalsbrüchen werden pro Jahr im Marburger Uni-Klinikum operiert.

Es kommen noch einmal rund 400 Patienten mit Brüchen anderer Art (Wirbelbrüche, Brüche des Beckens, des Oberarms oder des Handgelenks) nach Stürzen hinzu.

von Manfred Hitzeroth

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