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Stück für Stück ein bisschen anders

OP-Serie Stück für Stück ein bisschen anders

Wie schwierig ist es, zukunftsgerecht, fairer und umweltbewusster zu leben? Die Familie Weißenborn aus Marburg hat es versucht und darüber ein Buch geschrieben.

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Wo kommt unsere Nahrung her, woher unsere Klamotten und wie kann man sich umweltbewusst fortbewegen? Fragen, die sich die Familie Weißenborn gestellt hat.

Quelle: dpa, rudolf ortner / pixelio.de

Marburg. „Man steht nicht eines Morgens auf und sagt ‚Kinder, ab heute leben wir anders‘“, so Dr. Thomas Weißenborn. Den 45-Jährigen und seine Familie beschäftigte aber die Frage, wie man lebt, welche Auswirkungen dies hat und ob es Alternativen gibt. „Bringt es eigentlich etwas, wenn man zukunftsbewusster, fairer und umweltbewusster lebt“, fragte sich die Familie. „Jein“ antwortet der Theologe Weißenborn nach der fünfjährigen Selbsterfahrung. „Wenn wenige es machen, hat es keine Auswirkungen. Aber wenn man überzeugt ist, dass das Leben grundfalsch ist, muss man es trotzdem ändern.“

Zwischen Ernsthaftigkeit und Selbstironie

Und das versuchen die Weißenborns. Stück für Stück. In einzelnen Projekten, in denen sich die Familie die unterschiedlichsten Alltagsbereiche anschaute und überlegte, ob sie es anders machen kann. Immer im offenen Dialog mit den vier Kindern. „Sie waren von Anfang an begeistert und interessiert. Natürlich war es manchmal eine Herausforderung. Aber das Tempo hat bei allen Projekten immer der Langsamste bestimmt. So gab es keine Probleme.“

Von dem Aufwand, den Einschränkungen, Anstrengungen und Herausforderungen berichtet Dr. Thomas Weißenborn in seinem Buch „Anders leben - Eine Familie fairsucht‘s“ - tiefgängig, humorvoll und selbstironisch. Denn der 45-Jährige schreibt nicht nur über die eigenen Beweggründe, sondern hält sich und der Gesellschaft den Spiegel vor - mit einer Mischung aus Augenzwinkern und Ernsthaftigkeit. „Vieles passiert eben nicht dicht in unserem Gesichtsfeld. Wenn wir hier am Sonntag auf dem Weg zum Gottesdienst an einer der mörderischen Fabriken oder einem chemieverseuchten Baumwollfelder, wie sie in anderen Teilen der Welt üblich sind, vorbeikommen würden, würden wir nicht so einfach vorbeifahren.“

Erster Schritt: Die Ernährung

Vieles drehe sich um Geld und Komfort, der den eigenen Konsum bestimme. „Man kann aber an einer Stelle mehr ausgeben, wenn man an anderen Stellen spart, zum Beispiel bei elektronischem Schnickschnack“, sagt Weißenborn. Unter dem Strich bleibe dann der Komfort gleich.

Angefangen hat die Familie mit der Ernährung. Biologisch, regional und saisonal sollte sie werden. Gerade letzterer Punkt war durchaus eine Herausforderung, berichtet Weißenborn. „Man braucht eine gewisse Zeit, um zu wissen, was man wo und wann kaufen kann.“ Aber eigentlich seien die Voraussetzungen in diesem Bereich in Marburg sehr gut. „Wir gehen immer noch in das gleiche Geschäft aber zusätzlich auf den Wochenmarkt und einen Bio-Supermarkt.“

Ebenfalls gut sehe es in der Universitätsstadt beim Klamotteneinkauf aus - solange man keine Hosen sucht, wie Weißenborn in seinem Buch beschreibt. Bei der Mobilität, vieles versucht die Familie zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen, sei es dagegen „furchtbar, vor allem im Winter. Die Straßen werden geräumt. Die Gehwege - der guten Haftpflichtversicherung sei Dank - werden aber vernachlässigt. Außerdem kennt jeder Fahrradfahrer das Problem, dass einige Fahrradwege in Marburg einfach im Nirvana enden.“

  • Thomas Weißenborn: Anders leben - Eine Familie fairsucht‘s, Verlag der Francke-Buchhandlung, 160 Seiten, 9,95 Euro

Im Blickpunkt: Dr. Thomas Weißenborn

Er ist stellvertretender Direktor am Marburger Bildungs- und Studienzentrum (mbs) und auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Der 45-Jährige unterrichtet in den Fächern Dogmatik, Ethik, Hermeneutik und Neues Testament. Der gebürtige Marburger promovierte 2002 mit einem Thema aus der Ökumene zum Doktor der Theologie. Weißenborn hat vier Kinder und wohnt mit seiner Familie in Marburg. Auch in seinem vorherigen Buch „Christen in der Konsumgesellschaft“ beschäftigt sich Weißenborn intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit.

von Andreas Arlt

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