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„Studium generale“ fällt ins Wasser

Absprachefehler „Studium generale“ fällt ins Wasser

Das „Studium generale“ ­findet in diesem Wintersemester nicht statt: Der Grund ist ein Absprachefehler bei der Organisation vonseiten des Uni-Präsidiums.

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Voll besetzt war das Audimax im Sommer beim „Brain Slam“, einer Veranstaltung des „Studium generale“.

Quelle: Archiv

Marburg. Uni-Vizepräsident Professor Harald Lachnit nimmt alle Schuld auf sich. „Es ist danebengegangen und es tut mir richtig leid“, sagte er auf Anfrage der OP.

Eine Verkettung von Missverständnissen führte dazu, dass das Studium generale im Wintersemester 2015/2016 nicht stattfinden kann. Die traditionelle allgemeinverständliche öffentliche Vortragsreihe der Marburger Universität wird sonst jeweils im Sommer- und Wintersemester immer mittwochs ab 20.15 Uhr im Audimax, dem größten Hörsaal der Uni im Uni-Hörsaalgebäude, veranstaltet. Das „Studium generale“ stößt seit Jahren immer wieder auf große Resonanz, sodass sich schon ein Stamm-Publikum gebildet hat.

Besonders erfolgreich war beispielsweise im vergangenen Sommersemester das „Studium generale“ zur Hirnforschung mit dem Titel „Reisen ins Gehirn“, das die beiden Marburger Professoren Richard Dodel und Reiner Schwarting organisierten. Zu dem von ihnen erstmals präsentierten „Brain Slam“ war das Audimax sogar mit knapp 1000 Zuschauern voll besetzt.

Doch jetzt gibt es erst einmal eine Zwangspause für die Uni-Vortragsreihe. Im Gespräch mit der OP versucht Uni-Vizepräsident Professor Lachnit, in dessen Ressort die Verantwortung für das „Studium generale“ fällt, zu erklären, wieso es zu dem für das Uni-Präsidium peinlichen „Worst Case Szenario“ kam. Klar war, dass der Marburger Biologie-Professor Paul Galland, der in den vergangenen Jahren für die Organisation des „Studium generale“ verantwortlich war, nach seiner Pensionierung im Jahr 2014 nicht mehr für die Organisation zur Verfügung stehen würde.

Weil noch kein Nachfolger für Galland gefunden worden war, war Lachnit zwischenzeitlich alleinverantwortlich für die Ausrichtung des „Studium generale“. Er hatte allerdings die Botschaft von Galland, dass die Planung der Uni-Vortragsreihe bis Sommersemester 2016 gesichert war.

Das war auch eigentlich so, wie Lachnit im Gespräch mit der OP erklärte. Dann sei ihm jedoch ein folgenschwerer Fehler unterlaufen, den er erst vor anderthalb Wochen bemerkt habe. Denn es war bereits vor einigen Monaten eine Absage-Mail der Professorin gekommen, die eigentlich das „Studium generale“ im Wintersemester 2015/2016 organisieren sollte. Diese Mail hatte Lachnit allerdings zunächst nicht auf das aktuelle Geschehen bezogen.

Erst vor wenigen Tagen fiel im Uni-Präsidium dann auf, dass das „Studium generale“ für dieses Wintersemester noch nicht gesichert ist. Jetzt war es zu spät, um ein komplett neues Programm auf die Beine zu stellen.

Die gute Nachricht: Zumindest das „Studium generale“ für das Sommersemester 2016 steht bereits definitiv, wie Lachnit berichtete. Es soll das Thema „Evolution“ haben und wird von dem Marburger Biologie-Professor Stefan Rensing organisiert. Kurzfristig vorverlegen ließ sich diese Vortragsreihe jedoch nicht mehr.

Zumindest für den Termin im Wintersemester 2016 gibt es detaillierte Vorplanungen. Wahrscheinlich soll sich dann das Generalthema um den 100. Todestag des Marburger Medizin-Nobelpreisträgers Emil von Behring drehen.

Auch Bemühungen der Uni-Leitung, anstelle des „Studium generale“ die interdisziplinäre Vortragsreihe der Konfliktforscher vom angestammten Termin am Montagabend auf den „Studium generale“-Termin am Mittwoch zu verlegen, ließen sich nicht realisieren.

Jetzt gibt es also eine kleine Denkpause. Klar ist aber auf jeden Fall, dass das „Studium generale“ weitergeführt werden soll und dass nun vom Uni-Präsidium auch wieder ein Beauftragter für das „Studium generale“ gesucht wird.

In den 80er- und den 90er-­Jahren hatte das „Studium generale“ schon einmal für längere Jahre nicht stattgefunden. Dann wurde es auf Initiative des Philosophie-Professors Reinhard Brandt wiederbelebt, der sich ab 1999 jahrelang um die Organisation kümmerte.

Ihm folgte Professor Galland nach, der dafür von 2007 bis im vergangenen Jahr zuständig war. Seitdem hat er aber schon nichts mehr mit der Organisation des „Studium generale“ zu tun. „700 Jahre Boccacio“, „Bildung im Wandel“, „100 Jahre Drift der Kontinente. Alfred Wegener: Klima, Krater, Kontinente, ein Forscher seiner Zeit voraus“, „Die großen Gefühle“: Das waren einige der Themen der von Galland organisierten „Studium generale“-Reihen. „Mir war es vor allem wichtig, dass alle Fachbereiche gleichmäßig einbezogen werden“, sagte Galland auf Anfrage der OP, wie er seine Aufgabe der Reihen-Organisation interpretiert habe.

von Manfred Hitzeroth

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