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Studie gibt Lahnberge-Tram Chancen

Straßenbahn für Marburg Studie gibt Lahnberge-Tram Chancen

Die Pläne, Marburgs Innenstadt und das Universitätsgebiet Lahnberge mit einer Straßenbahn zu verbinden, werden konkreter.

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Die Straßenbahn, hier ein Wagen in Düsseldorf, feierte in den vergangenen Jahren in vielen Städten eine Comeback. Auch für Marburg gibt es Pläne.

Quelle: Archivfoto: dpa

Marburg. Was vor zwei Jahren noch klang wie ein Hirngespinst, ist inzwischen eine denkbare Alternative: der Bau einer Straßenbahnlinie von der Innenstadt auf die Lahnberge, um die täglich rund 10 000 Pendler vom Tal auf den Berg und zurück zu befördern. Der vom Parlament in der vergangenen Woche verabschiedete Nahverkehrsplan erwähnt ausdrücklich die Perspektive einer Straßenbahnlinie, ohne allerdings zu konkreten Schlüssen zu kommen.

Eine Studie, die die Stadtwerke Marburg schon 2014 in Auftrag gegeben hatten, kommt zu dem Ergebnis, dass eine Straßenbahn technisch realisiert werden könnte. Als Verbindung zu den Lahnbergen böte sich vor allem die Strecke vom Südbahnhof/Konrad-Adenauer-Brücke über Großseelheimer Straße bis zum Klinikum an, sagen die Planer, die diese Strecke näher untersucht haben.

Den Stadtverordneten wurde die Studie des Instituts „IGDB  – Verkehrsplanung und Beratung GmbH“ in den vergangenen Tagen zugeleitet. Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Schüren sagte, er würde sich freuen, wenn die Konzeptstudie zu der Erkenntnis führe, dass eine detaillierteren Betrachtung der Idee Sinn macht.

Hohe Investitionen in die Infrastruktur

Die Idee einer Straßenbahn auf die Lahnberge findet immer mehr Be­fürworter. Eine Konzeptstudie, die von den Stadtwerken in Auftrag gegeben worden ist, hält die Idee für realistisch. Technisch ist ein schienengebundenes Verkehrsmittel zwischen dem Lahntal und den Lahnbergen problemlos realisierbar, sagen die Autoren der Studie, die Verkehrsplaner des Instituts IGDB in Dreieich. „Grundsätzlich“, so die Studie, „lassen sich höhere Nachfragewerte als in einem Bussystem generieren.“ Gleichzeitig sind aber hohe Investitionen in die Infrastruktur erforderlich.

Andererseits ist in Marburg seit vielen Jahren Konsens, dass der ständig wachsende Mobilitätsbedarf zwischen dem Tal und dem Universitätsgebiet auf den Lahnbergen die Stadt vor die Aufgabe stellt, möglichst viele Fahrten vom Auto auf andere, umweltfreundlichere Verkehrmittel zu verlagern.

Immerhin sind beinahe 10 000 Menschen betroffen, die fast täglich zwischen Berg und Tal pendeln – und es werden noch mehr werden. „Die erwarteten Nachfragesteigerungen können 
mit dem aktuellen ÖPNV-
Angebot nicht mehr bewältigt werden“, schreibt die Studie und kommt damit zum gleichen Ergebnis wie der RMV, der seine Mobilitätsstudie im vergangenen Jahr vorgestellt hatte.

Stadtwerke-
Geschäftsführer favorisiert Straßenbahn

Anders als Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne), der als Schlussfolgerung aus der geschilderten Problematik eine Seilbahn vorgeschlagen hatte, 
favorisiert der Stadtwerke-
Geschäftsführer Norbert Schüren eine Straßenbahn. Und der langjährige Gießener Verkehrskoordinator Reinhard Bayer hatte vor drei Jahren die Idee einer Uni-Tram von Gießen nach Marburg vorgestellt.

Untersuchungen von IGDB haben nun gezeigt, dass der Bedarf für eine Straßenbahn tatsächlich vorhanden ist. Allein an der Haltestelle Hölderlinstraße etwa sitzen täglich knapp 8000 Menschen in einem Bus der Linie 7 oder der Linie 9 von und zu den Lahnbergen.

Untersucht wurden verschiedene Varianten für eine Straßenbahntrasse – wobei entscheidend die Varianten „Nordaufstieg via Panoramastraße“ und „Südaufstieg via Großseelheimer Straße“ sind. Beide Varianten verfügen über einen ausreichend breiten Straßenkörper, beiden Varianten wäre eine „gute“ bis „sehr gute“ Erschließung durch eine Straßenbahn gemein, beide Varianten sind baulich machbar – die Linie durch das Universitätsgebiet Lahnberge setzt allerdings die Umsetzung des „Masterplans Lahnberge“ voraus, ein Entwicklungsplan für das Universitätsgebiet, der eine Streckenführung zwischen Biologie und BMFZ ermöglichen würde.

Relativ aussichtslos erscheint eine Streckenführung über den Richtsberg und die Sonnenblickallee. Alle anderen Streckenabschnitte betreffen Innenstadtverbindungen.

Vom Südbahnhof per Aufzug zur Adenauerbrücke

Für den Kerngedanken, eine schnelle Umsteigemöglichkeit zwischen den einzelnen Verkehrsmitteln, sind Hauptbahnhof und Südbahnhof von entscheidender Bedeutung. Für den Südbahnhof schlagen die Planer daher vor, die Haltestelle um etwa 150 Meter nach Norden zu verlegen und direkt mit der Konrad-Adenauer-
Brücke zu verbinden.

Umsteigende Fahrgäste könnten per Aufzug direkt zur Adenauerbrücke gebracht werden und von dort aus ihren Weg per Straßenbahn Richtung Lahnberge fortsetzen. Alternative wäre ein Abbiegegleis ab Südbahnhof, das in der Fontanestraße an der Straßenbahnlinie endet.

Für den Südaufstieg haben die Planer exemplarisch die Kosten berechnet: Sie gehen von Baukosten von gut 30 Millionen Euro aus. Die wären zu 80 Prozent zuschussfähig.

Mindestens 300 000 Euro
 Zuschussbedarf

Für Betriebskosten – Abschreibung auf 30 Jahre für 5 Tramzüge à 2,35 Millionen Euro, Fahrpersonalkosten und sonstige Fahrtkosten – rechnet IGDB mit knapp 1,6 Millionen Euro, denen prognostizierte Erlöse von 1,3 Millionen Euro entgegen­stehen.

Die Verlängerung der Linien in die Innenstadt bringt laut Planern einige bauliche Probleme mit sich, die zu lösen wären; andererseits würde dies die „Erschließungswirkung erhöhen“, sprich mehr Fahrgäste zu den Lahnbergen einsammeln.
Für Schüren sind die Ergebnisse der Projektstudie „interessant genug, um eine detailliertere Untersuchung in Auftrag zu geben“. Das müsse aber die Stadt machen – „das ist nicht Sache des Verkehrsbetriebs“.

von Till Conrad

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