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Studenten zahlen geringe WG-Miete

Wohnungen Studenten zahlen geringe WG-Miete

In kaum einer anderen Universitätsstadt lohnt sich das Leben in Wohngemeinschaften (WG) finanziell mehr als in Marburg. Studenten können einer Untersuchung zufolge durchschnittlich 26 Prozent Mietkosten sparen.

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Marburg. Pro Quadratmeter zahlen Studenten in einer WG 8,30 Euro Kaltmiete, in einer eigenen Wohnung sind es 11,20 Euro. Damit sind WG-Zimmer in Marburg günstiger als etwa in Erlangen (8,60 Euro) und Tübingen (10,20 Euro). Das geht aus einer Untersuchung des Internetportals Immowelt hervor. Die Spar-Quote in Marburg ist somit eine der höchsten in Deutschland. Für die Auswertung wurden die Mietpreise der Universitätsstädte mit mehr als 20 000 Studenten untersucht. Verglichen wurden die Mieten von Singlewohnungen mit bis zu 40 Quadratmetern Wohnfläche und WGs mit einer Fläche von 80 bis 120 Quadratmetern.

Dass die Mieten für Single-Apartments meist deutlich teurer sind als die für größere Wohnungen, liegt den Studien-Herausgebern zufolge am geringen Angebot. „Single-Apartments sind in vielen Studentenstädten oft genauso rar wie begehrt. Die Nachfrage liegt häufig deutlich über dem Angebot. Das treibt die Preise nach oben“, sagt Carsten Schlabritz, Immowelt-Vorstand.

Insbesondere zu Semesteranfang ist Wohnraum für Studenten knapp. Das sei auch jetzt so, heißt es vom Marburger Mieterverein. „Aber nach wie vor gilt: Wer Geld hat, kriegt alles“, sagt Ursula Hedderich,Vorsitzende. Aber: „Was gut ist für Studenten, ist schlecht für Familien, insbesondere mit geringem Einkommen“, sagt sie.Diese Einschätzung deckt sich mit den Ergebnissen der kürzlich vorgestellten Wohnungsstudie des Instituts Inwis, wonach vor allem Familien und Geringverdiener massive Probleme auf dem Marburger Wohnungsmarkt haben. Der Mieterverein rechnet vor: In den zentralen Stadtteilen muss bei den Kaltmieten mit zehn Euro aufwärts gerechnet werden; in den Außenstadtteilen sind es sechs bis acht Euro.

Der Magistrat plant daher die Einführung einer Sozialwohnungsquote (Kaltmieten von rund sechs bis sieben Euro pro Quadratmeter), sobald Neubauten - etwa im Nord-viertel - entstehen. „So interessant der Gesamtkontext der Immowelt-Zahlen auch ist, so entscheidend sind die Bedürfnisse des Studenten, des Mieters vor Ort - und ob dieser Wohnungen findet und bezahlen kann“, sagt Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD).

Studentenwohnheime: Nachfrage enorm

In Marburg boomt das Leben in WGs: 49 Prozent der Marburger Studierenden leben laut Studentenwerk in einer Gemeinschaft. „Damit ist das WG-Dasein für Marburg geradezu ein Markenzeichen“, heißt es vom Studentenwerk. Bundesweit wählen diese Wohnform nur 29 Prozent der Studenten.

Doch drohen angesichts des Rekordhochs von 26 500 Studenten selbst WG-Zimmer rar zu werden. Die 57 Notunterkünfte, die das Studentenwerk in der Stadt zur Verfügung stellt, sind seit Semesterstart voll. „Allerdings ist da immer Bewegung drin, das heißt es ziehen immer wieder Leute, die eine feste Bleibe gefunden haben aus, so dass andere nachrücken können“, sagt Franziska Busch, Sprecherin des Studentenwerks. Auch alle 2200 Wohnheimplätze sind belegt - und 800 Studenten stehen auf einer Warteliste, drängen in freiwerdende Apartments. „Die Liste arbeiten wir nach und nach ab. Erfahrungsgemäß wird sich diese Summe bis Jahresende stark reduziert haben“, sagt Busch.

Große Probleme bereitet dem Studentenwerk der dauerhafte Wegfall des Wohnheims Am Richtsberg 88 (Kapazität: 280 Bewohner). „Uns fehlen die 118 Wohnungen sehr. Zumal wir auch einen Teil der Richtsberg-Bewohner, etwa 100 Personen, in unseren anderen Wohnheimen untergebracht haben. Deshalb stehen diese rund 100 Plätze zum Semesterstart nicht zur Verfügung“, sagt Busch. Andererseits habe das Studentenwerk in diesem Jahr 99 neue Wohnheimplätze geschaffen - in der Ritterstraße, im Studentendorf und durch die Anmietung einer Etage im Seniorenzentrum St. Jakob am Richtsberg.

In der Liste der Zahl der Wohnheimplätze liegt Marburg deutschlandweit derzeit auf Rang 40 von 58, das Studentenwerk bietet deutlich mehr Zimmer an als etwa die Universitäten Frankfurt, Kassel, Trier, Ulm oder Kaiserslautern. Und günstiger gibt‘s Räume kaum irgendwo anders: Während Marburger Studenten maximal 301 Euro für einen Wohnheimplatz zahlen, sind es in Münster 535 Euro - der höchste Wert unter allen Studentenwerken.

Nur 9 Städte sind günstiger

Laut einer weiteren aktuellen Mietpreis-Untersuchung von Immobilienscout24 ist Marburg die zehntgünstigste WG-Unistadt Deutschlands - Studenten zahlen demnach im Schnitt 237 Euro für ein Zimmer. Im vergleichbar großen Tübingen, das als sechstteuerste WG-Unistadt gilt, zahlt man laut Immobilienscout im Schnitt 383 Euro. Die Boom-Metropole Berlin liegt im Mittelfeld, pro Person kostet die Miete dort 309 Euro. Als Grundlage der Mietpreis-Analyse diente die durchschnittliche Warmmiete pro Person der jeweiligen Stadt für eine Dreier-WG mit 80 Quadratmetern. Untersucht wurden 75 Unistädte.

Der Eigentümerverband Haus und Grund Marburg-Biedenkopf sagt auf OP-Anfrage: „Einen Trend zu mehr WG-Vermietungen stellen wir nicht unbedingt fest. Die Stimmung ist eher so, dass immer mehr unserer Mitglieder aufgrund gesetzlicher Vorgaben gar nicht mehr vermieten wollen. Gerade bei älteren Vermietern kommt es vor, dass Wohnungen und Häuser leer bleiben.“

Spezielle Ratschläge kann der Mieterverein den Wohnungssuchenden, seien es Studenten, Familien oder andere, nicht geben. „Wir raten zu Ausdauer und nicht aufzugeben“, sagt Hedderich.

von Björn Wisker

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