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Marburgs Stadtteile: Dilschhausen (Teil 7 von 18)

Studenten wohnen gern in Dilschhausen

Wer „Natur pur“ liebt, wie es Ortsvorsteher Hermann Heck beschreibt, der wird sich im kleinsten Marburger Stadtteil wohlfühlen. Er wohnt zugleich auch am weitesten vom Stadtzentrum entfernt.
Blick auf Marburgs kleinsten Stadtteil Dilschhausen. Links sind zwei Neubauten zu sehen. Foto: Thorsten Richter

Blick auf Marburgs kleinsten Stadtteil Dilschhausen. Links sind zwei Neubauten zu sehen. Foto: Thorsten Richter

© Thorsten Richter

Dilschhausen. Die elf Kilometer Entfernung von Dilschhausen zur Innenstadt lassen sich jedoch recht komfortabel mit öffentlichen Verkehrsmitteln überwinden, meint Ortsvorsteher Hermann Heck. Denn es gibt montags bis freitags tagsüber stündlich eine Busverbindung. Und samstags fährt die Linie 16 alle zwei Stunden. Mit ihr erreicht man über Elnhausen, Dagobertshausen, Wehrshausen und Rotenberg nach 20 bis 25 Minuten den Fuß der Oberstadt. Abends, nachts und sonntags fährt das Anrufsammeltaxi (AST).

Kein Wunder also, dass Marburgs kleinster und am weitesten vom Stadtkern entfernter Stadtteil beliebt ist als Wohnort von Studenten. Diese hätten sogar dafür gesorgt, berichtet Heck, dass die Nutzung des AST zugenommen habe, während sie andernorts zurückgegangen sei.

Wer in Dilschhausen lebt, der muss sich alles, was er zum Leben braucht, woanders beschaffen. Wobei für Lebensmitteleinkäufe nur die drei Kilometer bis nach Elnhausen gefahren werden muss, weil es dort noch einen „Tante-Emma-Laden“ gibt. Im Nachbarort stehen auch Kindergarten und Grundschule für die Dilschhäuser Kinder. Für größere Einkäufe fahren die Dorfbewohner nach Marburg - oder Gladenbach, das etwa genauso weit entfernt und wo die Parkplatzsituation günstiger ist. Einer von ihnen ist Heinrich Lauer, der seit seiner Geburt vor 77 Jahren in Dilschhausen lebt. „Zum Einkaufen fahre ich mit dem Auto meist nach Gladenbach, gerade wenn ich schnell etwas besorgen muss, wegen der guten Parkmöglichkeiten.“ Wenn er zum Arzt nach Marburg muss, nimmt Lauer den Bus

Obwohl die Studenten „frisches Blut“ nach Dilschhausen bringen, ist die Bevölkerungszahl laut Heck leicht rückläufig. Deshalb müsste die Stadt eigentlich mehr Bauflächen ausweisen. Die vorhandenen Lücken zwischen den Höfen des landwirtschaftlich geprägten Dorfes zu bebauen, sei für junge Familien nicht attraktiv genug. Allerdings seien in der Vergangenheit auch im Ort selbst Fehler gemacht worden. So habe die Stadt Bauplätze ausgewiesen, die seien dann aber von den Bauherren nicht genutzt worden. Dennoch gibt es von Zeit zu Zeit junge Familien, die in Dilschhausen eine neue Heimat finden. Eine hat im Dezember ihren Neubau bezogen, eine weitere wird in diesem Jahr folgen, berichtet Heck. Und weist gleichzeitig darauf hin, dass es im vergangenen Jahr überdurchschnittlich viele, nämlich drei, Beerdigungen im Dorf gegeben hat - und keine einzige Geburt.

Ortsvorsteher Heck wünscht sich, dass Dilschhausen ebenfalls an die Breitbandversorgung angeschlossen wird, die bis 2015 im Landkreis fertiggestellt sein solle. Das sei wichtig für die jungen Leute und die fünf Firmen im Dorf. Derzeit gebe es zwar DSL, das sei aber recht langsam.

Wer einmal in Dilschhausen Fuß gefasst hat, der bleibt dort auch. Heck ist das beste Beispiel. Er wurde 1952 im Dorf geboren, bis 1989 hat seine Familie die Dorfgaststätte „Heck“ betrieben. Und seit 1989 amtiert er auch als Ortsvorsteher. Die ältere Generation scheint sehr gerne in Dilschhauen zu leben, wie Marburger Geografie-Studenten im vergangenen Jahr im Zuge einer Feldstudie herausgefunden haben: Die älteren Dilschhäuser sind mit ihrem Wohnort sehr zufrieden und belegen auf der Zufriedenheitsskala den zweiten Platz nach dem weit größeren und, was die Infrastruktur angeht, weit besser versorgten Wehrda.

Pilger rasten manchmal vor dem Bürgerhaus

Heinrich Lauer sagt jedoch, je älter er werde, desto stärker merke er die nicht zufrieden stellende Infrastruktur im Ort. So lange er Auto fahren könne, ginge es gerade noch.

Mittelpunkt des Dorfes ist das Bürgerhaus. Nicht ohne Stolz zeigt Heck den daneben liegenden Feuerlöschteich, den Dorfbewohner in Eigenleistung eingezäunt haben, und den Bolzplatz. Auch einen Parkplatz gibt es, der hauptsächlich von Pendlern genutzt werde. Diese kämen von außerhalb, um dann mit dem Stadtbus nach Marburg weiterzufahren. Die Fahrer der Busse haben übrigens einen Schlüssel fürs Bürgerhaus, um dort während ihrer Pause die Toilette benutzen zu können.

Der Platz vor dem Bürgerhaus wird in der warmen Jahreszeit von den Dorfbewohnern als Treffpunkt genutzt, berichtet Heck. Gelegentlich rasten auf den robusten Bänken, die Heinrich Lauer zusammen mit einem Tisch angefertigt hat, auch Pilger, die auf dem Elisabethpfad beziehungsweise Jakobsweg von Marburg nach Köln oder umgekehrt wandern.

Die vor dem Bürgerhaus platzierten Sitzgelegenheiten und auch noch fünf weitere Bänke im Ort sind aus Abfallholz gebaut worden, berichtet Lauer. Es sei „gutes Holz aus dem sibirischen Raum“, das bei der Einzäunung des Feuerlöschteiches übriggeblieben war. „Ich habe mir das Holz dann nach Hause geholt und dort die sehr robusten Bänke gebaut“, sagt Lauer.

Genutzt wird das Bürgerhaus auch von den sieben Vereinen. Weit über die Grenzen Dilschhausens hinaus bekannt geworden ist zum Beispiel die Theatergruppe der freiwilligen Feuerwehr, die jedes Jahr vor ausverkauftem Haus eine Komödie spielt. Nur in diesem Jahr wird es laut Heck aus privaten Gründen keine Aufführung geben.

von Michael Arndt

Fakten zum Ort

Einwohner: 178

Größe (Hektar): 627

Vereine: 7

Kilometer zum Zentrum: 11

Ersterwähnung: 1259

Ortsvorsteher: Hermann Heck

  • Kontakt: 06420/1279

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