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Studenten prangern Öffnungszeiten an

Universität Studenten prangern Öffnungszeiten an

Welcher Student hat es nicht schon einmal erlebt? Man ist tagsüber bei Lehrveranstaltungen, oder arbeitet im 450-Euro-Job. Abends möchte man dann in die Fachbibliothek, doch steht man vor verschlossen Türen.

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Laura Müller steht bei einer der geisteswissenschaftlichen Fachbibliotheken vor verschlossener Tür. Foto: Matthias Weber

Marburg. Das Studentenleben hat fraglos seine schönen Seiten. Doch nicht immer finanziert es sich von alleine - viele Studenten müssen nebenbei arbeiten, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Zum Teil sind die Arbeitszeiten dabei nicht kompatibel mit den Öffnungszeiten der Uni-Bibliotheken. Denn diese sind während der Semesterferien und an den Wochenenden nicht gerade lang geöffnet.

Betroffen sind vor allem die kleineren Fachbereiche, vornehmlich aus den Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Bibliothek des Fachbereichs Geschichte bleibt während der Ferien von Montag bis Donnerstag bis 17 Uhr geöffnet, freitags sogar nur bis 15 Uhr. Im Semester schließt sie an den entsprechenden Tagen um 20 Uhr. Noch extremer ist es bei der Bibliothek des Fachgebiets Alte Geschichte, die in der Ferienzeit lediglich bis 13 Uhr öffnet, was einigen Studenten sehr missfällt. „Es nervt einfach tierisch. Da kommt man sich als Student schon blöd vor“, berichtet etwa Stephan Schmäing. Warum also die Verkürzung gerade in der Zeit, wo besonders die Geistes- und Sozialwissenschaftler ihre Seminararbeiten anfertigen? Während des Semesters bekommen sie diese neben ihren Veranstaltungen nicht geschrieben - oder schieben sie nach alter Studententradition bis zum Ende der Frist hinaus.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der Bedarf zu diesen Zeiten abnimmt“, erklärt Bibliotheks-Direktor Dr. Hubertus Neuhausen. Bisher sei „dieses Problem noch nie hochgekommen“, argumentiert er daher und beruft sich auch auf die hohen Personalkosten der 36 Marburger Fachbibliotheken. „Pro Jahr kosten uns die dezentralen Standorte rund eine Millionen Euro an Gehalt“, rechnet er vor und stößt damit auf Verständnis bei einigen Studenten.

Historiker Jerome Wielgosz, der derzeit seine Masterarbeit schreibt, findet: „Natürlich wäre es schön, wenn Fachbibliotheken länger aufhätten. Allerdings sind die Öffnungszeiten angesichts des Personals berechtigt. Ich sehe aber den Präsenzbestand negativ. Gerade wenn man Haus- oder Abschlussarbeiten schreiben muss, ist es nervig, wenn man Bücher nicht mit nach Hause nehmen kann“.

In einigen Bibliotheken ist die Ausleihe nicht möglich, da die Bücher für alle zugänglich bleiben sollen. So ist es lediglich möglich die Titel in einer kurzen Zeitspanne anzusehen oder zu kopieren. Auch in dieser Hinsicht gibt es jedoch Zustimmung, wie zum Beispiel durch Mirco Brommann. „Präsenzbestände haben schon ihre Berechtigung. Quellen und Lexika müssen ja auch von anderen Studenten genutzt werden können“, sagt er.

Lehramtsstudentin Laura Müller sieht das wiederum anders: „Das Ausleihverbot bei uns in der Erziehungswissenschaft nervt.“ Immerhin ist sie aber mit den Zeiten zufrieden. „Die Öffnungszeiten in den Ferien sind zwar kürzer, aber das stört nicht weiter. Man hat trotzdem genug Zeit, um Arbeiten zu erledigen“. Wirklich zu stören scheint die Studenten die zeitliche Einschränkung also nicht und dies gilt im Besonderen für die Zentralbibliothek, deren Gebäude täglich zwischen 8 und 24 Uhr geöffnet ist. Dort schneidet Marburg im hessischen Vergleich sogar recht gut ab. Lediglich in Darmstadt ist die UB rund um die Uhr täglich geöffnet. Die Bibliotheken in Frankfurt, Kassel und Gießen öffnen dagegen später oder schließen früher.

Neuhausen betont zudem, dass es seit einigen Jahren möglich ist, Bücher abends abzuholen, sofern diese montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr bestellt wurden. Das sei „als ein großer Fortschritt wahrgenommen worden“. Und weitere Verbesserungen sind laut Neuhausen in Sicht. Mit dem Bau des neuen Bibliotheksgebäudes auf dem Campus Firmanei sollen kleinere Fachbibliotheken - insbesondere aus den Geistes- und Sozialwissenschaften - in die Zentralbibliothek mit einbezogen werden. Längere Öffnungszeiten wären somit auch dort garantiert. Größere Fachbereiche, wie Jura und Medizin können ohnehin vergleichsweise lang offengehalten werden.

von Peter Gassner

und Matthias Weber

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