Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Student vergewaltigt Frau auf Verbindungs-Party

Gericht Student vergewaltigt Frau auf Verbindungs-Party

Haftstrafe für einen 21-jährigen Jura-Studenten aus Marburg: Nachdem er eine junge Frau - die noch Jungfrau war - während einer Feier zum Sex zwang, muss er zweieinhalb Jahre in das Gefängnis.

Voriger Artikel
Politiker beenden Rotlicht-Debatte
Nächster Artikel
Der Buggy-Sport für den flachen Bauch
Quelle: Thorben Wengert

Marburg. Laut Anklage hatte der Studienanfänger Ende 2012 eine Mitstudentin auf einem Burschenschaftsfest massiv bedrängt und zu mehreren sexuellen Handlungen gezwungen. Täter und Opfer kannten sich erst wenige Wochen, hatten zur gleichen Zeit das Jurastudium begonnen. Gemeinsam mit mehreren Kommilitonen trafen sie sich in einem Marburger Verbindungshaus, um zu feiern.

Während des bis spät in die Nacht andauernden Festes konsumierte der heute 21-Jährige Angeklagte große Mengen Alkohol und flirtete mit verschiedenen jungen Frauen, darunter auch das Opfer. Zwischen 3 und 4 Uhr nachts führte er die 21-Jährige in einen ruhigeren Teil des Gebäudes, wo es zu ersten Küssen und Annäherungen zwischen beiden kam. Dies geschah noch in beidseitigem Einverständnis. In einem dunklen Abstellraum im Keller des Hauses versuchte der Angeklagte schließlich, erste sexuelle Kontakte herzustellen und forderte die junge Frau zum Geschlechtsverkehr auf. Sie lehnte dies jedoch mit deutlichen Worten ab. Als sie daraufhin versuchte, den Raum zu verlassen, stieß der Mann sie rüde gegen einen Tisch, schloss die Tür, zwang sie zu Boden und vergewaltigte sie brutal. Die Studentin war noch Jungfrau, sie versuchte sich zu wehren, schlug und kratzte den Angeklagten, der ihr jedoch körperlich überlegen war. Während der Auseinandersetzung zog sich die Frau mehrere blutende Schürfwunden zu. Als er sie erneut zu oralem Verkehr zwang, mit dem Versprechen, dass sie danach gehen könne, brach sie zusammen und übergab sich. Daraufhin ließ der Täter von ihr ab und verließ erbost den Raum.

Zeuge hält Täter festund alarmiert die Polizei

Vor Gericht stellte der Student die Ereignisse in einem anderen Licht dar. Den Vorwurf der Vergewaltigung wies er zurück, zwischen den beiden jungen Leuten sei es einvernehmlich zu sexuellen Kontakten gekommen, sagte er. Die Frau soll lediglich „leichte Bedenken“ geäußert haben: „Können wir das wirklich machen“, soll sie gesagt haben. Gezwungen habe er sie nicht und wollte ihr nie Schaden zufügen. Ihre Zurückhaltung habe er nicht als Ablehnung gewertet.

Die Aussage der Frau fand zu ihrem Schutz unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Mehrere Zeugen konnten jedoch Angaben zum Tatabend vorbringen: Nachdem der Angeklagte den Keller verlassen hatte, begab er sich wieder in den Festsaal des Verbindungshauses. Dabei wurde er von mehreren Gästen beobachtet, die vor Gericht aussagten. Zwei Zeugen fanden zudem die Geschädigte, die nach ihm „zerzaust, blutend und mit zerrissener Kleidung“ aus dem Keller gewankt kam. Sie wirkte desorientiert und stand augenscheinlich unter Schock. Alle Zeugen gaben die ersten Worte der Frau ihnen gegenüber wieder: „Ich wollte das nicht.“ Während eine der Mitstudentinnen sich um das Opfer kümmerte, folge ein anderer Zeuge dem apathisch wirkenden Angeklagten, hielt ihn davon ab, das Gebäude zu verlassen, und verständigte die Polizei.

Der einige Stunden später durchgeführte Bluttest des Täters ergab einen Alkoholwert von über zwei Promille. Die Rückrechnung des Wertes auf den Tatzeitpunkt ergab einen geschätzten Alkoholpegel von zweieinhalb bis über drei Promille. Aufgrund der übermäßigen Alkoholisierung des Angeklagten wurde eine mögliche stark verminderte Schuldfähigkeit ausführlich vor Gericht erörtert.

Opfer ist tarumatisiert

Der Psychiater, der den Angeklagten untersuchte, fand keine Anzeichen für Alkoholismus und bescheinigte ihm eine „erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit“ zur Tatzeit. Er war durch den Vollrausch stark enthemmt, aber noch in der Lage, überlegt und gezielt zu handeln, jedoch vermindert schuldfähig. Auch die Staatsanwaltschaft war davon überzeugt, dass der Mann seine Taten im nüchternen Zustand nicht begangen hätte. In ihrem Plädoyer betonte Staatsanwältin Annemarie Petri das eindeutig gewaltsame Handeln sowie die trotz des massiven Alkoholpegels überraschend klare Reaktionsfähigkeit des Angeklagten. Die Vergewaltigung sei eindeutig bewiesen worden, das Opfer leide bis heute und sei schwer traumatisiert. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Die Verteidigung betonte hingegen die durch den übermäßigen Alkoholkonsum entstandene stark verminderte Schuldfähigkeit und schlug eine Bewährungsstrafe für den bisher nicht vorbestraften Mandanten vor.

Die große Jugendstrafkammer des Landgerichts verurteilte den Mann schließlich wegen Vergewaltigung und vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Die eingeschränkte Schuldfähigkeit minderte das Strafmaß erheblich, die Schwere der Schuld sei trotz eines bisher untadeligen Lebens nur mit einer Haftstrafe vereinbar, betonte der Vorsitzende Richter Dr. Thomas Wolf.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr