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Stress kann sexuelles Erleben mindern

Studie Stress kann sexuelles Erleben mindern

Wie wirkt sich Alltagsstress auf das Sexualverhalten aus? Das untersucht eine Arbeitsgruppe an der Uni Marburg unter Leitung des Stressforschers Professor Urs Nater.

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Alltags-Stress kann das sexuelle Erleben einschränken. Die Zusammenhänge zwischen Stress und Sex erforscht eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Psychologie-Professoren Urs Nater.

Quelle: Jan-Philipp Strobel

Marburg. Stress im Job und Zeitmangel im Alltag und abends dann nur noch auf die Couch und vor den Fernseher: Ständig Gestresste sind in der Ruhephase oft zu nichts mehr zu gebrauchen. Müdigkeit und Motivationsmangel führen dann auch zu mangelnder Lust im Bett. Ärzte und Therapeuten berichten über einen Zusammenhang zwischen Stress und sexuellen Störungen.

„Stress kann eine Vielzahl von negativen Effekten haben“, erläutert der Marburger Psychologie-Professor Urs Nater im Gespräch mit der OP. Arbeits- oder Beziehungsstress, aber auch anderer Stress jeglicher Art könne durchaus dazu führen, dass das sexuelle Erleben eingeschränkt und die Sexualfunktionen vermindert würde. Andererseits könne man das nicht verallgemeinern. „Es gibt auch Menschen, die gestresst sind und dann vermehrt Sex haben“, so Nater.

Wissenschaftliche Belege für dieses intuitive Wissen um die Zusammenhänge zwischen Stress und Störungen des Sexuallebens gibt es allerdings bisher nur sehr wenige. „Dieses Gebiet ist im Gegensatz zu Schlaf- oder Ess-Störungen, bei denen die Rolle von Stress relativ gut untersucht ist, bisher nur unzureichend erforscht“, berichtet Nater.

Mehr als 1000 Teilnehmer sollen mitmachen

Im Anschluss an ein von ihm geleitetes Seminar an der Universität, das auf großes Interesse stieß, wollten einige Studierende das Thema vertiefen und Diplomarbeiten dazu verfassen. Für den Marburger Psychologie-Professor war dies ein Anstoß, um nun eine erste Studie zu starten.

Seine Arbeitsgruppe hat eine Online-Umfrage zum Thema „Stress und Sexualität“ gestartet. Gezielt wurden dazu bundesweit Aufrufe veröffentlicht, beispielsweise in Frauenzeitschriften wie „Glamour“. Bisher haben schon rund 600 Teilnehmer die Fragen der Psychologen beantwortet. Angestrebt ist es, bis zum Ende der Befragung Mitte August auf eine Zahl von mehr als 1000 Teilnehmern zu kommen. Dabei interessieren die Forscher in der anonymen Befragung nicht nur die Antworten von heterosexuellen Paaren, sondern auch die Sichtweise von homosexuellen Paaren oder Singles.

Und um diese Fragen geht es im Detail: Verändert sich die Häufigkeit und Qualität unserer sexuellen Aktivitäten, wenn wir zu sehr unter Stress stehen? Zeigen sich vermehrt sexuelle Schwierigkeiten? Mit welchen Bereichen der Sexualität hängt der Stress zusammen? Und trifft dieses Phänomen für alle Personen gleichermaßen zu oder gibt es bestimmte Faktoren, die den Zusammenhang von Stress und Sexualität verändern?

Weitere Personen gesucht

Im Rahmen der psychologischen Studie soll auch ergründet werden, wie sexuelle Frustration und Stress zusammenhängen und welche möglichen sexuellen Störfaktoren es gibt Nur so könne man in Zukunft sexuelle Beschwerden, die auf Stress zurückzuführen sind, gezielt behandeln und effektiv bekämpfen, erläutert Professor Nater.

Die ersten Ergebnisse der jetzt auf den Weg gebrachten Studie werden voraussichtlich bis Ende des Jahres vorliegen. Ob dann in Marburg noch weitere Forschungsprojekte folgen, kann Nater noch nicht sagen. „Ambulante Assessments“ mit beobachtender Teilnahme der Forscher und Datenerfassungen im Alltag der Probanden wären nächste mögliche Schritte für die Forschung.

  • Für die Teilnahme an der Online-Befragung suchen Nater und sein Team noch Männer oder Frauen. Die Umfrage dauert rund 30 Minuten und ist anonymisiert. Teilnehmen kann man ab einem Alter von 16 Jahren - unabhängig von Geschlecht, Beziehungsstatus oder sexueller Orientierung. Der Link zu der Umfrage befindet sich unter https://ww3.unipark.de/uc/Stress_und_Sexualitaet

von Manfred Hitzeroth

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