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Strenge Religion versus Jugendkultur

Vortrag "Arabische Männlichkeiten" Strenge Religion versus Jugendkultur

Wenn von Problemen im Zusammenhang mit Flüchtlingen aus muslimischen Ländern gesprochen wird und es dabei vor allem um die Sorge geht, dass diese häufiger zu kriminellen Handlungen allgemein und Gewalttaten insbesondere
neigen würden, ist meist ein konkreter Teil der Flüchtlinge gemeint: Männer.

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Hoda Salah bei ihrem Vortrag.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. Da diese den Großteil der Asylsuchenden ausmachen, mag das der Grund dafür sein, dass die Vorlesung von Hoda Salah zum Thema „Arabische Männlichkeiten“ im Rahmen der Ringvorlesung über „Flüchtlinge und Migration“ am
vergangenen Dienstag, so außerordentlich gut besucht war.

Einer der großen Hörsäle der Universität war mehr als vollständig gefüllt, wobei unter den Gästen auch viele Zuhörerinnen und Zuhörer saßen, die dem Studentenalter bereits lange entwachsen waren. Allerdings behandelte der Beitrag von Salah, die nach mehrjähriger Tätigkeit als Lehrerin in Ägypten derzeit den Doktorgrad in Politik erwartet, vorrangig die Veränderungen, die in Ägypten in der Sexualmoral und den Vorstellungen von Männlichkeit stattgefunden
haben. Wer also einen Beitrag über die Ereignisse in Köln erwartete, wurde enttäuscht. Generell stellte die Politikwissen­schaftlerin fest, dass derzeit die Forschung über männliches Verhalten und Männlichkeit im arabischen Raum noch in den Kinderschuhen stecke.

Über das „neue Ägypten“ bemerkte Salah: „Seit der Revolution hat sich viel geändert, denn obwohl diese im Bereich der politischen Führung als gescheitert angesehen werden muss, ist die Gesellschaft sehr viel offener geworden.“ Mittlerweile sehen sich laut Salah viele Männer, nicht zuletzt wegen der großen Arbeitslosigkeit, mit ihrer vorgeschriebenen Rolle als Versorger der Familie überfordert, was möglicherweise mehr Raum für die Frauen lässt.

Praxis der „Genussehe“

„Grundsätzlich ist Ägypten in der Gleichberechtigung viel weiter, als manche glauben, allerdings haben selbst hochgebildete Frauen immer noch den Mann als Ernährer angesehen, das könnte sich ändern“, sagte Salah. Doch lasse sich seit der Revolution auch ein starker Aufstieg streng-religiöser Bewegungen verzeichnen, so sei etwa der Anteil an kopftuchtragenden Frauen seit den 60er-Jahren rapide angestiegen. Dabei prallen auch oft die strikt sunnitisch-muslimische Sexualmoral und die neue mediengeleitete Jugend­kultur aufeinander. Dies führe oft zu bizarren Resultaten, so habe sich immer mehr die Praxis der „Genussehe“ durchgesetzt. Man heirate privat und ohne offizielle Anmeldung und könne sich leicht scheiden lassen. Dafür seien die Ehepartner aber vor der Moralpolizei sicher und dürften  zusammenleben.

von Marcus Hergenhan

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