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Streit unter Spielern: Süchtiger schlägt zu

Bewährung Streit unter Spielern: Süchtiger schlägt zu

Der Angeklagte wurde wegen Körperverletzung zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt. Diese setzte das Gericht unter Vorsitz von Dr. Antonia Alles zur Bewährung aus.

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Zwischen Trauer und Hoffnung

Eine handfeste Auseinandersetzung zwischen zwei Glücksspielern brachte einen 38-Jährigen vor Gericht.

Quelle: Archiv

Marburg. Bestrafung als Hilfe:  Nicht nur die Freiheitsstrafe auf Bewährung soll den Mann dazu bringen, künftig von seinen illegalen Handlungen abzulassen. Als Auflage „verordnete“ das Gericht dem schwer spiel- und drogensüchtigen Angeklagten eine Drogentherapie.

Hauptanklagepunkt gegen den 38-Jährigen war der Angriff auf einen Spielerkumpel. Im November vergangenen Jahres hielt sich der Angeklagte wie so oft in einer Marburger Spielothek auf.

Dort traf er auf einen Bekannten. Es kam zum Streit zwischen den beiden Spielern. Dabei schlug der Beschuldigte seinem Gegenüber mehrmals heftig mit der Faust ins Gesicht. Der Geschädigte erlitt bei der Prügelei eine Jochbeinfraktur und wehrte sich, brach wiederum dem Angreifer die Nase.

Während der Verhandlung vor dem Marburger Amtsgericht gab der Beschuldigte den Übergriff zu, „ich habe ihn geschlagen und fertig“, betonte er aufgebracht.

Es war nicht die erste Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern. Bereits Monate vor der Tat gerieten die Bekannten mehrfach aneinander. Angeblich hatte der Geschädigte ihm Mitte des Jahres die Brille geklaut und ihn bedroht, teilte der Angeklagte mit. Dies hatte er ihm jedoch bereits verziehen.

Nachdem er den Kumpel am Tatabend erneut angesprochen hatte, beleidigte ihn der andere Mann, provozierte ihn angeblich, bis er schließlich zuschlug, erklärte der 38-Jährige aufgebracht seinen Ausraster. Die beiden hätten sich öfter „in den Haaren“ und bereits gegenseitig verklagt, ergänzte Verteidiger Thomas Strecker.

Zeuge fühlt sich im Gericht vom Angeklagten bedroht

Auch bei Gericht schien die Stimmung zwischenzeitlich angespannt.

Noch vor Beginn der Verhandlung kam es zu einem Zwischenfall, der Angeklagte hatte den wartenden Geschädigten kurz angesprochen, angeblich aggressiv angepöbelt. Der Zeuge fühlte sich durch den anderen Mann bedroht.

Auch die Situation am Tatabend beschrieb der Geschädigte völlig anders. Der Kumpel habe ihn in der Spielothek um Geld gebeten, teilte der Zeuge mit. Ohne Grund sei er schließlich auf ihn losgegangen und habe zugeschlagen.

„Ich hatte Angst“, sagte der aufgeregte Zeuge. Er selber habe sich nur schwach gewehrt, den Angreifer dabei nicht verletzt, erst recht nicht die Nase gebrochen.

Dem widersprach die Ehefrau des Angeklagten. Ihr Mann sei einen Tag später mit eindeutig geschwollenem Gesicht nach Hause gekommen. „Er lügt ohne Ende“, sagte auch der Beschuldigte aufgeregt. Sein Nervenkostüm ist dünn: Seit langem leide er an Depressionen, hatte seine Tabletten nach eigener Aussage am Tattag nicht eingenommen. „Wenn ich die nicht nehme, werde ich sehr aggressiv.“

Sein Verhalten werde durch eine traumatische Vergangenheit und jahrelange Drogen- und Alkoholsucht beeinflusst. „Ich trinke ganz viel und nehme intensiv Drogen“, erklärte der Mann.

Seit zwei Monaten konsumiere er vermehrt Crack, komme von seiner Sucht nicht los. Das Leben seines Mandanten sei „wie ein Suizid auf Raten“, betonte sein Verteidiger, lange halte der Mann den exzessiven Konsum nicht mehr aus.

Demnach brauche er weniger eine schwere Bestrafung als vielmehr eine umfangreiche Suchttherapie, „sonst geht er vor die Hunde“, sagte der Anwalt.

Bewährungshelferin: Klient gilt als unzuverlässig

Über das Drogenproblem wunderte sich die Bewährungshilfe. Die Spielsucht sei den Betreuern bekannt, „von einer Drogenproblematik höre ich aber zum ersten Mal“, erklärte die Bewährungshelferin des Angeklagten.

Der Klient gelte zudem als unzuverlässig und konnte bislang keine positiven Veränderungen in seinem Lebenswandel vorzeigen. Zweimal stand er bereits wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis sowie Urkundenfälschung vor Gericht, ist jedoch nicht einschlägig vorbestraft.

Zuletzt wurde er Mitte vergangenen Jahres zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Die geständige Einlassung des Angeklagten wie gegenseitige Verletzungen der Kontrahenten wertete das Amtsgericht zu seinen Gunsten.

Verurteilter muss eine Drogentherapie antreten

Doch selbst wenn es im Vorfeld eine Provokation gegeben hatte, wovon das Gericht nicht gänzlich überzeugt war, „diese Verteidigungshandlung war nicht erforderlich“, betonte Strafrichterin Dr. Antonia Alles. Sie verurteilte den Angeklagten unter Einbeziehung des vorangegangenen Urteils zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Als Auflage hat der Süchtige eine Drogentherapie aufzunehmen „und auch erfolgreich abzuschließen“, machte die Richterin in ihrem Schlusswort deutlich.

von Ina Tannert

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