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Streit unter Nachbarn eskaliert

Aus dem Gericht Streit unter Nachbarn eskaliert

Ein Mann soll gemeinsam mit drei weiteren Personen Nachbarn verletzt haben. Eine direkte Beteiligung an den Übergriffen wurde ihm nicht nachgewiesen.

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Wegen zu lauter Musik soll ein Mann seinen Nachbarn verprügelt haben.

Quelle: Themenfoto: Nadine Weigel

Marburg. Gezielt sollen die vier Männer ihre Opfer angegriffen, mehrfach zugeschlagen und getreten haben. Einer der vermeintlichen Täter stand wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Mangelndes Erinnerungsvermögen der Zeugen erschwerte eine Klärung des Falls und führte zur Einstellung des Verfahrens. Im April 2014 ging der Angeklagte gemeinsam mit drei weiteren Männern angeblich zur Wohnung seiner beiden Nachbarn.

Nachdem einer der Männer die Tür öffnete, stürmten die Angreifer hinein, warfen die Bewohner zu Boden und prügelten auf weitere anwesende Gäste ein, so die Anklage. Mit einem Schlagstock schlugen die Täter angeblich gezielt auf Hände und Knie der Opfer. Organisation und Überwachung der vermeintlichen Racheaktion soll der Angeklagte übernommen und die Geschädigten verhöhnt haben. Durch die Misshandlung verschluckte einer der Männer sein Gebiss, zog sich eine blutende Wunde im Inneren des Halses zu.

Angeklagter fühlte sich durch zu laute Nachbarn gestört

Die Gäste erlitten Prellungen und Knieverletzungen. Laut Anklage wurde die Tat im Vorfeld geplant. Der Grund: eine angebliche Lärmbelästigung. Der ebenfalls in dem Haus wohnende Angeklagte fühlte sich von den seiner Meinung nach zu lauten Nachbarn gestört.

Während der Verhandlung vor dem Amtsgericht schwieg der 26-jährige Beschuldigte, machte keine Angaben zu den Vorwürfen. Sein Nachbar war dagegen von seiner Beteiligung an dem Übergriff überzeugt. Höchst aggressiv hätten „vier kräftige Männer“ seine Wohnung gestürmt und lauthals Geld und Wertsachen der Anwesenden verlangt. Er sei zu Boden gestoßen und geschlagen worden.

Ab diesem Zeitpunkt lässt seine Erinnerung jedoch nach. Seit dem Übergriff hatte der an Epilepsie leidende Mann mehrere Anfälle, die zu Erinnerungslücken führten, erklärte der Geschädigte. Welcher der Männer wen geschlagen oder was gesagt haben soll, wisse er nicht mehr, sei jedoch überzeugt, dass der Nachbar an dem Angriff beteiligt war.

„Da bin ich mir absolut sicher.“ Der Beschuldigte habe ihn beschimpft und für das Ende seiner Beziehung verantwortlich gemacht, da es im Haus stets zu laut sei. Die Angaben wichen teilweise von seiner polizeilichen Aussage ab. Auch dies erklärte er durch die regelmäßigen epileptischen Anfälle, an die Vernehmung könne er sich nicht einmal erinnern. „Ich weiß nur noch, dass ich geschlagen worden bin“, betonte der Zeuge.

"Ich konnte meinen Freund nur schreien hören"

Auch der Mitbewohner sowie einer der Gäste konnten nur wenig zur Aufklärung beitragen. Sie seien teilweise in anderen Zimmern fest gehalten worden, konnten nicht erkennen, ob der Angeklagte überhaupt anwesend war.

„Ich konnte meinen Freund nur schreien hören“, sagte einer der Zeugen. Abweichende und unzureichende Angaben über den Tatverlauf sowie das Fehlen eines weiteren Geschädigten brachten die Beweisaufnahme ins Stocken.

Dass der Angeklagte in irgendeiner Weise an dem Geschehen beteiligt war, davon war Strafrichterin Dr. Antonia Alles überzeugt. „Er war in dieser Wohnung“, so die Richterin. Ob der Mann an den Schlägen mitwirkte, konnte indes nicht eindeutig geklärt werden. „Die Aussagen passen definitiv nicht zusammen“, so der Verteidiger und verwies auf Ungereimtheiten in den Akten.

Die Täterbeschreibung einiger Zeugen passe nicht zu seinem Mandanten. Dem musste Staatsanwalt Jürgen Noll zustimmen, die Ergebnisse der Zeugenvernehmung seien „wenig ergiebig“, so der Anklagevertreter und riet zu einer Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage. Die Richterin stellte das Verfahren gegen eine Auflage von 300 Euro vorläufig ein.

von Ina Tannert

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