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Streit um Parkplatz eskaliert

Aus dem Amtsgericht Streit um Parkplatz eskaliert

Im Januar eskalierte die Parkplatzsuche eines Marburger Autofahrers in ­einem explosionsartigen Wutanfall: Jetzt folgte ein Prozess vor dem Marburger Amtsgericht.

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Ein Strafverfahren wegen Körperverletzung und Beleidigung wurde gegen Auflagen eingestellt.

Quelle: Querschnitt / pixelio.de

Marburg. Weil sie mit ihrem Pkw die Zufahrt zu einem Behindertenparkplatz blockierte, sah sich ein anderer Autofahrer dermaßen eingeschränkt, dass er die entsetzte Frau aus Rache angriff und ihr ins Gesicht schlug. Während der Verhandlung vor dem Marburger Amtsgericht bereute er seinen Ausraster. Das Verfahren wurde eingestellt, nachdem er sich bei der Geschädigten entschuldigte.

Der 65 Jahre alte, als schwerbehindert geltende Marburger suchte in den Mittagsstunden am Schwanhof nach einer Parkmöglichkeit. Die beiden letzten Behindertenparkplätze wurden teils von einem davor parkenden Fahrzeug blockiert. Nachdem er mit Handzeichen auf sein Ziel aufmerksam machte, setzte die wartende Fahrerin ihren Wagen ein Stück zurück, um Platz zu machen.

Zu wenig, fand der Angeklagte. Nachdem er sein Auto abgestellt hatte, begann der aufgebrachte Mann die aus Japan stammende Frau durch das geöffnete Fahrerfenster wüst zu beschimpfen. Erbost schrie er sie an: „In Deutschland braucht man so etwas nicht“, sie solle doch zurück nach Japan gehen, heißt es in der Anklageschrift. Nach dem Öffnen der Fahrertür schlug er der geschockten Fahrerin mit der flachen Hand ins Gesicht. Durch das Hinzutreten mehrere Zeugen konnte die aufgeheizte Situation schließlich aufgelöst werden.

Schriftliche Entschuldigung

„Das war völlig unangemessen und inakzeptabel“, entschuldigte sich der Beschuldigte während der Verhandlung am vergangenen Donnerstag bei der Geschädigten.

Er erreichte zwar den Parkplatz, musste jedoch „hin und her rangieren“, um sich in der Parklücke korrekt zu platzieren, fühlte sich gedemütigt, so sein Eindruck der Situation. „Da kochte etwas in mir über, die Wut hat mich getrieben“, schrieb der Mann in einem umfangreichen Entschuldigungsschreiben. Eine persönliche Entschuldigung hatte die Frau im Vorfeld abgelehnt.

Als Begründung für sein Verhalten nannte der Angeklagte gesundheitliche Probleme. Nach einem Schlaganfall im vergangenen Jahr habe er Schwierigkeiten sich zu konzentrieren, neige zu Kopfschmerzen und übertriebener Wut. Sei mehreren Jahren gilt er aufgrund einer Nervendegeneration zudem als schwerbehindert. Seine innerliche Anspannung und Neigung zu Wutanfällen versuche er mit sportlicher Betätigung und Entspannungsübungen in den Griff zu bekommen.

Auflage: 50 Arbeitsstunden

Eindeutig nahm die Geschädigte die Entschuldigung des Mannes nicht an. Dessen Verhalten könne sie zwar „nicht nachvollziehen“, trage dem Mann den Schlag jedoch nicht mehr nach. „Ich habe mit der Sache abgeschlossen, für mich gibt es nichts mehr zu klären“, teilte die Zeugin mit. Wieder begegnen wolle sie dem Täter jedoch nicht mehr.

Aufgrund der weitestgehenden Aussöhnung der Beteiligten, die das Gericht als Täter-Opfer-Ausgleich wertete, riet Strafrichter Dominik Best zur Einstellung des Verfahrens ohne weitergehende Auflagen. Dem konnte sich die Staatsanwaltschaft nicht vollends anschließen: „Das Verhalten war absolut unangemessen“, machte Amtsanwältin Tina Grün deutlich und forderte eine Auflage für den Angeklagten.

Die Parteien einigten sich auf insgesamt 50 gemeinnützige Arbeitsstunden, die der Mann abzuleisten hat. Der 65-Jährige schlug von sich aus eine Unterstützung der demnächst nach Marburg kommenden neuen Flüchtlinge vor. Da er mehrere Sprachen spricht, bot er einen Deutschkurs für die Asylbewerber an. Die Entscheidung über die Art der Arbeitsstunden wird die Gerichtshilfe treffen.

von Ina Tannert

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