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Streik nach Unfallserie abgesagt

Wintereinbruch Streik nach Unfallserie abgesagt

Ein später Wintereinbruch hat in Hessen für teilweise chaotische Verkehrsverhältnisse gesorgt. Auf der A 45 bei Münzenberg waren fuhren mehr als 100 Autos ineinander.

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Völlig zerstörte Autos und LKW bestimmen das Bild nach einer Massenkarambolage auf der A45 bei Wölfersheim. Auf schneeglatter Fahrbahn waren hier am Mittag rund 100 Fahrzeuge ineinander gefahren. 

Quelle: Boris Roessler

Marburg/Hessen. Die Unfallstelle glich einem Trümmerfeld: zusammengeschobene Lastwagen, aufgeplatzte Airbags, Glasscherben. Wie durch ein Wunder wurde niemand bei dem Horrorcrash getötet. Die Polizei sprach zunächst von mehr als einhundert Verletzten. Die Unfallopfer wurden in die umliegenden Krankenhäuser verteilt.

Allein in das UKGM in Gießen wurden bis zum Nachmittag neun Verletzte eingeliefert. Binnen kurzem wurden 100 Ärzte und Pflegekräfte in acht Teams mobilisiert, wie Sprecher Frank Steiblli berichtete. Alle laufenden Operationen wurden abgesagt, sämtliche Schock- und Untersuchungsräume für die Aufnahme der verunfallten Patienten der Massenkarambolage frei gehalten.

„Es gibt höhere Werte als einen Streik“, sagte der Betriebsratsvorsitzende am Standort Gießen, Klaus Hanschur, gestern Nachmittag noch unter dem Eindruck des Massenunfalls. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sagte wegen der Massenkarambolage und weiterer zu befürchtender Unfälle den für heute geplanten Warnstreik am Universitätsklinikum Gießen und Marburg ab. „Die Patientenversorgung geht vor“, sagte Hanschur.

Auch im Landkreis kam es zu schweren Verkehrsbehinderungen und Unfällen. Auf der Landesstraße 3290 zwischen Stadtallendorf und Niederklein stieß am Montagabend gegen 19 Uhr ein 29-jähriger Autofahrer mit einem Lastzug zusammen und kam ums Leben. 

Außer diesem tragischen Unfall nahm die Polizei im Landkreis von Beginn der Schneefälle bis Dienstagnachmittag 12 weitere Unfälle auf. In fünf von ihnen kamen Menschen zu Schaden. Während der Schnee in Süd- und Mittelhessen zu Chaos auf den Autobahnen führte, hatten die Räumdienste im Landkreis die Situation unter Kontrolle. Es gab keine größeren Staus auf den Land- und Bundesstraßen im Kreis, sagte Willi Kunze von Hessen Mobil.

Die Stadt- und Schulbusse fuhren zwar in einigen Fällen verspätet, mussten ihren Dienst aber nicht einstellen. In Südhessen fiel in mehr als 15 Schulen der Unterricht aus. Für alle, die sich ärgern, dass sie nach den milden Frühlingstagen die Winterjacke wieder anziehen mussten, hat Meteorologe Thomas Ruppert vom Deutschen Wetterdienst gute Nachrichten: Der Märzwinter ist in unseren Gefilden nichts Ungewöhnliches. Er trennt den „Vorfrühling“ vom „Hochfrühling“. So viel Schnee – nordöstlich von Hamburg fielen bis zu 22 Zentimeter – sei jedoch eher selten, so der Meteorologe. Allen Wintermuffeln bleibt nur: Die letzten Male den Eiskratzer schwingen, längere Fahrzeiten einplanen und auf den Hochfrühling hoffen.

Update um 20.28:

Zu einem schweren Verkehrsunfall kam es am frühen Dienstagabend auf der Bundesstraße 62 bei Kirtorf. Eine Autofahrerin aus dem Kreis Marburg-Biedenkopf rutschte auf der schneebedeckten Fahrbahn frontal gegen einen Lastwagen. Sie wurde bei dem Unfall so schwer verletzt, dass sie mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Rettungsdienst, Notarzt, Feuerwehr, Polizei und Bergeunternehmen waren bei starkem Schneefall im Einsatz. Die Frauen und Männer der Feuerwehren Kirtorf-Mitte und Lehrbach nahmen auslaufende Betriebsstoffe mit Bindemitteln auf und unterstützten die Bergungsarbeiten. Während der Rettungsarbeiten und der Bergung war die Bundesstraße voll gesperrt.

(Aktualisierung um 20.28 Uhr)

von Till Conrad, Thomas Strohjohann und unserer Agentur

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